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Wasserspringen:Hausdings Rückkehr

Hausdings bescheidene WM-Ambitionen

Wenn Patrick Hausding gesund ist, könnte er wohl gleich nach dem Aufwachen einen perfekten Dreieinhalbsalto ins Wasser setzen. Doch davon war der Wasserspringer noch im Januar meilenweit entfernt; er konnte sich ohne die Hilfe seiner Freundin nicht mal alleine anziehen. "Das war die Hölle", sagt Hausding vor seinem WM-Auftakt vom Ein-Meter-Brett am Freitag im südkoreanischen Gwangju: "Jede Erschütterung hat mir so viele Schmerzen bereitet. Ich lag abends im Bett und wollte mich am liebsten betäuben. Das Brennen ging den ganzen Arm hinunter bis zu den Fingerspitzen."

Bei einem Trainingssprung auf dem Trampolin war der 30 Jahre alte Berliner auf Kopf und Nacken gelandet. "Es hat im ganzen Körper geknackt", erinnert er sich. Bündelriss im Rückenmuskel, geprellter Nackenwirbel, neuronale Probleme im rechten Zeige- und Mittelfinger - "drei Wochen war ich komplett ausgeknockt", berichtet Hausding: "Nach acht Wochen war es plötzlich gut." Bei internationalen Wettkämpfen trat der WM-Zweite deshalb in dieser Saison zurückhaltend auf, mittlerweile fühle er sich "wieder im Aufwind". Selbst seine chronischen Knieschmerzen habe er unter Kontrolle bekommen. Doch dass Hausding wie vor zwei Jahren jetzt erneut zweimal aufs WM-Podest springt, ist unwahrscheinlich. "Eine Medaille nehme ich mir auf keinen Fall vor, dafür hatte ich zu viele Rückschläge", sagt er.

Sein primäres Ziel ist das Erreichen des Drei-Meter-Finals, damit würde er dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) einen Quotenplatz für die Sommerspiele 2020 bescheren. Im Drei-Meter-Synchronspringen will er sich mit Lars Rüdiger, mit dem er bei der EM vor einem Jahr in Glasgow Bronze gewann, "gut in Szene setzen". Und die Olympischen Spiele im kommenden Jahr hat er auch im Fokus, es wären seine vierten. "Ich will aus der Historie der Wasserspringer in Deutschland herausstechen", sagt Hausding. Wobei der Berliner schon jetzt, mit zwei Olympia-, vier WM- und 30 (!) EM-Medaillen der erfolgreichste Springer in der DSV-Geschichte ist.

© SZ vom 12.07.2019 / SID
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