Leonard Graven, den sie alle Lenny nennen, klingt skeptisch in seinem Hotelzimmer in Manila, der Hauptstadt der Philippinen. Es sei alles prima dort, sagt der gebürtige Dachauer am Telefon. Aber ansonsten gebe es „schönere Städte, es ist so feucht-heiß draußen, der Verkehr ist laut, die Luft schlecht, es regnet die ganze Zeit“. Gut also, dass Graven, der Libero, und die deutschen Volleyballer sich hauptsächlich drinnen aufhalten werden bei diesen Weltmeisterschaften, die am Samstag (11.30 Uhr MEZ, ZDF-Livestream) gleich mit dem Duell gegen Bulgarien beginnen.
„Unsere Gruppe ist wirklich schwierig“, sagte Bundestrainer Michal Winiarski vor dem Turnierbeginn, „Bulgarien hat enorme Fortschritte gemacht und eine junge, starke Mannschaft, Slowenien ist Favorit – aber wir haben schon oft bewiesen, dass wir gegen jeden Gegner bestehen können. Für uns zählt nur der Start gegen Bulgarien.“ Erstmals nehmen 32 Nationen an der Männer-WM teil, Austragungsorte sind in Manila das 20 000 Zuschauer fassende Smart Araneta Polysem sowie die SM Mall of Asia Arena, die 15 000 Besucher beherbergen kann und 2023 Schauplatz des WM-Gold-Triumphs der deutschen Basketballer war.
Weltmeister sind die deutschen Volleyballer noch nie geworden (der DDR gelang dieses Kunststück 1970), ihr größter Erfolg aus jüngeren Tagen war Platz drei bei den Welt-Titelkämpfen in Polen 2014. Doch gerade Graven, 21, steht für eine neue, vielversprechende Generation.
„Der hält schon noch durch, er ist noch ganz schön fit“, sagt Graven über den ewigen Georg Grozer
Der Antihüne, mit 1,80 Metern aber nicht klein für einen Libero, wurde eher unvermittelt in die DVV-Auswahl gespült. Bei den Sommerspielen in Paris organisierte noch der etatmäßige Defensivexperte Julian Zenger die Annahme und Abwehr im deutschen Team, das damals nur mit viel Pech und einem 2:3 im Viertelfinale am späteren Olympiasieger Frankreich scheiterte. Doch dann wurde bei Zenger eine Verengung an einem Herzkranzgefäß festgestellt, diese Woche ließ er sich operieren. Graven, der nach Stationen in Dachau, beim VC Olympia München, in Unterhaching und Herrsching 2024 in Friedrichshafen gelandet ist, stand parat. Und füllt die wichtige Rolle seither sehr gut aus.
Andere, wie Zuspieler Johannes Tille (Hochzeit und Geburt seines Kindes) und Außenangreifer Ruben Schott machen gerade eine Pause. Hauptangreifer Georg Grozer bleibt allerdings der Fixstern der Mannschaft, auf den sich vieles fokussiert. „Der hält schon noch durch, er ist noch ganz schön fit“, sagt Graven schmunzelnd, bevor er wieder ernst wird: „Vieles steht und fällt mit dem Bulgarien-Spiel.“ Beide bisherigen Duelle im Jahr 2025 haben die Deutschen verloren.
Graven macht das bei seinem ersten ganz großen Turnier aber nicht nervös. Weil draußen der Monsun tobt, spielt er Kniffel mit seinem Zimmerkollegen Theo Mohwinkel oder bringt ihm Schafkopfen bei. Ein wenig bayerisches Brauchtum kann ja nicht schaden im fernen Manila.

