Daniel Thioune saß vorne auf dem Pressepodium und verbreitete Zuversicht. In den kommenden Wochen, sagte der Coach des SV Werder Bremen, stünden Duelle gegen Mannschaften bevor, „gegen die es ein Stück weit einfacher ist zu punkten“. Wer Thioune kennt, wusste, dass das keinesfalls despektierlich gegenüber St. Pauli, Heidenheim, Union Berlin oder Mainz 05 gemeint gewesen sein konnte. Nichts läge ihm ferner als Abwertung anderer. Nein, der Satz beinhaltete lediglich aufrichtige Wertschätzung für den FC Bayern, den für Normalsterbliche überlebensgroßen Branchenprimus, der unmittelbar zuvor im Bremer Weserstadion triumphiert hatte, ohne dabei seine allerletzten Kräfte mobilisieren zu müssen.
Thioune ist seit nicht mal zwei Wochen Werder-Trainer, ein überschaubarer Zeitraum, in dem er aber gleich die volle Härte seines neuen Jobs erfahren musste. Auf ein 0:1 in Freiburg folgte am Samstag ein 0:3 gegen München. Unter Thioune wurde somit die unter Vorgänger Horst Steffen gestartete Sieglos-Serie von zehn auf furchterregende zwölf Spiele ausgebaut.
Zwei Spiele, kein Treffer, infolgedessen also auch kein Stürmertor – ein folgenschweres Grundsatzproblem, das sich weiterhin durch quasi die gesamte Bremer Saison zieht. In der Tabelle belegt Werder den Abstiegsrelegationsplatz 16. Oberflächlichen Statistiken ist somit zu entnehmen, dass der erhoffte Trainereffekt verpufft ist, bevor es überhaupt eine faire Chance für diesen gab. Ein bisschen was hat sich aber schon verändert: Thioune stemmt sich, anders als Steffen, mit aller Kraft gegen den Fatalismus, der wie dichter Nebel überm Weserufer liegt. Mit Worten und konkreten Maßnahmen.
Thioune ist darum bemüht, Positives hervorzuheben, immer und zu jeder Zeit. Gegen die Bayern, erklärte er mit seiner sonoren Stimme, habe er nach der Halbzeitpause etwa eine „coole Phase“ gesehen. Sein Team sei „kurz davor“ gewesen, einen „Funken“ ins Stadion zu bringen. In der Tat fehlte zum zwischenzeitlichen 1:2-Anschlusstreffer nicht viel: Marco Grüll köpfelte an den Pfosten, Angreiferkollege Justin Njinmah hatte zwei Chancen, später schloss Mittelfeldmann Romano Schmid aus aussichtsreicher Position ab.
Die Führungskräfte dürfen wieder dort ran, wo sie sich am wohlsten fühlen
Thioune bäumte sich an der Seitenlinie auf, seine Spieler versuchten selbiges auf dem Rasen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Bremer Führungskräfte wieder dort ran dürfen, wo sie sich am wohlsten fühlen: Schmid wurde von einer (stumpfen) Allzweckwaffe zurück auf die Spielmacherposition beordert; Kapitän Marco Friedl verteidigt im Abwehrzentrum und nicht mehr hinten links; Jens Stage und Senne Lynen dürfen wieder als eingespielter Schutzverbund vor der Abwehr wirken.
Man kann es also so sehen: Die zwei schwierigen Partien gegen Freiburg und Bayern waren Bonusspiele mit der Möglichkeit auf Bonuspunkte, vor allem dienten sie aber dazu, die Ideen des neuen Trainers zu etablieren. Fest steht aber auch: Für die Bremer wird in den nächsten Wochen nicht nur ein Stück einfacher, zu punkten. Sie müssen es auch dringend tun. Andernfalls wird der Fatalismus übermächtig, mächtiger jedenfalls als die lebensbejahende Weltanschauung des Trainers Thioune.

