Amanda AnisimovaSie hatte Burn-out – und steht nun im Wimbledon-Halbfinale

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Welt, lass dich umarmen! Amanda Anisimova genießt ihren Sieg im Viertelfinale gegen die Russin Anastasia Pawljutschenkowa.
Welt, lass dich umarmen! Amanda Anisimova genießt ihren Sieg im Viertelfinale gegen die Russin Anastasia Pawljutschenkowa. (Foto: Kin Cheung/AP)
  • Die 23-jährige Tennisspielerin Amanda Anisimova steht nach einer siebenmonatigen Auszeit wegen Burnouts im Halbfinale von Wimbledon.
  • Anisimova, die mit 17 Jahren bereits das Halbfinale der French Open erreichte, musste den frühen Tod ihres Vaters verkraften und fiel in der Weltrangliste zwischenzeitlich auf Platz 359 zurück.
  • Nach ihrer Rückkehr zeigt sich Anisimova mental gefestigt, wird in die Top Ten der Weltrangliste aufsteigen und trifft im Halbfinale in Wimbledon auf die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka.
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Amanda Anisimova galt als Tennissternchen, dann starb ihr Vater, sie stieg sieben Monate aus dem Sport aus. Mit 23 Jahren wirkt sie gefestigter denn je – und könnte das Finale beim Rasenklassiker in England erreichen.

Von Gerald Kleffmann

Wimbledon gilt immer noch als das speziellste Grand-Slam-Turnier unter den vier Großveranstaltungen des Tennissports, die Organisatoren merken das auch an den Handtüchern. In der ersten Woche verschwanden jeden Tag 500 Handtücher, beziehungsweise, die Profis brachten die begehrten Souvenirs nicht zurück. Wie die Zeitung The Times berichtete, habe der All England Club aufgegeben, die Spieler zu bitten, die 40 Pfund teuren Utensilien wieder auszuhändigen. Jahr für Jahr zum Schmunzeln sind auch die Schiedsrichterdurchsagen, wenn es auf den Tribünen ploppt. „Könnten Sie bitte vermeiden, die Flasche Champagner zu öffnen, während die Spieler aufschlagen“, sagte diesmal etwa wieder der Stuhlschiedsrichter in einem Drittrundenmatch auf Court 3. Das Publikum lachte herzlich.

Die Amerikanerin Amanda Anisimova, die ihre Bewegung abgebrochen hatte, war indes weniger amüsiert. „Warum musstest du die Flasche genau jetzt öffnen?“, fragte sie in diesem Duell mit der Ungarin Dalma Gálfi. Sie war in der Zone, wie es im Tennis heißt. Komplett im Match versunken. Sie gewann in drei Sätzen.

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Die Ernsthaftigkeit, mit der sich die 23-Jährige aus Florida bislang beim Rasenklassiker präsentierte, war bezeichnend. Aus dem Tennissternchen, das mit 17 Jahren Halbfinalistin bei den French Open war, ist sechs Jahre später eine reife, aber auch vom Leben gezeichnete Person geworden. Ohne Vorzeichen verstarb Vater Konstantin mit 52 Jahren, ein Herzinfarkt, kurz vor ihrem 18. Geburtstag. Die Eltern waren vor ihrer Geburt aus Russland ausgewandert, um den Kindern mehr Chancen zu bieten; Anisimova hat noch eine Schwester. Verständlicherweise warf sie diese Tragödie aus der Bahn. Bis 2023 hielt sie sich im Geschäft, ehe sie aufgrund eines Burn-outs eine siebenmonatige Auszeit nahm. Sie konnte nicht mehr. In der Weltrangliste stürzte sie von Platz 23 auf 359 ab.

Dank ihres Talents, das mit dem von Maria Scharapowa verglichen wurde, und Förderung von allen Seiten, Eltern, Trainern, US-Verband, hatte sie ihren ersten Aufstieg geschafft. 2019 gewann Anisimova ihr erstes Turnier, in Bogota, und beflügelte die Erwartungen. Sie war die jüngste amerikanische Siegerin seit 1999, als Serena Williams in Indian Wells triumphierte. Max Eisenbud, legendärer Agent Scharapowas, besorgte ihr beste Sponsorenverträge. Ihren zweiten Aufstieg nun verdankt sie vor allem ihrer Willenskraft. Sie ist nicht zerbrochen. Im Frauentennis gab es schon ganz andere Schicksale vermeintlicher Wunderkinder.

