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Werder Bremen:Vergiftete Freude

Fortuna Düsseldorf - Werder Bremen

Komplett fassungslos: Bremens Niklas Moisander wird von Felix Brych mit Rot vom Platz gestellt.

(Foto: Bernd Thissen/dpa)

Der SV Werder beendet seine Negativserie durch einen 1:0-Sieg, weil Düsseldorfs Ersatztorwart ein Eigentor unterläuft. Die verletzungsgeplagten Bremer verlieren aber zwei Spieler. Besonders hart trifft es Kevin Vogt, der in der Winterpause als Stütze für die Abwehr verpflichtet wurde.

Das erste Spiel in jenem Jahr, in dem sich Werder Bremens einziger Bundesliga-Abstieg zum 40. Mal jährt, endete für die Norddeutschen übel: Der Abwehrspieler Niklas Moisander wurde in der Nachspielzeit des Feldes verwiesen, und sein Nebenmann Kevin Vogt wurde auf einer Trage vom Platz gebracht und anschließend ins Krankenhaus gefahren. "Wir bekommen es in dieser Saison einfach nicht leicht", klagte nach dem Schlusspfiff der Flügelstürmer Leonardo Bittencourt.

Doch eine entscheidende Sache war diesmal anders für die um den Klassenerhalt kämpfenden Bremer: Sie haben nach zuvor vier Niederlagen in Serie mit 1:13 Toren das eminent wichtige Kellerduell bei Fortuna Düsseldorf mit 1:0 (0:0) gewonnen, weil in der 67. Minute ein Kopfball von Moisander gegen die Schulter des Düsseldorfer Ersatztorwarts Florian Kastenmeier und von dort ins Tor geflogen war. Es wurde als Eigentor gewertet. "Dieses Tor war ein Stück weit bezeichnend", fand Bremens Trainer Florian Kohfeldt, weil der glückliche Treffer auch noch nach einem Standard, einem Freistoß von Milot Rashica, gefallen war.

Vogt, als zentraler Innenverteidiger für die Rückrunde von der TSG Hoffenheim ausgeliehen und im ersten Spiel für Werder sofort als Abwehrchef installiert, wurde in der Nachspielzeit bei einer Abwehraktion in der Luft von seinem eigenen Torwart Jiri Pavlenka unglücklich getroffen, fiel bewusstlos zu Boden und wurde in ein Düsseldorfer Krankenhaus gebracht. Der Verteidiger erlitt eine Gehirnerschütterung. Bremens Kapitän Moisander mischte sich in die anschließende Rudelbildung beider Mannschaften massiv ein, wollte nach eigener Aussage aber nur sein Recht als Kapitän geltend machen und beteuerte, dem Schiedsrichter Felix Brych nichts Unverschämtes an den Kopf geworfen zu haben. Brych zeigte ihm trotzdem Gelb-Rot mit der Begründung, Moisanders Gestik sei zu übertrieben gewesen. "Vielleicht war das der neuen Regel geschuldet", sagte Moisander bedauernd. Seit der Rückrunde sollen die Schiedsrichter nörgelnden Spielern massiver Einhalt gebieten. "Warum machen Leute die Regeln, die nie dieses Spiel gespielt haben und überhaupt nicht verstehen, was auf dem Platz passiert?", schimpfte Kohfeldt. "Wer zwingt den Schiedsrichtern solche Regeln auf? Das ist Irrsinn."

Bremen übernimmt den 16. Platz von Düsseldorf

Sieben Mal Gelb hat Brych in einem zerfahrenen Kellerderby gezeigt, allein in der 72. Minute gab es nach einer Rangelei auf einen Schlag drei Mal Gelb für Düsseldorfs Kevin Stöger, Bremens Marco Friedl - und Moisander. Dem Fußball beider Seiten war über die gesamten 90 Minuten anzusehen gewesen, um wie viel es hier ging. "Das war ein Spiel um den Klassenerhalt", sagte Kohfeldt. Bremen hat durch den Sieg die Düsseldorfer überholt und steht nach vierwöchiger Winterpause auf einem direkten Abstiegsplatz nun wieder auf dem Relegationsplatz. "Dieser Sieg bringt uns ein bisschen Erleichterung", sagte der Spielmacher Davy Klaassen, aber so richtig erleichtert wirkte er gar nicht. Warum, das beantwortete zwei Meter weiter sein Kollege Bittencourt: "Weil wir diesen Sieg teuer bezahlt haben."

Für Düsseldorfs 22 Jahre alten Torwart Kastenmeier, im vergangenen Sommer vom VfB Stuttgart zur Fortuna gekommen, war es das erste Bundesligaspiel, Stammkeeper Zackary Steffen war wegen Knieschmerzen ausgefallen. Trainer Friedhelm Funkel entschied sich gegen den erfahrenen Ersatztorwart Michael Rensing, 35 Jahre und 136 Bundesliga-Spiele. Kastenmeier machte seine Sache gut, ließ sich nichts zuschulden kommen, aber in der spielentscheidenden 67. Minute hatte er Pech. "Das war ein mehr als unglückliches Gegentor", fand Funkel, "und auch die Niederlage war mehr als unglücklich." Dem Torwart machte er keinerlei Vorwürfe.

Nach dem Schlusspfiff umarmten sich die beiden Trainer Funkel und Kohfeldt lange und innig. Die Leidensgenossen ahnen vielleicht, dass sie bis zum Ende der Saison noch bangen müssen. Ein drohender Abstieg im Jahr 2020 wäre ein Schlag für die Bremer, genau wie für die Düsseldorfer, 125 Jahre nach der Vereinsgründung.

© SZ vom 19.01.2020
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