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Wimbledon:Federer vor

ATP 500 - Halle Open

In Wimbledon an Zwei gesetzt: Roger Federer

(Foto: REUTERS)

Wimbledon erstellt bei den Männern eine Setzliste nach eigenen Kriterien, Frauen dagegen werden entsprechend der Rangliste eingestuft. Das ist ungerecht und nicht zeitgemäß.

Kommentar von Gerald Kleffmann

Das Tennisturnier von Wimbledon ist einmalig. Es ist das einzige der vier Grand Slams auf Rasen. Berühmt sind die Erdbeeren, Taubenjäger Rufus, der Wüstenbussard, die weiße Kleidung, die Spielerinnen und Spieler tragen müssen; Creme-Farbiges geht nicht mehr. Gemeinhin gelten diese Riten und Regeln als das, was die zwei Wochen im All England Club so speziell macht, wobei ein Thema gerne mal für kleinere, mal für größere Grabenkämpfe sorgt: die Setzlisten. "Es ist jedes Jahr dasselbe", ärgerte sich Rafael Nadal beim spanischen Sender Movistar. "Wimbledon ist das einzige Turnier im Jahr, wo sie machen können, was sie wollen in dieser Beziehung." Die Debatte war eröffnet.

Der 18-malige Grand-Slam-Sieger hatte nicht selbstlos geklagt, er wurde Opfer der Besonderheit, die sich Wimbledon beim Anfertigen der Setzungen gönnt. Die (bei Grand Slams 32) besten Frauen und Männer werden normalerweise entsprechend der Rangliste so "gesetzt", dass die Guten im Idealfall erst dann aufeinandertreffen, wenn es um die wichtigen Runden geht. In Wimbledon läuft es modifiziert ab.

Früher hatte ein Komitee Profis, die auf Rasen gut waren, einfach höher gesetzt. Als dieses Prozedere vielen zu undurchsichtig war, wurde 2002 die "Gentlemen's Seeding Formula" erstellt, in die anteilig Weltranglisten- und bei Rasenturnieren erzielte Punkte fließen. Die jüngste Berechnung ergab: Nadal, Nummer zwei der Welt, ist an Drei gesetzt, mit möglichen Folgen: Auf dem Weg ins Finale dürfte er im Halbfinale Ranking-Primus Novak Djokovic begegnen, während Roger Federer, statt an Drei an Zwei gesetzt, diese Hürde erspart bliebe. Regelkonform ist das Verschieben von Setzungsplätzen, weil Wimbledon es eben festgelegt hat. Nur: Ist es noch gerecht?

Gibt es überhaut noch Rasenspezialisten?

Stichhaltig ist Nadals Behauptung, die Entscheider respektierten nicht den Status, "den sich die Spieler während der Saison erspielt haben". Andere teilten seine Sicht, etwa Patrick McEnroe, Bruder von John McEnroe. Auch Djokovic ließ Zweifel erkennen, gerade weil die Rochade die Größen Nadal und Federer betraf. Der angesehene Coach Darren Cahill betonte, dass es keine Rasenspezialisten mehr gebe, die Beläge seien vom Tempo her ähnlicher geworden. Der Australier riet zur Überprüfung der Regel.

In Wimbledon lassen sie sich zwar ungern etwas raten, aber sollten sie in sich gehen, wäre auch zu hinterfragen, warum bei Geschlechtern unterschieden wird. Die Frauen werden allein nach der Weltrangliste gesetzt, mit der schwammigen Fußnote, dass "balancierte" Veränderungen möglich seien. 2018 wurde Serena Williams, als Mutter zurückgekehrt, gesetzt, obwohl sie weit zurückgefallen war. Das war richtig - ansonsten gibt es aber keinen Grund, warum Männer und Frauen auf verschiedene Art gesetzt werden. Wimbledon wäre in dem Punkt dann zwar nicht mehr einmalig - aber zeitgemäß.

© SZ vom 27.06.2019/sonn

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