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Wettskandal im Fußball:Er war smarter, glatter - und er war brutal

Mit 16 verließ Wilson Raj Perumal die Schule. Er war 18, als er erstmals einem Fußballspieler aus der Super League Malaysias ein paar Tausend Dollar zusteckte und ihn drängte, auf ein verabredetes Resultat zu kicken. Perumal stammt aus einem Haushalt der singapurischen Mittelklasse und machte Karriere. Er wurde Einbrecher, Urkundenfälscher, Betrüger und Gewalttäter. Er war smarter als viele im Milieu, glatter und brutal genug, einem Profi das Bein zu brechen, der nicht wie bestellt lieferte. Und er war kreativ. Für die Dan-Tan-Familie ließ er eine Nationalmannschaft Togos in Bahrain antreten, die Probleme hatte, 90 Minuten durchzustehen und aus Nationalspielerdarstellern bestand. Er begann, Verbände in Afrika (Ghana, Zimbabwe) zu "engagieren", statt immer nur einzelne Offizielle und am Match Beteiligte. Er schloss Verträge mit Bolivianern und Südafrikanern.

Das All-inclusive-Modell war außerordentlich erfolgreich, seit etwa 2008 auch in Europa, aber sehr dreist. Perumal setzte unauffällige Freundschaftsländerspiele ohne TV-Übertragung an, suchte die Gegner aus, brachte seine Referees mit, mietete Stadien, bezahlte Flüge, Hotels, Antrittsgagen. Nigeria gegen Argentinien. Südafrika gegen Guatemala. Ein todsicherer Tipp.

Irgendwann fiel das Singapur-System den Spezialisten aus den Polizeibehörden und Staatsanwaltschaften auf. Zu viele Elfmeterpfiffe und zu hohe Einsätze in China. Irgendwann muss Perumal zwischen seinen falschen Identitäten und Kontinentalflügen den Überblick verloren haben. Irgendwann war er zwischen seinen Gefängnisaufenthalten - er verbrachte von 1995 bis 2011 etwa sieben Jahre in Haft - ohne Bindung. Irgendwann glaubte er, den jungen Spielern aus den von ihm bevorzugten afrikanischen Staaten eine Zukunft in Wohlstand zu ermöglichen - indem er sie und ihre Familie kriminalisierte, abhängig und zu Komplizen machte.

Er, der die Koffer immer mit Bargeld gefüllt hatte, bezeichnete sich als "Robin Hood", der die Armen und Vernachlässigten des Weltfußballs aufgelesen und gut behandelt habe. Im Vergleich zu Dan Tan allerdings sei er eine "Micky Mouse".

Vielleicht. Tampere wurde nach Perumals Geständnis vom Spielbetrieb ausgeschlossen, Perumal kam wegen Bestechung und Betrugs in Rovaniemi vor Gericht und musste zwei Jahren in die Zelle. Nach zwölf Monaten wurde er entlassen. Ein mildes Strafmaß. Der Match-Dealer hatte detailliert ausgesagt, besonders gegen Dan Tan, teils aus Rache wegen des Verrats, teils aus Kalkül. Eine Europareise mit Unterbringung in wechselnden Haftanstalten wollte er nicht antreten.

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