Werner Lorant in der Bezirksliga "Jetzt reicht's aber mit dir, du kleine Wurst!"

Werner Lorant ist eigentlich schon in Pension - beim Bezirksligisten TSV Waging am See arbeitet er noch einmal an seinem Legendenstatus.

(Foto: imago/MIS)

Hunderte Zuschauer, Megafone und sogar ein bisschen Feuerwerk: Die Relegation in einer bayerischen Bezirksliga begeistert die Menschen - dank der wortgewaltigen Trainerlegende Werner Lorant.

Von David Weber

Hinter der Bierbank hat sich eine kleine Fangemeinde versammelt, und das liegt nicht am zweifellos vorhandenen rustikalen Charme der Bierbank, sondern daran, dass diese Bierbank auch die Trainerbank ist. Diese Trainerbank wiederum ist heute die Trainerbank von Werner Lorant. Sie steht am Spielfeldrand beim TSV Großhadern, und das ist die Bezirksligamannschaft, gegen die Lorants Bezirksligamannschaft, der TSV Waging am See, zum ersten Relegationsspiel antritt.

Der Sportplatz an der Heiglhofstraße ist gut gefüllt, rund 600 Zuschauer sind da. Darunter etwa 70, 80 frenetische Anhänger aus dem Kurort Waging, alle in Blau-Weiß, mit Trommel, Megafon, Sirene und sogar ein bisschen Feuerwerk. Volle Lautstärke für den Klassenerhalt. Sympathisanten der Heimmannschaft fehlen natürlich auch nicht.

"Jetzt reicht's aber mit dir, du kleine Wurst!"

Und dann gibt es hier tatsächlich ein paar Leute, die nur wegen Lorant gekommen sind. Sie machen halb-heimlich Fotos und Videoclips mit ihren Handykameras, schicken sie direkt hinaus in die Welt, lassen sich Autogramme geben, kichern bei jedem Wort, bei jedem Blick von Lorant, dem Kulttrainer des TSV 1860 München, dem Original, der Legende.

Da! Der Außenverteidiger vom TSV Großhadern hat schon wieder gefoult. "Jetzt reicht's aber mit dir, du kleine Wurst!", ruft Lorant. Der Fanklub ist begeistert. Das war ein echter Lorant!

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Anfang April hat er den TSV Waging übernommen. Auf sieben Spiele war die Mission ausgerichtet, sieben Spiele, um den Abstieg zu verhindern, für das Wunder von Waging. Hat nicht ganz geklappt. Bei Amtsantritt waren es zwei Punkte Abstand zum Relegationsplatz, vier zum Klassenerhalt. Lorant, 66, der eigentlich am See seine Rente genießen will, holte 10 Punkte aus sieben Spielen, ordentlich, aber zwei zu wenig, um einen Platz gutzumachen. Dass aus sieben Spielen doch noch neun wurden, sprich die Relegation erreicht wurde, war dem Rückzug einer Mannschaft aus dem Tabellenmittelfeld zu verdanken. Glück gehabt, Werner.