Weltfußballverband Strafverfahren wegen WM-Vergabe - Staatsanwaltschaft durchsucht Fifa-Zentrale

  • Kurz vor dem Fifa-Kongress in Zürich hat die Schweizer Staatsanwaltschaft das Hauptquartier des Weltfußballverbands durchsucht und elektronische Daten und Dokumente sichergestellt.
  • Die Durchsuchung erfolgte im Zusammenhang mit einem Strafverfahren wegen der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar.
  • "Der Geschädigte ist die Fifa", sagt ein Sprecher während einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz des Weltfußballverbands. Er kündigt an, mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten zu wollen.
  • Am Mittwochmorgen wurden außerdem sechs Funktionäre des Weltfußballverbands von der Polizei festgenommen. Ihnen wird Bestechung vorgeworfen.

Fifa: Zusammenarbeit mit Staatsanwaltschaft

Die Fifa äußerte sich während einer Pressekonferenz zu den jüngsten Vorgängen. "Wir arbeiten mit der Staatsanwaltschaft zusammen", sagte der Sprecher Walter de Gregorio. Es liege im Interesse der Fifa, dass alle offenen Fragen beantwortet würden. Gleichzeitig sei es ihm wichtig, den Imageschaden für den Weltfußballverband herauszustellen: "Der Geschädigte ist die Fifa."

Über die aktuellen Ermittlungen und über die Zahl der Festgenommen wollte de Gregorio nichts sagen. Man habe von den Schritten der Staatsanwaltschaft nichts gewusst und sei genauso überrascht gewesen wie die Medienvertreter.

Gleichzeitig kündigte er an, dass die für diese Woche angesetzte Wahl des Präsidenten stattfinden werde. Einer Wiederwahl Sepp Blatters stünde nichts im Wege, da er nicht in die aktuellen Entwicklungen involviert sei.

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Darum wurden die Räume des Fifa-Hauptquartiers durchsucht

Die Schweizer Staatsanwaltschaft hat rund um die Vergaben der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar ein Strafverfahren eröffnet. In dem Zusammenhang seien im Hauptquartier des Weltfußballverbands Fifa in Zürich elektronische Daten und Dokumente sichergestellt worden, teilte die Behörde mit. Es bestehe der Verdacht der Geldwäscherei und Schmiergeldzahlungen. Die Ermittlungen würden nicht gegen konkrete Personen laufen, hieß es.

Bereits zuvor seien Schweizer Finanzinstitute angewiesen worden, die Bankunterlagen zu erheben. "Die heute sichergestellten elektronischen Daten und Akten sowie die erhobenen Bankunterlagen dienen sowohl dem Schweizer Strafverfahren als auch ausländischen Strafverfahren", teilte die Staatsanwaltschaft mit.

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Vizepräsident Webb unter Festgenommenen

Auch die amerikanische Justiz geht derzeit gegen die Fifa vor. Die US-Staatsanwaltschaft Anklage hat gegen neun Fifa-Funktionäre erhoben. Ihnen wird Korruption und Verschwörung vorgeworfen. Es geht um Summen von mehr als 100 Millionen Dollar aus den vergangenen 20 Jahren. Insgesamt gibt es 14 Beschuldigte - sieben von ihnen wurden in Zürich von der Polizei festgenommen. Darunter:

  • Jeffrey Webb, Cayman-Inseln, Vizepräsidenten des Fifa-Exekutivkomitees und wichtiger Vertrauter von Sepp Blatter. Webb ist auch Präsident der Concacaf (Nord- und Zentralamerikanische und karibische Fußballkonföderation), deren Hauptquartier ebenfalls durchsucht wird.
  • Eugenio Figueredo, Uruguay, ebenfalls Vizepräsident des Exekutivkomitees und bis vor Kurzem Präsident des südamerikanischen Fußballverbandes Conmebol.
  • Jack Warner, Trinidad und Tobago, ehemaliges Mitglied des Exekutivkomitees. Ihm werden mehrere ethische Vergehen vorgeworfen (unter anderem geht es um den Verkauf von Tickets auf dem Schwarzmarkt).
  • Eduardo Li Sánchez, Präsident des Fußballverbandes von Costa Rica.

Die Festgenommenen werden an die amerikanischen Behörden ausgeliefert.

Fifa-Chef Joseph Blatter gehört nicht zu den Beschuldigten, allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass er als Zeuge verhört werden wird. Die Fifa steht schon länger im Mittelpunkt von Korruptionsermittlern (eine Chronologie) - allerdings hat der Verband immer wieder abgestritten, dass wichtige Funktionäre verwickelt seien.

Immer wieder neue Anschuldigungen

Erst kürzlich hat die frühere Pressechefin des Bewerbungs-Komitees der Fifa, Phaedra Almajid, in der ARD-Dokumentation "Der verkaufte Fußball" massive Bestechungsvorwürfe gegen wichtige Fifa-Funktionäre erhoben. Drei von ihnen sollen je 1,5 Millionen Dollar für ihr Votum für Katar kassiert haben, wo die WM 2022 stattfinden wird.

Die Festnahmen kommen für die Fifa zur Unzeit. Präsident Sepp Blatter will sich am Freitag in Zürich für eine weitere Amtszeit als oberster Fußballfunktionär wählen lassen - die Ruhe vor der Wahl ist damit vorbei.

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