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Wada:Banka statt Helleland

Der Europarat schickt den Polen Witold Banka ins Rennen um die Präsidentschaft der Welt-Anti-Doping-Agentur und nicht die kritische Norwegerin Linda Helleland.

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Es dauert nicht mehr lange, dann steht für die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) eine immens wichtige Wahl an. Das Image der Institution ist stark ramponiert, insbesondere, aber nicht ausschließlich aufgrund ihres Vorgehens in der russischen Staatsdoping-Causa. Nicht zuletzt ihr aktueller Präsident Craig Reedie, zugleich Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und damit die personifizierte Abhängigkeit der angeblich unabhängigen Anti-Doping-Instanz, steht in der Kritik. In diesem Jahr wird turnusgemäß ein neuer Chef gewählt - aber es ist noch fraglich, ob das wirklich eine gravierende Verbesserung bringt.

Witold Banka

Der Europarat schickt den Polen Witold Banka ins Rennen um die Wada-Präsidentschaft.

(Foto: Piotr Nowak/dpa)

Gemäß der gängigen Praxis rotiert der Wada-Chefposten zwischen dem organisierten Sport und der Politik, über die Nachfolge von IOC-Mitglied Reedie entscheiden also in jedem Fall Regierungsvertreter. Am Mittwochmorgen nominierte der Europarat in Luxemburg den polnischen Sportminister Witold Banka als seinen Kandidaten. Amerika sprach sich bereits für den früheren Langstreckenschwimmer Marcos Diaz aus der Dominikanischen Republik aus, auch aus Asien könnte es noch einen Kandidaten geben.

Die kritische Wada-Vizepräsidentin Linda Helleland aus Norwegen hatte sich auch um den Posten bemüht - wurde aber nicht nominiert.

(Foto: Valentin Flauraud/AP)

Der Pole Witold Banka hat keine schlechten Chancen, allerdings gibt es Zweifel, ob er der beste europäische Kandidat ist. In den vergangenen Monaten hatte sich auch die norwegische Politikerin Linda Helleland um den Posten bemüht. Sie ist bisher Vizepräsidentin der Wada und fiel in diesem Amt durch ihren russlandkritischen Kurs auf. So war sie eines von nur zwei Mitgliedern der Wada-Exekutive, die sich im September gegen eine Wiederzulassung der russischen Anti-Doping-Agentur (Rusada) aussprachen. Sie empfand diesen Schritt als zu früh, weil die russische Seite noch nicht alle früher von der Wada formulierten Voraussetzungen erfüllt hatte. Es gilt als offenes Geheimnis, dass beispielsweise die deutschen Verantwortlichen Helleland gerne als Kandidatin für den Wada-Chefposten gesehen hätten. Doch der Europarat folgte am Mittwoch einer Empfehlung seiner sogenannten Cahama-Kommission und nominierte Banka, 34, der vor seiner Ministertätigkeit unter anderem 400-Meter-Läufer war.

Der nächste formale Schritt ist, dass Mitte Mai das Foundation Board der Wada zusammenkommt, um über die Kandidatenlage zu beraten. In diesem Gremium sitzen 38 Personen, jeweils zur Hälfte sind sie entsandt vom organisierten Sport und von der Politik. Die Wahl des neuen Wada-Präsidenten selbst erfolgt am 7. November auf der Welt-Anti-Doping-Konferenz in Kattowitz. Doch dabei ist die personelle Neuaufstellung der Wada nur eine wichtiges Element, ein anderes sind die strukturellen Fragen. Viele Kritiker, etwa die Anti-Doping-Agenturen Deutschlands, der USA und anderer westlicher Nationen, drängen seit Längerem auf eine größere Unabhängigkeit der Dachorganisation vom organisierten Sport.

© SZ vom 28.02.2019
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