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Wechsel im Fußball:Das Gezerre um Neymar beginnt erst

Ein Weltklasse-Stürmer bei der Abreise: Neymar fährt vom Trainingsgelände des FC Barcelona.

(Foto: Manu Fernandez/AP)
  • Neymar erscheint zwar zum Training des FC Barçelona, doch der Brasilianer bleibt nur kurz und kündigt seinen Wechsel zu Paris Saint-Germain an.
  • Die Katalanen wollen einem Transfer nicht so einfach zustimmen, das Gezerre um den 25-Jährigen beginnt erst.
  • Eine große Frage stellt sich: Ist der Transfer überhaupt möglich, ohne das Financial Fairplay zu verletzen?

Der Abschied dauerte nur eine Stunde, alles inklusive: Parken, Reden, Erklären, Herzen, Wiederwegfahren. Als der Fußballer Neymar Junior am Mittwoch kurz nach neun Uhr mit seinem blauen Wagen eines deutschen Sponsors im Trainingszentrum des FC Barcelona vorfuhr, im weißen Poloshirt und mit Sonnenbrille, da hing über der Szene noch ein Hauch von Spannung, ein letzter Hauch nach langem Rätseln und Säuseln über seine weltweit verhandelte berufliche Zukunft. Trainiert er mit? Oder kommt er nur, um zu gehen?

Nun, Neymar kam, um seinen Kameraden, die schon in Sportsachen herumsaßen, mitzuteilen, dass er tatsächlich nach Paris wechseln werde, zu St. Germain, in die Ligue 1. Nach vier Jahren und einer ansehnlichen Bilanz bei Barça: 186 Spiele, 105 Tore, 80 Vorlagen. Man hört, es soll auch emotional geworden sein in der Umkleide, obschon der Brasilianer die Mannschaft ja in den vergangenen Wochen auch ein bisschen genervt hat mit seinem Schweigen und den mysteriösen Botschaften in den sozialen Medien. Zuletzt zitierte er aus der Bibel, Neues Testament, Brief des Paulus an die Philipper, 4:11: "Ich sage das nicht, weil ich in Not war. Ich habe gelernt, in jeder Lage zurechtzukommen und nicht von äußeren Umständen abhängig zu sein." Im Kopf war er da wohl schon weg.

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Nach dem Abschied von den Kollegen draußen in Sant Joan Despí, einem Vorort Barcelonas, fuhr er zum heikleren Termin in die Stadt, zum Camp Nou, wo die Vereinsdirektion ihre Büros hat. Gut möglich, dass er bei der Anfahrt die Plakate sah, die rund ums Stadion an den Bäumen hängen: "Gesucht: Verräter", steht darauf. Dazu das Konterfei Neymars, wie bei einem Steckbrief. Es wird eben oft primitiv, wenn sich Fans in ihrer Liebe betrogen fühlen. In den Büros saßen dann auch Neymar Senior und einige Kindheitsfreunde von Junior aus Brasilien, die "Toiss", die in wichtigen Momenten nie fehlen dürfen. Es soll da deutlich kühler zugegangen sein.

Der Tonfall des Kommuniqués lässt dann auch erahnen, dass die "Causa Neymar" noch lange nicht ausdiskutiert ist. Sie hat wohl eher gerade erst begonnen. Der Verein richtete aus, Neymar bleibe bis auf Weiteres ein Spieler des FC Barcelona, mit gültigem Vertrag. Man habe ihn temporär vom Training befreit. Für einen Wechsel nach Paris bestehe man auf der Begleichung der Ausstiegsklausel - und zwar in ihrer "Totalität", in vollem Umfang also: 222 Millionen Euro. Das Wort "totalidad" klingt in diesem Zusammenhang wie eine Aufforderung zum Duell.

Man ist also nicht bereit, sich mit den katarischen Besitzern von PSG an einen Tisch zu setzen und zu verhandeln. Zumindest in dieser Phase nicht. Das ist der Verein seinen Anhängern schuldig, die bei allem Ärger über das Verhalten der Neymars auch beklagen, dass man einen Superstar mit viel Zukunft ziehen lässt - "Ney" ist erst 25. Nun sollen wenigstens alle versichert sein, dass viel Geld für neues, prominentes Personal fließt, so viel wie noch nie in der Geschichte dieses Sports. Dafür werde man schon sorgen.