Wimbledon:Schmuck für 35 000 Pfund

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Wimbledon: Erfolgreich mit edlen Ohrringen: Emma Raducanu.

Erfolgreich mit edlen Ohrringen: Emma Raducanu.

(Foto: Han Yan/Xinhua/Imago)

Bei einem Grand-Slam-Turnier hat jeder Profi sein ganz eigenes Los zu tragen. Die Britin Emma Raducanu trägt teure Körperverzierung, die Ukrainerin Anhelina Kalinina will für ihre Eltern siegen, deren Haus zerbombt wurde, und für Vorjahresfinalist Matteo Berrettini ist Wimbledon schon vorbei - der Italiener hat Corona.

Von Gerald Kleffmann, Wimbledon

Tennis ist ein Individualsport, was zweifellos besonders gut dieser Tage in Wimbledon zu beobachten ist. Wer zum Beispiel ein Freund der gewissen Extravaganz ist, hatte sicher seine Freude am Auftritt der britischen Spielerin Emma Raducanu, 19, am Montagnachmittag. Die 19-Jährige, die im vergangenen Jahr völlig überraschend die US Open gewann, seitdem aber oft mit Verletzungen und Niederlagen zu kämpfen hatte, startete gut ins Rasenturnier. Sie besiegte Alison van Uytvanck 6:4, 6:4, wobei unmittelbar während dieser Partie noch keinem auffiel, welche Kostbarkeiten Raducanu an ihrem Körper trug.

In der Pressekonferenz jedenfalls wurde sie nicht dazu befragt, wieso sie mit Schmuck im Wert von zusammengerechnet jenseits der 35000 Pfund auf den Platz gegangen war. Tags darauf berichten diverse britische Zeitungen, dass sie etwa Ohrringe für 7500 Pfund trug. Ein Armband wurde auf 18900 Pfund beziffert. Hinter der Aktion steckt ein weltbekannter Juwelier, der den neuen Liebling der britischen Medien ganz offiziell als Sponsor unterstützt.

Wesentlich bedeutungsschwerere Themen belasten die Ukrainerin Anhelina Kalinina, die ihr erstes Wimbledon-Match 4:6, 6:2, 6:4 gegen die Ungarin Anna Bondar gewann. Anschließend berichtete die 25-Jährige, dass das Haus ihrer Eltern bombardiert wurde; riesige Löcher seien in den Wänden. Kalinina trifft nun auf ihre Landsfrau Lesia Tsurenko, und natürlich ist dieses Duell ein besonderes in diesen Zeiten. Noch wüssten sie es nicht genau, sagten beide, sie wollten sich aber vielleicht etwas einfallen lassen, um auf das Schicksal der Ukraine hinzuweisen, die in den jüngsten Tagen wieder schwere Angriffe der russischen Armee zu verkraften hatte. Es war auch ein berührender Satz, als Kalinina sagte, sie sei "kein Superstar", sie versuche zu helfen, wo sie könne. Mit dem Preisgeld in Wimbledon wolle sie nicht nur ihre Familie, sondern auch andere in der Heimat unterstützen.

Jeder im Tennis hat wirklich sein eigenes Los, im Guten wie im Schlechten. Dem Kölner Oscar Otte kam bei der Anreise nach London ein Gepäckstück mit Schuhen und Tennissaiten abhanden, immerhin hatte er intuitiv entschieden, die Schläger als Handgepäck zu verstauen. Umso beeindruckender war sein 6:1, 6:2, 6:1-Erfolg zum Auftakt gegen den Münchner Peter Gojowczyk. Eine niederschmetternde Nachricht musste Vorjahresfinalist Matteo Berrettini verdauen - der Römer, einer der Favoriten auf den Titel, ist Corona-positiv getestet worden. "Untröstlich" sei er. Immerhin hat er, wie er bekanntgab, nur milde Erkältungssymptome.

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