Wettbetrug im Fußball 100 000 Seiten Akten

Mit dem neuerlichen Schuldspruch ist Ante Sapina bereits zum dritten Male verurteilt worden. 2005 hatte ihn das Berliner Landgericht für Vergehen rund um den Hoyzer-Skandal zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt, wobei ihm nach Verbüßung der Hälfte der Rest auf Bewährung erlassen worden ist.

Weil Sapina spätestens 2008 aber wieder Spieler und Schiedsrichter bestach, Spiele manipulierte und mit teils sechsstelligen Beträgen vor allem in Asien wettete und man ihn zufällig bei einer anderweitigen polizeilichen Abhöraktion entlarvte, wurde er Ende 2009 wieder festgenommen, saß 17 Monate in Untersuchungshaft und wurde im Mai 2011 zum zweiten Mal verurteilt: diesmal vom Landgericht Bochum zu fünfeinhalb Jahren.

Im Gefängnis war er wegen der Revision seitdem aber keinen einzigen Tag. Nun, da dieses Urteil aus 2011 im rückläufigen Verfahren am Montag neu gesprochen und abgemildert worden ist, weil die Kronzeugenregelung stach, stehen für den jungen Familienvater Sapina noch 43 Monate Haft aus. Auch in diesem Fall besteht theoretisch die Möglichkeit, dass ihm ein Drittel der Gesamthaft wieder erlassen wird. Andererseits droht ihm noch mehr Haft, sollte das Landgericht Berlin den Hafterlass über knapp eineinhalb Jahre aus der ersten Strafe in 2006 widerrufen. Im für ihn angenehmsten Fall müsste Sapina effektiv bloß etwa zwei Jahre ins Gefängnis, im äußersten Fall etwa fünf Jahre.

Fußball Wettbetrüger Sapina steht erneut vor Gericht
Prozess in Bochum

Wettbetrüger Sapina steht erneut vor Gericht

Es geht um einen der größten Manipulationsskandale der europäischen Fußball-Geschichte: Wettbetrüger Ante Sapina muss sich erneut vor Gericht verantworten. Teile der erstinstanzlichen Verhandlung müssen wieder aufgerollt werden.

Mit der neuerlichen Inhaftierung von Sapina, der als "Zockerkönig" aus dem Berliner "Café King" bekannt wurde, ist das Problem der Wettmanipulationen keineswegs hinfällig. Das Thema droht in Bochum vielmehr zu einer unendlichen Geschichte zu werden. Dort sitzt die Ermittlungs-Kommission "Flankengott", dort haben sich bislang mehr als 100 000 Seiten in den Akten angesammelt. Dort haben deshalb am Landgericht Bochum in den vergangenen drei Jahren schon sieben Verfahren stattgefunden, in denen 17 Täter zu addiert mehr als 40 Jahren Haft verurteilt wurden.

Und im Juni beginnt voraussichtlich bereits der achte Prozess. Angeklagte werden dann erstmals zwei ehemalige Fußballprofis sein: der vormals für Osnabrück und Köln aktive Thomas Cichon und der ehedem für St. Pauli aktive René Schnitzler. "Es wird weitere Prozesse geben", sagt Oberstaatsanwalt Andreas Bachmann, der die je fünf Jahre Haft für die beiden Wettbetrüger am Montag deshalb als "deutliches Zeichen" für künftige Urteile wertete. Wettbetrug könnte für Bachmann, 48, ein beherrschendes Thema bis zur Pensionierung bleiben.