Vor dem Frauenfinale in WimbledonWillkommen bei den Czech Open

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Finalistin in Wimbledon: Linda Noskova, hier beim Sieg im Halbfinale gegen die Ukrainierin Marta Kostyuk.
Finalistin in Wimbledon: Linda Noskova, hier beim Sieg im Halbfinale gegen die Ukrainierin Marta Kostyuk. Clive Brunskill/Getty Images

Im Frauenfinale von Wimbledon kommt es zu einem rein tschechischen Duell: Karolina Muchova trifft auf die acht Jahre jüngere Linda Noskova – zwei Tennisprofis, die neben dem Platz eine Freundschaft pflegen.

Von Gerald Kleffmann, Wimbledon

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Linda Noskova hatte eigentlich gar keine Lust, Tennisspielerin zu werden. Und hätten sie damals, als sie in der tschechischen Kleinstadt Vsetin aufwuchs, ihre Eltern einfach aus einer Laune der Natur heraus nicht auf den Tennisplatz geschleift, wäre ihr Leben sicher völlig anders verlaufen. Und garantiert würde sie jetzt nicht im Finale des berühmtesten Turniers der Branche stehen. „Ich habe nicht viel Tennis als Kind geschaut“, gab Noskova, inzwischen 21 Jahre alt, am Donnerstag zu, nachdem sie gerade die Ukrainerin Marta Kostjuk 6:4, 6:4 im Halbfinale des Rasenklassikers besiegt hatte. „Aber an eines erinnere ich mich: als Petra Kvitova hier gewann. Das war einer der ersten Augenblicke, in denen ich realisierte, dass ein Sport wie Tennis existiert.“ Als Ahnungslose binnen 15 Jahren ins Finale von Wimbledon – auch kein schlechter Weg.

Die tschechische Erfolgswelle im All England Club, die ganz offensichtlich Noskova mit nach oben spülte, begann tatsächlich in jenem Jahr 2011, als die Linkshänderin Kvitova triumphierte, 2014 siegte sie ein zweites Mal. Marketa Vondrousova, im Juni wegen einer verweigerten Dopingprobe für vier Jahre gesperrt, holte 2023 den Titel, ein Jahr später Barbora Krejcikova, eine absolut herausragende Nationendominanz. „Ich bin immer noch etwas unter Schock, dass ich auf so einem Platz nun selbst spielen darf“, räumte Noskova ein, als sie vom kultigen Centre Court sprach, auf dem sie erstmals spielen durfte. Und wie war das Erlebnis? „Nicht so schlecht“, sagte sie, und jetzt weiß die Öffentlichkeit nebenbei auch: Diese Linda Noskova besitzt nicht nur harte Grundlinienschläge, sondern auch trockenen Humor.

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Als Kind bekam er von Wimbledon kaum etwas mit, nun erlebt der 29-Jährige den Rasenklassiker so intensiv wie nie. Für seinen Gegner im Halbfinale, den Briten Arthur Fery, ist das Match in jeder Hinsicht ein Heimspiel.

Von Gerald Kleffmann

Dass ihre Gegnerin am Samstag (nicht vor 17 Uhr deutscher Zeit) ihre Landsfrau Karolina Muchova ist, macht dieses Wimbledon endgültig zu den Czech Open. Befreundet sind die zwei überdies. Dass die Weltranglistenneunte Muchova und die acht Jahre jüngere Weltranglistenzwölfte Noskova nicht jene Strahlkraft besitzen wie die US-Amerikanerin Coco Gauff, die von Muchova in einem Krimi bezwungen wurde, oder wie Kostjuk, die regelmäßig den milden Umgang mit russischen Athleten angesichts des Krieges anprangert, liegt an ihren zurückhaltenden Naturellen. Sie sind keine extrovertierten Personen, auch wenn Noskova einen Nasenring trägt. Daher darf man kein Feuerwerk an Emotionen erwarten, eng könnte die Partie aber werden. Bei den US Open 2025 besiegte Muchova in der dritten Runde Noskova erst nach 2:53 Stunden.

Auch ohne globale Stars zu sein, genießen beide größtes Ansehen unter den Kolleginnen. Noskova gewann jüngst das bestens besetzte Rasenturnier in Berlin. Muchova, eine gute Gitarrenspielerin, war mit der Empfehlung eines Titelgewinns in Bad Homburg angereist, sie ist ohnehin ein Sonderfall. Muchova wird aufgrund ihrer Fähigkeiten als eine gesehen, die längst Grand-Slam-Turniere hätte gewinnen müssen. Oft war sie verletzt, zu oft fehlte ihr Skrupellosigkeit auf dem Platz. „Sie verdient viel mehr Erfolg für das Talent, das sie hat“, sagte bezeichnenderweise Gauff.

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