Wett-Affäre in Großbritannien "Wayne, dein Vater ist eingebuchtet worden"

Neun Monate hatte die Polizei ermittelt, dann nahm sie neun Männer fest, darunter den Vater Wayne Rooneys. Die Verdächtigen werden des Wettbetrugs beschuldigt. Rooney erfährt von der Verhaftung am Flughafen. Daraufhin besteigt er eine Maschine nach Montenegro - um dort Fußball zu spielen.

Von Christian Zaschke, London

Wayne Rooney wartete am Flughafen London-Luton darauf, dass es endlich losgehen würde nach Montenegro, wo die englische Fußball-Nationalmannschaft zum EM-Qualifikationsspiel antreten musste. Dann klingelte sein Telefon, ein Verwandter war dran und sagte: "Wayne, dein Vater ist eingebuchtet worden." Daraufhin bestieg Rooney die Maschine, um nach Montenegro zu fliegen und dort Fußball zu spielen.

Vater und Sohn beim Fußball-Ausflug: Wayne Rooney senior (rechts) und Wayne Rooney junior (links) 2009 im Fußball-Stadion in Liverpool. Ganz links: Coleen, die Frau des Sohnes.

(Foto: dpa)

Rooneys Vater, der ebenfalls Wayne heißt, ist einer von neun Männern, die am Donnerstag in Liverpool und Glasgow vorübergehend festgenommen wurden. Die Polizei verdächtigt sie des Wettbetrugs. Rooney senior bestreitet die Vorwürfe vehement. Gleiches gilt für Rooneys Onkel Richie, der ebenfalls zu den vorübergehend Festgenommenen zählt. Das Boulevardblatt The Sun weiß nicht nur von dem Anruf des Verwandten bei Rooney junior zu berichten, es zitiert auch einen Freund des Fußballers: "Die Festnahme ist ein Schock für Wayne. Er wusste nichts von den Anschuldigungen, und er hat nichts damit zu tun. Er wird sehr mitgenommen sein, weil er sehr an seiner Familie hängt. Wayne wird nie vergessen, was sie für ihn getan und geopfert hat, damit er Fußballer werden konnte." Rooney selbst hat sich bisher nicht geäußert.

Neun Monate hatte die Polizei von Liverpool gemeinsam mit Kollegen aus Schottland ermittelt. Unter Verdacht steht ein Spiel aus der schottischen Premier League zwischen Hearts of Midlothian in Edinburgh und dem FC Motherwell. Es habe ungewöhnlich viele Wetten darauf gegeben, dass in dieser Partie ein Spieler des Feldes verwiesen wird. Viele der Wetten seien in der Gegend von Liverpool abgegeben worden. Tatsächlich wurde Motherwells Steve Jennings, der aus Liverpool stammt, kurz vor Schluss vom Platz gestellt, weil er den Schiedsrichter beleidigt hatte. Auch Jennings wurde von der Polizei festgenommen und verhört. Mittlerweile sind alle neun Männer gegen Kaution wieder auf freiem Fuß.

Die Quote der Wettanbieter für einen Platzverweis in dem fraglichen Spiel hatte zunächst bei 10:1 gelegen. Als mehr und mehr Geld gesetzt wurde, sank die Quote auf 5:1. Viele Buchmacher nahmen gar kein Geld mehr auf diese Wette an. Nach dem Spiel meldete die Vereinigung der britischen Buchmacher ihre Bedenken bei der Glücksspiel-Kommission an, die wiederum die Polizei einschaltete. Diese vermutet, dass mit den Wetten insgesamt rund 100.000 Pfund verdient wurden, etwa 115.000 Euro.

In und um Liverpool wurden laut Polizeiangaben mehrere neue Wettkonten eröffnet, um auf dieses Spiel und den Platzverweis zu setzen. Ein Spieler habe ein Konto eröffnet und gleich 500 Pfund gesetzt. Zudem seien wohl viele kleinere Beträge gesetzt worden, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Allerdings haben es die vermeintlichen Wettbetrüger ansonsten nicht so vorsichtig angehen lassen: Offenbar hatte sich bis London herumgesprochen, dass es in diesem einen Spiel eine sichere Wette gebe. Die Sun zitiert einen namentlich nicht genannten professionellen Glücksspieler mit den Worten: "Bei dieser Art von Wette war die Hoffnung wohl, rund 100.000 Pfund einzusacken. Es gab starke Vibes, Leute standen Schlange, um Geld darauf zu setzen, dass in diesem Spiel jemand vom Platz fliegt."

In der fraglichen Partie im Dezember vergangenen Jahres redete der Spieler Steve Jennings in der 82. Minute sehr intensiv auf den Schiedsrichter ein und legte ihm die Hand auf die Schulter. Er sei der Ansicht gewesen, dass Motherwell ein Elfmeter zugestanden habe, sagte Jennings. Wegen seiner Proteste sah er die rote Karte. Bereits zwei Tage nach der Begegnung war Jennings befragt worden und sagte der Scottish Sun: "Ich will klarstellen, dass ich nichts mit Wettmanipulation zu tun habe. Ich will, dass das so schnell wie möglich geklärt wird." Schnell wird es allerdings nicht gehen: Erst im Januar sollen die Befragungen fortgesetzt werden.