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Weltmeisterschaft und Doping:Juventus Turin betrieb eine Dopingapotheke

Das muss eine enorme Charakterleistung gewesen sein. Man braucht nur auf all die Fakten und Dopingbekenntnisse aus den vergangenen Jahrzehnten zu schauen. Das dominierende Team der Neunzigerjahre, Juventus Turin, betrieb eine Dopingapotheke, die vom Staatsanwalt als ausreichend zur Versorgung einer mittleren Kreisstadt klassifiziert wurde.

Spaniens Blutpfuscher Eufemiano Fuentes betreute und beriet allerlei erstklassige Spitzenklubs im Land der goldenen Kicker-Generation. Sogar seine Medikationsliste liegt vor, die aber Amtsrichter in Barcelona oder Madrid bei Prozessen auf keinen Fall sehen wollten. So, wie die königliche Justiz den Kundenkreis des Doktor Fuentes unter Verschluss hält, obwohl die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada seit 2006 um Herausgabe dieser Akten fleht.

Außerdem, das Wichtigste: Es ist leider so, dass Dopingtests nur exorzistischer Humbug sind - für jeden Profisportler mit pfiffigen Ärzten und ein bisserl Geld in der Tasche. Frag nach bei Armstrong, Ullrich, Marion Jones und Co.

Im Fußball kann man kontrollieren, wo und wen man will. Und wenn die Fifa Costa Rica nach der Partie testet, haben die Kicker nicht begriffen, dass ihnen da Gutes widerfährt (falls keiner Dummheiten gemacht hat). Gedopt wird ja fast nie vor dem Spiel, sondern im Training. Intelligente Tests zielen auf diese Zeit, wenn Kraft und Ausdauer getankt werden. Testet die Fifa intelligent? Befragt, ob sie bei der WM Zielkontrollen durchführe, hält sie sich voll bedeckt: "Angaben über individuelle unangekündigte Doping-Kontrollen können wir aus Vertraulichkeitsgründen nicht geben." Vertraulichkeit? Niemand will wissen, wer wann Objekt eines Zieltests wird. Es fragt ja auch niemand bei Lotto nach den Zahlen fürs Wochenende.

Die Fifa verzichtet jedenfalls darauf, per Androhung von Zielkontrollen für Unruhe in manchem Camp zu sorgen. Warum? Damit sie sich, wenn es keine Zieltests gibt, nicht anhören muss, gelogen zu haben?

Wer glaubt, der Fußball sei sauber, der darf dasselbe von der Fifa glauben.

Eine Frage bleibt am Ende: Warum teilen die Fußballärzte ihr tiefes Wissen nicht mit der Allgemeinheit? Sieht man, wie mancher 30-Jährige durch die WM-Arenen brettert, obwohl er als 20- bis 25-Jähriger kein Spiel zu Ende brachte, ohne dass der Muskel zwickte oder dichtmachte - dann stellt sich die Frage, warum mit dieser doch auch für die breite Menschheit segensreichen Heil- und Aufbaukunst so verdammt diskret umgegangen wird.

Mit der Logik kommt man der medizinischen, sprich: entscheidenden Seite dieser Milliardenindustrie so wenig bei wie mit Dopingtests. Dem gläubigen Fan ist es sowieso einerlei: Augen zu, und einfach feste daran glauben.

© SZ vom 24.06.2014/schma
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