Im Halbfinale trifft Anisimova auf die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka, die Bezwingerin von Laura Siegemund

Der Wiedereinstieg verlief aber keineswegs geradlinig. Vor einem Jahr noch war Anisimova in Wimbledon in der Qualifikation gescheitert. In den Sozialen Medien musste sie, wie viele Tennisprofis, Hetze lesen. Nach ihrer Pause war sie fülliger zurückgekehrt. Aber sie wehrte sich. „Hast du nichts Besseres zu tun, als den Körper einer 22-Jährigen zu kommentieren?“, so brachte sie einen sogenannten Hater zum Schweigen. Sie stand zu sich. Diese Selbstsicherheit hat sie auch zum zweiten Mal in ein Grand-Slam-Halbfinale geführt. An diesem Donnerstag trifft Anisimova auf die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka aus Belarus, die Laura Siegemund hauchdünn bezwungen hatte. Das zweite Halbfinale bestreiten die Polin Iga Swiatek (6:2, 7:5 gegen die Russin Ljudmila Samsonowa) und Belinda Bencic (7:6, 7:6 gegen die Russin Mirra Andrejewa).

Anisimova nimmt es nicht für selbstverständlich, dass sie auf die große Bühne zurückgekehrt ist: „Ich genieße jeden Schritt auf diesem Weg.“ Sie hat ihre Rolle als Profi aus voller Überzeugung wieder angenommen. Diesmal klingt es nur authentischer als früher, wenn sie sagt, sie wolle einen Grand-Slam-Titel und die Nummer eins der Welt werden. „Diese Ziele sind immer noch sehr präsent“, betonte sie. Warum sollte sie nicht groß denken? Als Zwölfte der Weltrangliste ging sie ins Turnier, mindestens Achte wird sie nach Wimbledon sein und erstmals in den Top Ten stehen. Die Schläge, die Technik, das Gefühl für die Bälle bringt sie mit. Ihre beidhändige Rückhand, die die Handschrift des 2022 gestorbenen Trainers Nick Bollettieri trägt, Schleifer von Scharapowa und Andre Agassi, gilt als eine der besten der Frauentour.

Kraftvolle Rückhand: Amanda Anisimovas Paradeschlag wurde einst auch vom legendären Trainer Nick Bollettieri geschult.
Kraftvolle Rückhand: Amanda Anisimovas Paradeschlag wurde einst auch vom legendären Trainer Nick Bollettieri geschult. (Foto: Kin Cheung/AP)

Anisimova ist längst kein Sternchen mehr, das Orientierung sucht. Sie ruht in sich. „Meine Arbeitsmoral und meine Professionalität haben sich um 360 Grad gedreht“, urteilte sie. Das helfe ihr auf dem Platz. Der zweite Satz im Viertelfinale gegen die Russin Anastasia Pawljutschenkowa war ein Hin und Her, sie vergab drei Matchbälle, die Russin fünf Satzbälle. Genug für Drama, was bei Anisimova heißt: „Normalerweise bekomme ich durch Stress Bauchschmerzen.“

Diesmal? „Nein, heute hatte ich keine.“ Auch das hat mit ihrem Reifeprozess zu tun. „Mein Durchbruch als Teenager war etwas Besonderes. Ich habe viele verschiedene Momente erlebt und vor allem viel gelernt, viel über mich selbst und den Umgang mit bestimmten Situationen.“  Schließlich war es für sie auch nach ihrer Auszeit nicht nur bergauf gegangen. „Es gab definitiv Höhen und Tiefen. Ich musste mich an den Lebensstil gewöhnen und einfach auf diesem Niveau Sportlerin sein. Es ist nicht einfach.“ Ihre zweite Karriere hat im Grunde nichts mit ihrer ersten zu tun.

Umso mehr genießt Anisimova, die Aufsteherin, ihren „Turnaround“. Und selbstverständlich hamsterte auch sie Handtücher, wie sie zugab. Zwei reichte sie an Fans weiter. Die anderen schenke sie der Familie und Freunden. Ein paar behalte sie aber, nicht aus Sentimentalität. „Ich lebe in Miami und benutze sie sehr oft. Beim Training dort schwitze ich sehr stark“, erklärte sie und blickte ernst.

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