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Vorbereitung auf WM-Halbfinale:Mertesacker kann wegen Grippe nicht trainieren

Germany v Algeria: Round of 16 - 2014 FIFA World Cup Brazil

Per Mertesacker konnte nach dem Viertelfinale gegen Frankreich nicht trainieren.

(Foto: Getty Images)

Der deutsche Abwehrspieler fehlt im Training. Wegen des Fouls an Brasiliens Neymar wird Kolumbiens Nationalspieler Juan Zúñiga bedroht. Die Fifa untersucht verdächtige Tickets. Dante fiebert auf seinen ersten WM-Einsatz hin.

Deutschland, Mertesacker: Abwehrspieler Per Mertesacker fehlte am Samstag beim Auslaufen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Santo André. Der 29-Jährige vom FC Arsenal blieb wegen eines grippalen Infekts im Teamquartier Campo Bahia. Auch Torwart Roman Weidenfeller klagte über Halsschmerzen, war aber bei der Einheit anwesend. Nach dem kräftezehrenden 1:0 im Viertelfinale gegen Frankreich und vor dem Halbfinale am Dienstag in Belo Horizonte gegen Brasilien war Regeneration angesagt. "Einfach ausruhen, wenig machen, abschalten", gab Kapitän Philipp Lahm als Motto bis Dienstag aus. So fuhren beim Training am Samstag einige Spieler locker Fahrrad, die anderen liefen entspannt um den Platz. Zudem stand Gymnastik und Dehnen im Mittelpunkt. Zuvor hatte Bundestrainer Joachim Löw auf dem Platz noch eine kurze Ansprache gehalten. Den Samstagnachmittag gab Löw wie bisher immer nach den Spielen frei. Auch die Frauen und Familien durften zu Besuch kommen und über Nacht bis Sonntagfrüh bleiben. Entgegen der bisherigen Gepflogenheiten fliegt das Team diesmal erst am Tag vor dem Spiel nach Belo Horizonte, "um mehr Zeit zur Regeneration zu haben", wie Teammanager Oliver Bierhoff betonte. Bislang war die Mannschaft immer schon zwei Tage vor den Spielen von Porto Seguro aus abgeflogen.

Kolumbien, Viertelfinale: Kolumbiens Fußball-Nationalspieler Juan Zúñiga hat nach seiner folgenschweren Attacke gegen Brasiliens Neymar Morddrohungen erhalten. Der 28-Jährige wurde in den sozialen Netzwerken zudem als "Monster" und "größter Verbrecher in der Fußball-Geschichte" bezeichnet. Zúñiga hatte Neymar in der 88. des WM-Viertelfinalspiels gegen den Gastgeber (1:2) mit dem Knie und voller Wucht im Lendenwirbelbereich getroffen. Der Spieler vom FC Barcelona erlitt eine Fraktur eines Querfortsatzes, für den 22-Jährigen ist die WM vorzeitig beendet. "Ich wollte ihn nie verletzen", sagte Zúñiga bereits dem brasilianischen TV-Sender Globo: "Wenn ich auf dem Feld stehe, tue ich alles, um mein Land und das Trikot, das ich trage, zu verteidigen - aber immer ohne die Absicht, jemanden zu verletzen."

Fifa, Ticket-Skandal: Der Fußball-Weltverband FIFA hat im Zuge des Ticket-Schwarzmarkt-Skandals insgesamt 141 Karten untersucht. Dabei handelt es sich um 131 für die WM 2014, 6 für die WM 2010 in Südafrika und 4 für den Confed Cup 2013 in Brasilien. Von den WM-Tickets gehören 71 zum Hospitality-Bereich, 59 zum normalen Kartenkontingent und eine dem Kontingent des brasilianischen Verbandes CBF an. Dies gab FIFA-Marketing-Direktor Thierry Weil am Samstag auf einer Pressekonferenz bekannt. "Ich habe mich mit der Polizei und anderen Autoritäten getroffen. Wir werden sie voll unterstützen. Wir hatten Zugriff auf die Tickets und können die Besitzer zurückverfolgen", sagte Weil. Nicht Teil der FIFA-Ermittlungen war laut Weil Humberto Mario Grondona, der Sohn des Senior Vize-Präsidenten der FIFA, Julio Grondona (Argentinien). "Die Tickets, die wir gescannt haben, hatten seinen Namen nicht, von keinem FIFA-Offiziellen. Er ist nicht Teil der Untersuchung", betonte der Direktor: "Soweit ich weiß, ist kein FIFA-Mitarbeiter von der Polizei verhört worden." Natürlich habe man mit dem Grondona-Sohn gesprochen, als sein Name aufgetaucht sei, "das ist doch klar". Es gebe zwei Versionen, so Weil: "Die Karten wurden verkauft und verteilt. Verschenken wäre kein Problem, man darf auch den regulären Preis verlangen. Nur nicht deutlich mehr."

