Vor dem BVB-Spiel Hertha BSC will ein kleineres Stadion

Hertha-Manager Michael Preetz verteidigt die Überlegungen eines Stadion-Neubaus in Berlin.

(Foto: dpa)

Manager Michael Preetz begründet vor dem DFB-Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund die Sehnsucht des Klubs nach einem neuen Zuhause.

Von Javier Cáceres, Berlin

Der Manager des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC, Michael Preetz, hat mit Unverständnis auf die Bedenken aus der Berliner Politik zu den Überlegungen seines Klubs über den möglichen Bau eines neuen Stadions reagiert. "Gegenwind aus der Politik würde ich verstehen, wenn die öffentliche Hand meinen müsste, sie solle uns ein neues Stadion hinstellen", sagte Preetz im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Es sei Hertha BSC aber "völlig klar, dass wir selbst Mittel organisieren müssten, um ein Stadion zu bauen".

Bei jeder erdenklichen Lösung, zu der weiterhin ein Umbau des Olympiastadions zähle, müsse auch eine Verknappung der Zuschauerkapazität ins Auge gefasst werden, erklärte Preetz. "Wir haben in den letzten 20 Jahren alles in dieser Stadt erlebt, Champions League und Abstiege, durchschnittliche, miese und bessere Saisons, aber der Zuschauerschnitt blieb mehr oder weniger gleich: immer um die 50 000", sagte Preetz vor dem DFB-Pokal-Halbfinale der Hertha gegen Borussia Dortmund am Mittwochabend, das ausverkauft sein wird.

"Ich würde unsere Ostkurve gerne mal in einem kleineren, geschlossenen Stadion erleben"

Angesichts des Fassungsvermögens des Olympiastadions von rund 75 000 Zuschauern gehe bei normalen Heimspielen viel Atmosphäre verloren. "Unsere Ostkurve, die unglaubliche Stimmung entfaltet, würde ich zu gerne mal in einem kleineren, geschlossenen Stadion erleben, in dem der Dampf nicht oben rausgeht." Vor diesem Hintergrund bezichtigte Preetz den früheren Sportsenator Klaus Böger der Voreingenommenheit. Der heutige Berliner Landessportbund-Chef hatte gesagt, dass Hertha besser Fußball spielen sollte. "Dafür bekam Herr Böger seine Schlagzeilen, aber leider nie mit dem Verweis darauf, dass er im Aufsichtsrat der Olympia GmbH sitzt. Das hätte klar gemacht, dass da jemand in eigener Sache spricht", sagte Preetz, der 2009 das Manager-Amt von Dieter Hoeneß übernommen hatte.

Seither hat Hertha BSC zwei Abstiege verkraften müssen. Im vergangenen Jahr konnten die Berliner nur aufgrund des besseren Torverhältnisses gegenüber dem Hamburger SV die Relegation vermeiden. Seinerzeit stand Preetz massiv in der Kritik. "Ich bin immer noch der Meinung, dass die Mannschaft vergangene Saison besser gebaut war, als sie abgeschnitten hat. Aber vordergründig hat es gepasst, zu sagen: Das ist halt Preetz' Geschichte. Es kam mir manchmal so vor wie zu meiner Zeit als Profi, als mir die Leute gegenübertraten und ich das Gefühl hatte: Die trauen sich nicht, das auszusprechen, dieses: 'Na ja, eigentlich sind Sie ja zu gut für die zweite Liga, aber zu schlecht für die Bundesliga.' Und ich dann immer gesagt habe: 'Ja, ist doch so.'" Preetz hatte viele Jahre für Düsseldorf, Saarbrücken, Duisburg und Wattenscheid in der zweiten Liga gespielt, bevor der siebenmalige Nationalspieler in der Saison 1998/99 mit 23 Treffern für Hertha BSC Erstliga-Torschützenkönig wurde.

Mittlerweile hat sich die Kritik an seiner Person gelegt - auch wegen der Einkäufe des vergangenen Sommers, die bei Hertha BSC gut einschlugen und zu einer überraschenden Platzierung führten - Hertha ist derzeit Tabellenvierter der Bundesliga. "Tja, so schnell kann das gehen", sagte Preetz, der gleichzeitig versicherte, dass er keinerlei Genugtuung verspüre.

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