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Wesley Sneijder bei Inter Mailand:Fünf statt sechs Millionen jährlich

Am Montag machte ihm die Klubleitung den Vorschlag, seinen bis 2014 laufenden Vertrag vorzeitig zu verlängern. Der Haken dabei: Ab Juni 2013 soll Sneijder statt der nach dem Triple-Gewinn vereinbarten sechs Millionen Euro pro Jahr fünf Millionen verdienen. Der Holländer lehnte empört ab. "Wie kann ich diese Situation akzeptieren?", klagte er in der Zeitung De Telegraaf: "Ich darf nicht spielen und dann wird mir auch noch ein schlechterer Vertrag angeboten." Indiskutabel für den 28-jährigen Kapitän der niederländischen Nationalmannschaft.

Inter bemüht sich zu beschwichtigen. "Wesley ist unser bester Spieler", behauptete Präsident Massimo Moratti und dementierte Gerüchte über einen bevorstehenden Tausch mit dem Argentinier Javier Pastore von Paris St. Germain. Der Patron stichelte aber auch: "Jeder gute Vertrag kann noch verbessert werden." Heißt: Sneijder solle sich mal nicht so haben. Für fünf Millionen im Jahr kann man auch schon eine Menge Koteletts essen, oder?

Früher war Geld für Moratti kein Thema. Er hatte auch schon mal vier Trainer gleichzeitig auf der Gehaltsliste, einen amtierenden und drei fristlos entlassene, und er gab in einem Sommer auf dem Transfermarkt so viel aus wie die gesamte Bundes- liga. Rund eine Milliarde Euro soll der Petrol-Unternehmer investiert haben, jetzt ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Inter muss sparen, die Uefa will es so, und Moratti, 67, zeigt sich einsichtig.

Das Triple steht in den Annalen, mehr kann man sich in einem Präsidentenleben sowieso kaum kaufen. Außerdem erlebt Italien eine Wirtschaftskrise, von der auch die Inter-Fans nicht verschont bleiben - Moratti ist sensibel dafür. Vergangene Woche durfte er bei den UN in New York sein Projekt Inter Campus vorstellen, das in 26 Ländern bereits 10 000 bedürftigen Kindern eine Ausbildung gewährt hat. Daheim aber wartet auf diesen Philanthropen schon das Rumpelstilzchen Sneijder.

Italien steht natürlich geschlossen hinter Moratti. "Sneijder hat uns in den letzten zwei Jahren nicht das geboten, wofür er an jedem Monatsende so fürstlich bezahlt wurde", schrieb der Corriere della Sera: "Sneijder scheint Inter nicht mehr zu brauchen, aber Inter braucht auch Sneijder nicht." Man sollte sich also trennen, und genau das hat die Klubleitung auch vor. Natürlich möglichst ohne Verluste. Der 1,70 Meter kleine Mittelfeld-Napoleon war schon teuer genug, 2009 hatte er 15 Millionen Euro Ablöse gekostet. Jetzt sucht Inter dringend Bieter, denen Trainer Stramaccioni versichert: "Wesley Sneijder ist ganz bestimmt keine Primadonna."

© SZ vom 06.12.2012

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