Aufstieg von Waldhof Mannheim Mit dem Stolz des vergangenen Jahrhunderts

Alles blau und schwarz: Spieler und Anhänger des SV Waldhof verschmelzen nach dem sichergestellten Aufstieg zu einer großen Einheit.

(Foto: imago)
  • Der SV Waldhof Mannheim hat glanzvolle und zuletzt viele weniger glanzvolle Zeiten erlebt.
  • Jetzt gelingt trotz vieler Probleme der Aufstieg in die 3. Liga - und die Euphorie ist groß.
Von Christoph Ruf, Mannheim

Bis in die Morgenstunden des Ostersonntags feierten die Spieler des SV Waldhof Mannheim den Aufstieg in die dritte Liga, den sie mit einem 1:0-Sieg gegen Wormatia Worms perfekt gemacht hatten. Zuvor war ein Großteil der mehr als 14 000 Fans mit der Mannschaft in Richtung Innenstadt gezogen, wo am Wasserturm die Evergreens zu hören waren, die schon während des Spiels angestimmt worden waren: "Nie mehr vierte Liga", zudem die Vereinshymne "Blau und schwarz".

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Und immer wieder Schmähgesänge auf den 1. FC Kaiserslautern, gegen den man in der kommenden Saison antreten wird. "Das ist eine riesengroße Erleichterung. Der ganze Druck ist weg", sagte der Trainer Bernard Trares, ehemals Spieler, unter anderem bei Waldhof und beim TSV 1860 München. Unter Bruno Labbadia war Trares mal Co-Trainer beim HSV, nun gilt er als Vater des Mannheimer Höhenflugs. Er hat dem Team eine attraktive, offensivfreudige Spielweise verordnet. 81 Treffer in bislang 30 Spielen sind Ligarekord - in allen fünf Regionalligastaffeln.

Vor dieser Saison war der Verein, der Nationalspieler wie Maurizio Gaudino, Karl-Heinz Förster oder Jürgen Kohler hervorgebracht hat, dreimal nacheinander in der Relegation gescheitert - am SV Meppen, an den Sportfreunden Lotte, in der vergangenen Saison am KFC Uerdingen. Beim Rückspiel in Mannheim hatten Fans minutenlang Raketen aufs Spielfeld gefeuert, bis das Ziel, der Spielabbruch, erreicht war. Erstmals in der Geschichte des deutschen Fußballs waren daraufhin einem Verein wegen des Fehlverhaltens seiner Anhänger drei Punkte abgezogen worden, wogegen der SV Waldhof Rechtsmittel einlegte.

Mitte März gab das Frankfurter Landgericht dem Viertligisten Recht, doch der DFB legte erneut Revision ein. Dass der Verband nun trotz des Zuschauerandrangs an der damals verfügten Sperrung der Otto-Siffling-Fantribüne festhielt, werteten Fans und Offizielle als Retourkutsche. Zumal sich der DFB damit über das Votum der Stadt und der Mannheimer Polizei hinwegsetzte, die für eine Öffnung der Tribüne plädiert hatten. "Einfach nur unwürdig", findet das auch Trares, der im vergangenen Sommer für das Fehlverhalten der Fans, die den Spielabbruch provoziert hatten, ebenfalls deutliche Worte fand.

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Gegen deutliche Worte haben nur wenige Waldhof-Fans etwas einzuwenden. Der SVW ist das, was man einen Traditionsverein nennt - und das liegt nicht nur am Gründungsdatum (1907). Mannheim-Waldhof ist ein Malocher-Kiez, den man heute in der Soziologen-Sprache vielleicht "prekär" nennen würde. Wer hierher kam, war schon vor 100 Jahren fußballerisch verortet. Mit dem heutigen Verbandsligisten VfR Mannheim, der als Verein der Honoratioren und Lackschuhträger galt, wollte man nichts zu tun haben. Als der in Waldhof geborene spätere Bundestrainer Sepp Herberger 1922 vom SVW dorthin wechselte, galt das im Stadtteil schlichtweg als Verrat.