Volleyball Zu früh für das Finale

Die Alpenvolleys scheitern im Halbfinale an Berlin - die sportlichen Ziele aber hatte der Bundesligist zwischenzeitlich sogar übererfüllt.

Von Katrin Freiburghaus

Hannes Kronthaler wusste schon, was bald passieren würde. "Wir bekommen da die Bronze-Medaille umgehängt", hatte der Manager der Hypo Tirol Alpenvolleys Haching bereits vor dem vierten Halbfinalspiel in der Best-of-five-Serie um die deutsche Volleyball-Meisterschaft in Berlin gesagt - und so geschah es nach dem 0:3 (24:26, 19:25, 23:25) am vergangenen Samstag dann auch. Natürlich sei bei seiner EInschätzung "ein bisschen Kalkül dabei gewesen, damit das Team lockerer aufspielt", räumte der 53-Jährige ein, "aber es war schon realistisch". Der österreichische Rekord-Nationalspieler und Bauunternehmer neigt nicht zum Understatement, ist in seinen Prognosen aber auch nicht größenwahnsinnig. Nach einem Sieg zum Auftakt der Halbfinal-Serie hatte sich in zwei deutlichen Niederlagen gegen den amtierenden Meister angedeutet, dass es im zweiten Jahr der Kooperation zwischen den Volleyball-Standorten Innsbruck und Unterhaching zu früh für das Finale war.

Enttäuscht war Kronthaler darüber allenfalls, "weil wir zwei Sätze verdient gehabt hätten, aber zu dumm waren". Sein Team hatte im ersten Durchgang zwei Satzbälle und im dritten eine 20:15-Führung verspielt. "Trotzdem waren wir sicher näher am Finale als letztes Jahr", fügte er hinzu. In seiner Funktion als Manager, Organisator und Sponsor der Alpenvolleys fiel Kronthalers Fazit ohnehin positiv aus. Unter die ersten drei der Liga hatte er im zweiten Jahr des auf zunächst drei Jahre angelegten Projekts gewollt. "Dass das gelungen ist, haben wir eindrucksvoll bewiesen", sagte er. In Innsbruck waren zu beiden Halbfinals über 2000 Zuschauer gekommen, auch in Unterhaching war die Halle zu den Spitzenpartien immerhin besser gefüllt gewesen als in der Premierensaison des 2017 über eine Wildcard in die Liga gekommenen Bündnisses. Einziger Wermutstropfen war, dass das Team die sportlichen Ziele zwischenzeitlich übererfüllt hatte. Das Gros der Hauptrunde über waren die Alpenvolleys Tabellenführer. Gegen die beiden diesjährigen Finalisten Friedrichshafen und Berlin stehen aus der Hauptrunde zudem zwei Siege respektive ein Sieg und eine Niederlage für sie zu Buche. Dass die Mannschaft die Spitzenposition knapp nicht ins Ziel rettete und mit zwei Punkten Rückstand auf Friedrichshafen Zweiter wurde, kostete sie wohl das Finale.

"Es ist schade, dass wir so lange vorne waren und jetzt das schwierigere Spiel in den Playoffs hatten", sagte Stefan Chrtiansky. Der Slowake, der neben Mihai Paduretu zusätzlich Aufgaben als Sportdirektor wahrnimmt, wird voraussichtlich Trainer bleiben. Sicher im Kader stehen weiterhin Zuspieler Danilo Gelinski und Libero Florian Ringseis, die gültige Verträge besitzen. Die Angreifer Pawel Halaba und Kirill Klets werden den Klub dagegen sicher, Hugo da Silva sehr wahrscheinlich verlassen. Paduretu, der sich um die Organisation in Unterhaching kümmert, hält "ein noch höheres Risiko" bei den Spielerverpflichtungen für notwendig. "Ich glaube nicht, dass das Ziel, im dritten Jahr das Finale zu erreichen, geschafft wird, wenn es bleibt wie bisher", sagte er.

Auch Hannes Kronthaler betonte, den Kader noch stärker aufstellen zu wollen. Allerdings wird es dabei auch um die Breite gehen, die den Alpenvolleys im Gegensatz zur Konkurrenz aus Berlin abging. Große Hoffnungen auf mehr deutsche und österreichische Spieler macht sich Kronthaler dabei nicht. Er werde vertraglich keine Stammplatzgarantien fixieren, wie das einige Nachwuchskräfte erwarteten, "und das Geld, um einen deutschen Nationalspieler aus Polen zurückzuholen, haben wir nicht". Eine attraktive und erfolgreiche Marke in der Volleyball-Bundesliga zu sein, hat in dieser Saison ja aber auch so geklappt.