bedeckt München
vgwortpixel

Wintersport: Ski alpin:"Ein guter Abfahrer"

Maier hat die E-Mails an Keppler weitergeleitet, und es scheint, als habe das gewirkt. "Er ist ruhiger und konzentrierter", sagt Maier. Keppler hat offenbar verstanden, welches Verhalten in dieser Branche zielführend ist: selbstbewusst sein, aber zurückhaltend, wenn es die Umstände erfordern. "Ein gewinnendes Auftreten", nennt Maier das. Jetzt, fügt er an, müsse man sehen, "wie nachhaltig das ist". Er freut sich über Kepplers Erfolg, aber er ist vorsichtig geworden: Zu oft schon wurden Erwartungen geweckt, die dann enttäuscht wurden.

Wintersport kompakt

Neureuther kommt in Fahrt

Doch Kepplers Verbesserung bestätigt einen Trend, der in dieser Saison schon in Ansätzen erkennbar war und sich nun in Gröden deutlich offenbart. Am Donnerstag, beim Abschlusstraining zur an diesem Samstag stattfindenden Abfahrt, war auch dem 21-jährigen Andreas Sander aus Ennepetal ein Ausrufezeichen gelungen: Mit Nummer 64 fuhr er auf Rang drei. Es war nur das Training, aber deutsche Ausrufezeichen waren zuletzt selten; sogar der eigene Physiotherapeut habe ihn gefragt, erzählt Sander, ob er an einem Tor vorbeigefahren sei. Nein: Auch Sander war einfach gut gewesen.

Sander ist eines von ein paar Talenten, die im Schatten der Bedeutungslosigkeit gewachsen sind. Er ist vor zwei Jahren Junioren-Weltmeister im Super-G geworden, und Cheftrainer Karlheinz Waibel sagt, Sanders erstaunlicher Trainingslauf sei kein Zufall gewesen, "er ist ein guter Abfahrer". Das zeigt schon Sanders Statur, 1,77 Meter klein, 90 Kilogramm schwer, er ist ein Kraftpaket. Maier findet, das sei generell auffällig: Die aktuelle Generation der deutschen Skirennfahrer sei athletischer geworden, Sander ist nicht das einzige Kraftpaket.

"Das ist auch eine Frage der Wahrnehmung", glaubt Waibel. Als er den Posten als Cheftrainer vor zwei Jahren antrat, begann er eine Suche nach dem Rennfahrer-Gen, das verloren war im DSV. Dass es nun wieder langsam erkennbar wird, das ist auch Waibels Verdienst. Wichtig war zudem, dass sie begannen, den zweitklassigen Europacup als Chance zu begreifen: Im Gegensatz zu früher werden die Jungen nun immer wieder im Europacup eingesetzt, wo sie sich Selbstvertrauen holen können. Auch Sander wird nach diesem Wochenende zurückgeschickt, und er findet das völlig in Ordnung.

Nach Jahren des Hinterherfahrens haben die Deutschen zwar noch keine dauerhaften Sieganwärter, das nicht, aber sie haben wieder Hoffnung. Am Mittwoch war Maier in Haus im Ennstal, beim Abfahrtscamp der Jahrgänge 1993 bis 1995, er wollte nach dem Rechten sehen. Maier sagt, es habe ihm gefallen, was er gesehen hat.