Fifa, Disziplinarkommission: Der Fußball-Weltverband Fifa wird die Szene, die zum WM-Aus von Brasiliens Neymar geführt hat, unter die Lupe nehmen. Die Disziplinarkommission wird die Szene analysieren, teilte die Fifa mit. Der 22-jährige Neymar hatte am Freitag im Viertelfinale gegen Kolumbien (2:1) einen Bruch des Querfortsatzes des dritten Lendenwirbels erlitten. Der Stürmer des FC Barcelona war in der 88. Minute von seinem kolumbianischen Gegenspieler Juan Zuñiga mit dem Knie am Rücken getroffen worden. Ob es sich bei dem Vorfall um ein Foul oder ein Versehen gehandelt hat, soll nun eine Untersuchung klären. Unterdessen kündigte der brasilianische Fußball-Verband CBF an, die Möglichkeit einer juristischen Klage gegen Zuñiga zu prüfen.

Belgien, Daniel van Buyten: Der belgische Fußball-Nationalspieler Daniel van Buyten hat noch keine Entscheidung über seine sportliche Zukunft getroffen. "Es gibt viele Anfragen. Ich werde aber erst einmal alles mit meiner Frau und meiner Familie besprechen und in Ruhe überlegen", sagte der 36-Jährige nach der 0:1 (0:1)-Niederlage im WM-Viertelfinale in Brasília gegen Argentinien. Der Vertrag des Innenverteidigers beim deutschen Rekordmeister Bayern München war am 30. Juni ausgelaufen. Bereits vor der WM in Brasilien hatte van Buyten angekündigt, dass er seine Karriere in der Nationalmannschaft nach dem Turnier beenden werde und "Platz für die Jugend" machen wolle.

Halbfinale, Dante: Der brasilianische Abwehrspieler fiebert dem Duell am Dienstag gegen seine Wahlheimat Deutschland entgegen. "Das ist das Beste, was es gibt. Ich spiele zu Hause eine WM, und mein Leben und meine Karriere sind in Deutschland", sagte der Bundesliga-Profi des deutschen Meisters Bayern München: "Ich freue mich sehr und bin schon ein bisschen heiß." Dante, der bislang im Turnier noch keine Minute spielen durfte, wird im Duell gegen die DFB-Auswahl in Belo Horizonte wahrscheinlich den gelbgesperrten Kapitän Thiago Silva in der Innenverteidigung ersetzen. "Das weiß ich noch nicht. Henrique und ich sind bereit. Wir werden sehen, was der Trainer entscheiden wird", sagte der 30-Jährige. Dante will die nächsten Tage auch Kontakt zu seinen deutschen Vereinskollegen aufnehmen und via SMS ein bisschen sticheln. "Klar steht man in Kontakt, es sind doch meine Kollegen", sagte Dante. Er habe aber gehörigen Respekt vor dem Team von Bundestrainer Joachim Löw: "Wir haben gesehen, dass Deutschland sehr, sehr gut drauf ist. Ihre größte Waffe ist, dass sie mit jeder Situation während eines Spiels zurechtkommen, auch wenn sie unter Druck geraten."

Frankreich, Festnahmen: Ein kurzer Polizeieinsatz auf der Tribüne des Maracanã-Stadions endete mit einem verletzten französischen Fan und zwei Festnahmen. Bei der 0:1-Niederlage im WM-Viertelfinale gegen Deutschland hatte der private Sicherheitsdienst die Polizeibeamten herbeigerufen, weil die Franzosen ihre Sitzplätze nicht einnehmen wollten und handgreiflich wurden. Ein Franzose wurde mit einem Schlagstock von einem der sechs herbeigeeilten Militärpolizisten am Kopf verletzt. Der Vorfall spielte sich im ersten Durchgang ab. Die abgeführten Franzosen wurden von brasilianischen Fans im Tribünenblock höhnisch beklatscht.

© Süddeutsche.de/dpa/sid/jkn
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