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Wahl zum UCI-Präsidenten:Herausforderer Cookson löst McQuaid ab

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Neuer Präsident des Welt-Radsportverbands: Brian Cookson

(Foto: AFP)

Ende eines chaotischen Wahltags: Brian Cookson ist neuer Präsident des Radsport-Weltverbands UCI, der skandalumtoste Vorgänger Pat McQuaid muss weichen. Die Szene erhofft sich einen Neuanfang, doch Cookson ist nicht frei von Verdächtigungen.

Irgendwann hatte Brian Cookson genug. Stundenlang hatten sich die Funktionäre im Florenzer Palazzo Vecchio gezankt, bei der Wahl zum neuen Präsidenten des Internationalen Radsport-Verbandes UCI: Über das Prozedere, über Ausnahmeregelungen, ob Pat McQuaid, der aktuelle Präsident, überhaupt zur Wahl zugelassen werden dürfe. Cookson, der Herausforderer, sagte schließlich: "Es reicht, gehen wir zur Wahl."

Der Herausforderer hat dann auch gewonnen. 24 Delegierte stimmten für Cookson, 18 für McQuaid. "Ich bedanke mich für das Vertrauen und wünsche Pat alles Gute, was auch immer er jetzt machen wird. Es ist riesige Ehre, aber jetzt beginnt die wirkliche Arbeit", sagte Cookson in einer ersten Reaktion.

Cooksons Wahl markiert das Ende einer skandalumtosten Präsidentschaft, eines zähen Wahlkampfes - und eines chaotischen Wahltags: McQuaid hätte eigentlich nicht kandidieren dürfen, sein Heimatverband hatte ihn nicht nominiert. Ein Vorschlag der Verbandsvertreter aus der Türkei und Barbados sorgte für Unverständnis. Demnach sollte der Amtsinhaber automatisch zur Wiederwahl zugelassen werden, ohne eine Nominierung zu benötigen. Obwohl das nicht zum Erfolg führte, trat McQuaid an. Er verwies auf seine Schweizer Nominierung, die im August abgelehnt worden war. Dies sei jedoch nicht fristgemäß erfolgt.

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Rechtssachverständige erklärten dann, warum auch McQuaids Nominierungen von Marokko und Thailand zu akzeptieren und mit dem UCI-Statut konform seien. Das rief erneut Protest hervor. Irgendwann beendete Gegenkandidat Cookson das Gezanke, es wurde gewählt - mit dem besseren Ende für Cookson.

McQuaids lange Mängelliste

Mit der Abwahl von McQuaid endete auch ein intensiver Wahlkampf beider Bewerber, die sich gegenseitig mit verschiedenen Vorwürfen zu schaden versucht hatten. Letztlich entschied wohl die lange Mängelliste McQuaids über die UCI-Zukunft. Vor allem im Zuge des Falls Lance Armstrong war der Ire schwer in die Kritik geraten.

McQuaid war vor allem vorgehalten worden, über Jahre das Dopingsystem des einst siebenmalige Tour-Siegers Armstrong gedeckt zu haben. Zudem sah sich der Ire mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert. "Ich begrüße sehr, dass der Kongress sich für einen Neuanfang ausgesprochen hat. Nun müssen auch Taten folgen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Brian Cookson", sagte BDR-Präsident Rudolf Scharping.

Doch auch Cookson ist nicht frei von Verdächtigungen. McQuaid unterstellte ihm, eine Marionette des russischen Oligarchen Igor Makarow zu sein, der dem nationalen Verband vorsteht und das Team Katjuscha sponsort. Cookson gab den Kontakt freimütig zu, bestritt allerdings, sich beeinflussen zu lassen und gelobte Integrität. "Ich werde mich an die Regeln halten", sagte er.