Djokovic und Kyrgios im Endspiel von Wimbledon:"Es wird ein emotionales Feuerwerk geben"

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Djokovic und Kyrgios im Endspiel von Wimbledon: Küsschen: Novak Djokovic war mit manchen Zuschauern nicht zufrieden.

Küsschen: Novak Djokovic war mit manchen Zuschauern nicht zufrieden.

(Foto: Aadian Dennis/AFP)

Novak Djokovic strauchelt nur kurz, dann zieht er souverän in sein achtes Wimbledon-Finale ein. Dort trifft er auf Nick Kyrgios, der nach seinem kampflosen Einzug erst mal einen Angst-Anfall erlebt.

Von Gerald Kleffmann, Wimbledon

Nach einigen seiner letzten Punkte machte Novak Djokovic Gesten hoch in die Ränge. Mal nach rechts, mal nach links zischte seine Faust hoch, sein Blick verriet: He was not amused. Er hatte sich massiv über Zwischenrufe geärgert, die immer wieder zur völligen Unzeit über den Platz des Centre Courts schallten. "Come, on, Cam" oder auch "Norrie!", ertönte es, zu gerne hätte das vorwiegend britische Publikum einen der Ihren wenigstens noch in den fünften Satz getragen, mit tatkräftiger Unterstützung.

Aber Djokovic spielte letztlich, nach einem viel zu defensiven ersten Satz, die Partie klinisch zu Ende. Mit einem 2:6, 6:3, 6:2, 6:4-Erfolg gegen den Weltranglisten-Zwölften Cameron Norrie erreichte der 35-Jährige sein achtes Wimbledon-Finale, sein viertes gar in Serie, das zugleich auch, kaum zu glauben, sein 32. Endspiel bei einem Grand-Slam-Turnier ist. Natürlich tritt er im letzten Akt als Favorit an, wenngleich ein besonderer Gegner auf ihn wartet: der Australier Nick Kyrgios.

"Eins ist sicher, es wird von beiden Seiten ein reichlich emotionales Feuerwerk geben", sagte Djokovic nach seinem Finaleinzug auf dem Hauptplatz im All England Club und meinte: "Er hat nicht viel zu verlieren, und so spielt er auch. Ich habe noch nie einen Satz gegen ihn gewonnen, hoffentlich ist es dieses Mal anders." Bei den einzigen zwei Begegnungen der beiden im Jahr 2017 hatte Kyrgios jeweils in zwei Sätzen gesiegt, ihre sportlichen Wege kreuzten sich seltsamerweise nie öfter. Und doch verbindet sie eine wechselhafte persönliche Vergangenheit. Kyrgios hatte Djokovic zu Beginn der Pandemie massiv kritisiert, als der Serbe bei einer Schaukampfserie in der Heimat eine wilde Party schmiss. Er hielt das für verantwortungslos. Als Djokovic Anfang dieses Jahres aufgrund seines Ungeimpften-Status für die Australian Open nicht ins Land gelassen wurde und Melbourne verlassen musste, nahm Kyrgios ihn freilich in Schutz und verurteilte den Umgang mit ihm.

"Ich denke, jeder weiß, dass es für eine Weile keine Liebe zwischen uns gab", räumte Kyrgios am Freitag ein und befand: "Das war gesund für den Sport. Jedes Mal, wenn wir gegeneinander gespielt haben, gab es einen Hype." Nun stufte er ihre Beziehung als "Bromance" ein, als eine Romanze unter Männern. Kyrgios gab dann zu, dass ihn die Nachricht, nach dem Turnier-Ausstieg Rafael Nadals kampflos sein erstes Grand-Slam-Finale erreicht zu haben, erst mal aus der Bahn warf. "Ich hatte einen schockierenden Schlaf, um ehrlich zu sein", sagte der Exzentriker, der auch in Wimbledon, zumindest anfangs, mit mancher Tirade alle auf Trab gehalten hatte. Nur eine Stunde hätte er in der Nacht auf Freitag geschlafen. "Ich hatte so viel Angst, ich habe mich bereits so nervös gefühlt, und normalerweise bin ich nicht nervös."

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