Weltfußballer des Jahres Lewandowski wählt fremd

Hat den Pokal: Cristiano Ronaldo (links) mit Fifa-Präsident Sepp Blatter

(Foto: AP)

Cristiano Ronaldo ist der Beste, finden viele der Wahlberechtigten zum Weltfußballer des Jahres. Aber was findet der Rest? Und warum votiert Robert Lewandowski nicht für einen Bayern-Spieler? Auffälligkeiten der Fifa-Wahl.

Von Lisa Sonnabend, Jonas Beckenkamp, Daniel Siebenweiber und Steffen Kühne

Es wäre alles so einfach. Wer Weltfußballer werden will, muss durch faszinierendes Können glänzen. Schöne Tore, idealerweise reihenweise davon. Dutzende Vorlagen, die den Wert fürs eigene Team unterstreichen. Oder eben Paraden, die Punkte und Siege retten. Ginge es rein nach diesen Kriterien, hätte Manuel Neuer bei der Wahl durchaus eine Chance gehabt. Er gewann mit den Bayern das Double und verhalf der DFB-Elf mit seinen Akionen und Feldspieler-Ausflügen zum Weltmeister-Titel. Trotzdem landete der deutsche Nationalkeeper hinter Cristiano Ronaldo und Lionel Messi auf Platz drei.

Nun stellt sich die Frage, wie die Entscheidung für den Besten der Besten überhaupt zustande kommt? Wen wählten die 528 stimmberechtigten Fußballer, Trainer und Journalisten? Und was für Auffälligkeiten ergeben sich beim Durchforsten der Wahllisten. Weil die Fifa zumindest in diesem Punkt eine transparente Organisation ist, hat sie den Ergebniskatalog hier veröffentlicht. So lässt sich etwa ablesen, dass der Kapitän der burundischen Nationalelf Ntibazonkiza Saidi heißt und dass dieser Mann für Ronaldo gestimmt hat. Und es gibt noch eine Menge anderer Informationen. (Wenn Sie die Daten selbst auswerten wollen, ein Dokument mit allen Rohdaten finden Sie hier.)

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  • Torhüter schmähen Neuer

Die Stürmer dieser Welt haben Respekt vor Manuel Neuer. Wenn er sich vor ihnen aufbaut, zittern sie - ist ja auch ein Riesenkerl. Die Kollegen im Tor dagegen halten von Neuer offenbar nicht allzu viel. Kein wahlberechtigter Torwart wollte, dass Neuer geehrt wird. Spaniens Nummer eins Iker Casillas präferiert die Madrider Kumpels Ronaldo und Sergio Ramos. Beim französischen Keeper Hugo Lloris und dem Chilenen Claudio Bravo folgt Neuer erst auf Platz drei. Gianluigi Buffon aus Italien wiederum stimmte für Ronaldo, Messi - und Neuer. Dem Italiener ist immerhin zu Gute zu halten: Er lag goldrichtig mit seiner Wahl. Dass erstmals ein Spieler aus seiner Position Weltfußballer wird, verhinderte er trotzdem.

  • St. Lucia verehrt Mario Götze

Mario Götze fiel der Welt 2014 eigentlich nur in einem Moment groß auf: Er schoss das deutsche Siegtor im Finale von Rio. Fünf Fifa-Wahlberechtigten imponierte er mit dieser Aktion derart, dass sie den kleinen Münchner prompt zum Weltfußballer wählten. Was dabei auffällt: Gleich drei Stimmen erhielt er aus St. Lucia, alle Wahlberechtigten des Karibikstaates stimmten für ihn. Ein nächster Korruptionsfall bei der Fifa? Oder werden auf St. Lucia mehr Götze-Trikots abgesetzt als an allen anderen Orten der Welt?

  • Fußballer fürchten die Bayern-Spieler

Ein Blick durch die Listen verfestigt den Eindruck, dass Ronaldo in der Welt ganz schön beliebt sein muss. Der Freistoß-Cowboy aus Madeira ist nicht nur bekannten Kapitänen wie Englands Wayne Rooney ein Begriff, sondern auch Kirgistans Capitano Baimatov Azamat oder auch Macaos Spielführer Cheang Cheng Ieong Paulo. Die Spieler wählten den Portugiesen mit großem Abstand zum besten Spieler des Jahres - vor Messi und Neuer.

Wahl der Kapitäne

1. Cristiano Ronaldo

2. Lionel Messi

3. Manuel Neuer

4. Arjen Robben

5. Philipp Lahm

6. Thomas Müller

7. Zlatan Ibrahimovic

8. Angel di María

9. Thibaut Courtois

10. Neymar

Die Wahl der Kapitäne zeigt aber auch, wie gefürchtet die Bayern-Spieler bei den Konkurrenten sind. Neben Neuer landeten auch Robben, Lahm und Müller unter den ersten Sechs.