Wer ein Ferienparadies wie Phuket wieder verlassen muss, kann leicht wehmütig werden. Zahlreichen Urlaubern dürfte das so gehen, aber auch die deutschen Volleyballerinnen haben die thailändische Insel am Donnerstag mit gemischten Gefühlen verlassen: in dem Wissen, eine große Chance verpasst zu haben.
Ihr drittes und letztes Gruppenspiel bei der Weltmeisterschaft haben die deutschen Frauen trotz vier Matchbällen mit 2:3 (25:21, 15:25, 25:19, 26:28, 17:19) gegen Polen verloren. Das war umso ärgerlicher, als sie im Achtelfinale am Samstag (12 Uhr, ZDF-Livestream) jetzt auf den Olympiasieger, Nations-League-Sieger, Weltranglistenersten und in allen seinen 32 Spielen innerhalb eines Jahres unbesiegten Branchenprimus Italien treffen. Die unglückliche Niederlage gegen Polen nach zweieinhalb epischen Volleyballstunden – 17:19 im Tiebreak – war gleichbedeutend mit dem nun drohenden WM-Aus. Es sei denn, die deutschen Spielerinnen können zwecks einer Sensation in Bangkok vom Spezialwissen eines Italien-Fachmanns profitieren: von ihrem Bundestrainer Giulio Bregoli.
Der 50 Jahre alte Italiener, der die Mannschaft vor neun Monaten von Alexander Waibl übernommen hatte, war nach der Niederlage gegen Polen vom Resultat verständlicherweise zerknirscht, von der Leistung seiner Spielerinnen aber begeistert. „Wir haben gegen eines der besten Teams der Welt ein überragendes Spiel gemacht“, sagte Bregoli, das gab ihm Hoffnung für das kaum zu gewinnende Achtelfinale gegen Italien: „Polen ist nicht viel schlechter als Italien, und wenn wir noch mal so spielen, ist nichts unmöglich.“
Die Statistiken der deutschen Volleyballerinnen machen Hoffnung vor dem Spiel gegen Italien
Nach zwei 3:0-Pflichtsiegen gegen Kenia und Vietnam steigerten sich die deutschen Volleyballerinnen gegen den Weltranglistendritten Polen zu ihrer bislang besten Turnierleistung. Lina Alsmeier, Emilia Weske und Lena Stigrot brachten relevante Angriffsbälle im Feld unter, Camilla Weitzel und Anastasia Cekulaev blockten in entscheidenden Momenten polnische Angriffe ab, und die Libera Anna Pogany erhechtete manchen schon verloren geglaubten Ball. Als das Team beim Zwischenstand von 24:22 im vierten Satz bei Matchbällen den Sieg vor Augen hatte, kamen die Nerven ins Spiel. Nun landeten entscheidende Bälle knapp hinter der Linie – erst ging der vierte Satz hauchdünn verloren – und dann ebenso knapp der entscheidende Tie-Break-Satz.
„Wir sind über uns hinausgewachsen“, sagte eine der erfahrensten deutschen Spielerinnen, die ins Nationalteam zurückgekehrte Lena Stigrot. „Es hat wahnsinnig Spaß gemacht, weil es wahnsinnig guter Volleyball war – aber umso mehr hat diese Niederlage natürlich wehgetan.“ Auf der Leistung müsse man aufbauen in der Partie gegen Italien. „Jede Serie bricht irgendwann“, sagt die gebürtige Bad Tölzerin über Italiens 32-Siege-Serie unter der argentinischen Trainer-Legende Julio Velasco, 73.
Die Statistiken der deutschen Volleyballerinnen machen Hoffnung. In den drei Gruppenspielen kam Alsmeier auf insgesamt 40 Angriffspunkte, Weske auf 34 und Weitzel auf 27. Kapitänin Weitzel sammelte neun Blocks, Marie Schölzel acht. Sarah Straube ist mit 84 präzisen Vorlagen eine der besten Zuspielerinnen des Turniers und Pogany mit 33 teils artistischen Abwehrbällen eine der besten Liberas im Turnier. Das immerhin dürfte helfen gegen das derzeit beste Team.


