bedeckt München 18°
vgwortpixel

Wechsel in der Basketball-Bundesliga:Bayern bedient sich in Berlin

ALBA Berlin - EWE Baskets Oldenburg

Alex Renfroe, 29, spielte in der vergangenen Saison für Alba Berlin, den Halbfinal-Gegner seines mutmaßlichen neuen Arbeitgebers, dem FC Bayern.

(Foto: dpa)
  • Die Bayern-Basketballer suchen einen Mann, der ihre Offensive organisiert - Alba Berlins Alex Renfroe könnte der richtige dafür sein.
  • Auch Jamel McLean, der beste Spieler der abgelaufenen BBL-Saison, ist für die Bayern interessant.

Dass der FC Bayern München nicht nur im Fußball eine gute Adresse ist, hat sich auch unter den Basketballern herumgesprochen. Pünktliche Gehaltsüberweisungen, ein schickes Auto, erstklassige medizinische Betreuung werden gerne genannt. Wie gut diese Anschrift klingt, dafür gab es soeben einen weiteren Beleg - für zwei Stunden.

So lange stand eine Nachricht des Amerikaners Alex Renfroe, 29, auf Facebook, in der er seinen neuen Zweijahresvertrag publik machte:"Heute ist es passiert, ich habe für die nächsten zwei Jahre unterschrieben und werde für Bayern München spielen." Das geschah wohl im Überschwang der Gefühle, alsbald verschwand der Eintrag. Auch wenn der FCB umgehend dementierte, darf man aber davon ausgehen, dass Renfroe kommt, zu gut passt der flinke Spielgestalter in das Raster des entthronten Meisters.

Zudem kann der Klub Verstärkung gebrauchen: Am Montagabend erhielt er eine Wildcard für die Euroleague. Alba Berlin, das sich ebenfalls Hoffnungen auf die Königsklasse gemacht hatte, ging dagegen leer aus. Nach SZ-Informationen haben die Verhandlungen mit Renfroes Berater eine unterschriftsreife Form angenommen, der Vollzug ist demnächst zu erwarten.

Renfroe ist ein klassischer Point Guard, vom Zuschnitt eines Malcolm Delaney, der den Münchnern bekanntlich den ersten Titel maßgeblich bescherte: schnell, mit viel Zug zum Korb, ausgestattet mit einem guten Auge und einem sicheren Distanzwurf. Lediglich seine Defensivarbeit lässt zu wünschen übrig. Doch Trainer Svetislav Pesic hatte ja schon Delaneys Abwehrarbeit verbessert, zudem haben die Bayern ein paar Defense-Spezialisten.

Wie zum Beispiel Anton Gavel, der durch Renfroe von den Aufgaben als Spielmacher entlastet wird, zumal sich der Deutsch-Slowake auf der Position zwei, also als Shooting Guard, ohnehin wohler fühlt. Renfroe erhöht die Optionen des Meisterschaftszweiten deutlich, gerade im Titelkampf war das eine Schwachstelle, weil Gavel verletzt fehlte und Toptalent Vasilije Micic keine Konstanz auf hohem Niveau zeigte. Offen bleibt, wie Heiko Schaffartzik, der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, den Zugang interpretiert. Seine Einsatzzeiten werden sinken, freilich war Schaffartzik derjenige, der aufgrund der vielen Verletzten wie kein anderer an seine Grenzen gehen musste.

Interessant ist auch, dass der Berater von Renfroe schon mehrmals mit den Bayern Geschäfte gemacht hat, so zählen unter anderem Bryce Taylor, Nihad Djedovic, Micic oder Dusko Savanovic zu den Schützlingen von Misko Raznatovic und der serbischen Agentur Beobasket. Und: Jamel McLean, wertvollster Spieler der abgelaufenen BBL-Spielzeit. Der würde ebenfalls vortrefflich in das Münchner Anforderungsprofil passen, McLean hat bei Alba Berlin eine überragende Saison gespielt und wäre der athletische Power Forward, der den Münchnern in der entscheidenden Playoff-Phase gefehlt hat.

Auch der deutsche Center Maik Zirbes ist bei Beobasket unter Vertrag, sein Name wird ebenfalls mit dem FCB in Verbindung gebracht. Zufall? Das wird sich bald klären, denn entgegen den öffentlichen Statements der Vereinsvertreter stecken die Klubs natürlich derzeit mitten in Verhandlungen mit Agenten und Spielern. Die Anschrift Säbener Straße wird ein Pfund bleiben, mit dem der FCB zu wuchern weiß.

© SZ vom 30.06.2015/jbe
Zur SZ-Startseite