bedeckt München 19°
vgwortpixel

Vuelta-Sieger Roglic:"Das sind keine normalen Schritte, das sind riesige Schritte"

Primoz Roglic nach der letzten Vuelta-Etappe in Madrid

(Foto: AP)
  • Primoz Roglic gewinnt als ehemaliger Skispringer die Vuelta.
  • Im Radsport hat sich der Slowene erstaunlich rasch zurechtgefunden - manchem Beobachter ging der Aufstieg arg schnell.

Ganz am Ende musste Primoz Roglic seinen Kontrahenten Alejandro Valverde doch noch ziehen lassen, aber da machte es nichts mehr. Nur noch ein paar Hundert Meter waren auf der letzten schweren Bergetappe der Spanien-Rundfahrt zu bewältigen, zur Plataforma de Gredos ging es hinauf, und im Ziel betrug sein Rückstand auf den enteilten Rivalen lediglich neun Sekunden. Neun Sekunden, das war natürlich viel zu wenig, um im Gesamtklassement noch einmal eine Veränderung zu bewirken - und so fuhr Primoz Roglic aus der niederländischen Jumbo-Mannschaft entsprechend freudig gestimmt über die Ziellinie.

Noch nie hatte ein slowenischer Radsportler eine der drei großen Landesrundfahrten gewonnen. Nun aber durfte Roglic, 29 Jahre alt und aus Trbovlje, am Sonntag im Roten Trikot des Gesamtführenden und mit beruhigendem Vorsprung die Schlussetappe der 74. Vuelta absolvieren, auf der traditionell nicht mehr angegriffen wurde (den letzten Tagessieg holte der Niederländer Fabio Jakobsen). Somit erreichte eine ungewöhnliche Karriere ihren vorläufigen Höhepunkt: die Wandlung eines großen Skisprung-Talents zu einem der besten Rundfahrer des Rad-Pelotons.

Radsport Marcel Kittel beendet seine Karriere
Radsport

Marcel Kittel beendet seine Karriere

Der deutsche Rekord-Etappensieger hatte bereits im Mai eine Auszeit vom Profigeschäft genommen. Die Nationale Anti-Doping-Agentur Nada sieht bei Fußballer Martin Hinteregger keinen Doping-Verstoß.   Meldungen im Überblick

Die meiste Zeit seines Lebens war Roglic auf der Schanze aktiv gewesen. Bei der Junioren-WM 2007 gewann er mit der Mannschaft sogar die Goldmedaille, und bei den Erwachsenen schaffte er noch ein paar gute Platzierungen im Continental Cup, der zweiten Liga des Sports. Dazwischen hatte er einen schlimmen Sturz zu verarbeiten, aber Roglic sagte später, dass sein Disziplinen-Wechsel damit nichts zu tun gehabt habe. Stürze gehörten im Skispringen nun mal dazu. Roglic aber verlor den Anschluss an die Spitze, und 2011 beendete er seine erste sportliche Karriere. "Ich wollte der beste Skispringer der Welt werden, der Traum hat sich nicht erfüllt. Deshalb habe ich umgedacht und etwas anderes gemacht", sagte er einmal.

Es kursieren ein paar schöne Anekdoten, wie das war, als Roglic anfing, etwas anderes zu machen. Einen Duathlon etwa bestritt er, einen Wettkampf aus Laufen und Radfahren, und für den Rad-Teil habe er sich einfach das Velo des Nachbarn geliehen, das aber blöderweise kein Renn-, sondern nur ein normales Straßenrad gewesen sei. Kurz danach legte er sich doch ein richtiges Rennrad zu, kam erst bei einem kleinen slowenischen Team und 2016 bei der Jumbo-Equipe unter. Beeindruckende leistungsdiagnostische Werte habe der Ex-Skispringer gehabt. Und Roglic, 65 Kilo schwer und 1,77 Meter groß, ist der Meinung, dass ihm im neuen Sport auch die erste sportliche Karriere half: Es sei physisch etwas total anderes, sagte er nach seinem Eintritt ins große Peloton. Aber manche der Übungen, die er im Skisprung-Training gelernt habe, helfen ihm heute noch, zum Beispiel Koordination.