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Vor dem Aufstieg des Red-Bull-Klubs:Aufregung ist garantiert

Dass Fußballfans in Deutschland selten Gebrauch von ihrem Mitbestimmungsrecht machen, spielt in den allermeisten Diskussionen keine Rolle. Stattdessen wird leicht aus fehlender Mitbestimmung auf eine abnorme Fankultur geschlossen. "Die Fanszene in Leipzig wird sich von anderen Fanszenen unterscheiden", ist sich Zelt sicher. Dass Fanleben sei auf Konsum ausgerichtet und irgendwann würden die Anhänger an den Punkt kommen, an dem sie merkten, "dass sie den Verein nicht bestimmen können, sondern dass der Verein sie dominiert".

Ist der RB-Fan also ein mit Werbung überschütteter Konsument? "Man wird im Stadion nicht von Werbung erschlagen oder von Promotion-Girls umzingelt", sagt David Grabow, der den Leipziger Fanclub Glücksbullen gegründet hat, "die Marke Red Bull ist in den letzten Jahren in Leipzig eher in den Hintergrund gerückt, als dass sie präsenter geworden wäre". In etwa 50 Fangruppierungen versammeln sich die RB-Fans, der größte Fanclub hat mehr als 350 Mitglieder. Von den offiziellen Fanklubs darf je ein Vertreter die Pressekonferenzen besuchen. "Die Unterstützung des Vereins für die Fangruppierungen ist groß", sagt Grabow, "und solange das so bleibt, wird der Ruf nach einer Mitgliedschaft auch nicht sonderlich laut werden".

Fan-Forscher kritisiert Tradition-Debatte

RB hat längst eine Fanszene, die sich öffentlich präsentiert wie es die anderer Vereine auch tun. "Wir fühlen uns in keiner Weise eingeschränkt, was das Ausleben unseres Fanseins angeht", sagt Grabow. Und auch wenn er immer wieder geballte Sprechchöre gegen seinen Verein ertragen muss, bekommt er aus Mitteldeutschland auch viele positive Reaktionen zu hören: "Fans aus Erfurt, Halle oder Magdeburg sagen, dass sie regelmäßig RB-Spiele besuchen werden, wenn der Klub in der zweiten Liga spielt."

Sich von einem etablierten Klub abzuwenden, um einen neuen Verein zu unterstützen, würde den Kritikern vermutlich nie einfallen. Vielen Fußballfans geht die "Tradition" über alles. Für Fanforscher Gerd Dembowski eine bedenkliche Diskussion. "Der Fußball ist in Deutschland etwa 120 Jahre alt - kein Verein hat Tradition, historisch betrachtet", sagt er. Schon alleine deswegen könne sich in Leipzig eine Fanszene entwickeln wie andernorts auch.

Eines ist dem Profifußball und seinen Anhängern gerade wegen der Debatten um Leipzig gewiss: Aufregung. "Der Standort Leipzig ist mit Sicherheit ein Vorteil für den Profifußball, der lebt auch von Liebe und Ablehnung", sagt Dembowski, "RB Leipzig wird die Liga beleben, dann gibt es keine Langeweile". Inklusive Hassbanner, über die sich dann wieder jemand aufregen kann, und provokanten Sprechchören. Dembowski sagt: "Daraus nährt sich der Fußball."

© SZ.de/ska/ebc/bavo
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