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Wechsel im Fußball:Barça findet unerhofften Alliierten

Die Härte hat einen weiteren Hintergrund. Noch immer ist nämlich schleierhaft, wie PSG und seine Geldgeber aus Doha eine Operation gestalten wollen, die sie insgesamt über eine halbe Milliarde Euro kosten wird - ohne dabei die Regeln des "Financial Fairplay" des europäischen Fußballverbands Uefa zu verletzen. Bei Barça ist man ausdrücklich der Meinung, dass das gar nicht möglich sei.

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Der Verein hat dabei einen unverhofften Alliierten gewonnen: Javier Tebas, der Präsident der spanischen Profiliga, sonst ein rabiater Kritiker der Katalanen und des Katalanischen allgemein, kündigte in einem Interview in der Sportzeitung AS an, dass man das Geschäft stoppen wolle. "Falls die Uefa nicht von sich aus einschreitet", sagte Tebas, "dann klagen wir." Bei der Uefa nämlich, der Europäischen Union und in der Schweiz - überall da, wo es Tribunale gebe, die über das, was er unlauteren Wettbewerb nennt, richten könnten. Tebas sprach von finanziellem Doping. "Es gibt Vereine, die ihr Geld von Staaten erhalten und damit Spieler kaufen, um ihre Fans zu beschenken." Gemeint waren Katar und der PSG. Tebas ließ sich dann zu einem zweifelhaften Vergleich hinreißen: "Das ist etwa so", sagte er, "als kaufte ein Staat die Supermarktkette Carrefour und verschenkte Hühner an die Kunden." Ein Kampf vor den Gerichten könnte lustig werden.

Im Fußballgeschäft wird man sich nun wohl auch grundsätzlich fragen müssen, ob Ausstiegsklauseln das probate Mittel sind, um wichtige Angestellte an die Vereine zu binden. Offensichtlich gibt es einige Konkurrenten in der Branche, die sich auch von scheinbar grotesk hohen Sperrsummen nicht abschrecken lassen. Die Katarer werden jetzt argumentieren, ihr Vorgehen sei ganz legal, man sei ja bereit, die Konditionen zu erfüllen, die Barça für eine Verpflichtung Neymars festgelegt habe - in ihrer "totalidad".

Auf der Gesamtsumme einer Abmachung beharrt auch Neymar Senior. Im vergangenen Herbst, als der Vater einen neuen Vertrag für seinen Sohn aushandelte, ließ er sich die Treue der Familie mit einer Prämie von 26 Millionen Euro abgleichen. Zahlbar bis 31. Juli 2017. Solche Zahlungen sind nicht unüblich bei Barça. Auch Sergio Busquets und Javier Mascherano erhielten einen hübschen Betrag. Leo Messi wurden fürs Bleiben unlängst 50 Millionen Euro gutgeschrieben. Die Neymars sollen nun aber höchstens ein Fünftel ihrer 26 Millionen erhalten - weil der Spieler nur eines von fünf vereinbarten Vertragsjahren erfüllt habe. Barça hinterlegte die Summe deshalb bei einem Notar - die Summe wurde eingefroren, bis die Gerichte darüber entschieden haben werden.

Nach den vielen Abschieden, den warmen und kühlen, reiste Neymar dann nach London, um ein bisschen "abzuschalten".