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Vorwarn-System bei Dopingkontrollen:Dubiose Geldflüsse

Die Geldflüsse von Texas in die Schweiz bedürfen dringend der Klärung. Die vielfachen Widersprüche in der Spenden-Causa beginnen damit, dass beide Seiten sagen, die jeweils andere habe die Zahlungen initiiert. Armstrong sagte jüngst in seinem mit Unwahrheiten gespickten Interview bei US-Talkerin Oprah Winfrey, die UCI habe um Geld gebeten und er habe gespendet; er sei "ja zu der Zeit nicht mehr aktiv gewesen". Jedoch beendete er seine Karriere erst im Juli 2005, nach dem siebten Tour-Sieg.

Und auch die UCI erklärte, sie habe erstmals im Mai 2002 eine Tranche von 25.000 Dollar erhalten. Diesen frühen Zeitraum nannte Armstrong selbst wiederholt, etwa am 5. März 2004 in cyclingnews. Dem Fachorgan sagte er damals, er habe "über die Jahre immer wieder" der UCI gespendet. Verbruggen bestätigte dies im April 2005 bei Eurosport. Er sprach sogar von Barzahlungen ("Cash") Armstrongs. "Auch noch Bargeld - das ist absurd, das geht gar nicht", sagte dazu ein Ex-UCI-Vorstand.

Verbruggen saß lange im Vorstand der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, wo er als notorischer Bremser galt. Im Sommer 2002 trat er ab, nachdem seine UCI einen Kortison-Befund bei einem Tour-Spitzenfahrer hatte fallen lassen. Der Marketingmann hatte früh jeden profilierten Dopingbekämpfer gegen sich.

Frankreichs Sportministerin Buffet, die per Razzia den Tour-Skandal 1998 initiiert hatte, sah sich 2001 im Zuge der Pariser Olympiabewerbung vom damaligen IOC-Prüfkommissar Verbruggen so unter Druck gesetzt, dass sie öffentlich über Rücktritt nachdachte. Wada-Experten wie der Schwede Bengt Saltin fühlten sich von Verbruggen gemobbt.

Umso brisanter nun dessen Geständnis, er habe seit 2001 Verdacht gegen Armstrong gehegt. Zumal seit 2005 sechs wissenschaftlich klare Epo-Befunde des Texaners auf dem Tisch lagen, die nur sportjuristisch nicht verwertbar waren. Aber sogar noch vor drei Monaten, als der vernichtende Usada-Report gegen Armstrong bekannt war, sagte Verbruggen, es habe "nie die Spur eines Beweises" vorgelegen gegen den langjährigen Freund Armstrong.

Jetzt muss er auch einräumen, dass er von 2001 bis 2004 Geld bei der Investmentbank von Armstrongs Vertrauten Tom Weisel hatte. Weisel war mit Armstrong Eigner des US-Postal-Rennstalls, für den der Texaner sechs Tour-Siege einfuhr. Von Geschäftsverflechtungen habe er nichts gewusst, sagt Verbruggen - es hätte ihn aber nicht gestört, "wenn ich es gewusst hätte".

© SZ vom 24.01.2013/jbe

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