Am Ende eines von Licht und Schatten geprägten Sommers haben die deutschen Volleyballerinnen ihr letztes Spiel 0:3 verloren – und den letzten Satz 11:25. So ernüchternd wollten sie den Beginn des neuen olympischen Zyklus nicht abschließen, aber in einem Achtelfinale bei der Weltmeisterschaft gegen den Olympia- und Nations-League-Sieger Italien kann so etwas halt passieren.
„Das hatten wir uns anders vorgestellt“, sagte Deutschlands beste Angreiferin, Lina Alsmeier, „wir wollten beweisen, dass wir hier auf höherem Niveau mitspielen können, und sind jetzt traurig, dass das Turnier für uns schon zu Ende ist.“ Was von diesem Sommer übrig bleibt? „Wir haben im ersten Jahr des neuen olympischen Zyklus einen großen Schritt gemacht, bauen mit vielen jungen Spielerinnen etwas Neues auf und wollen in den nächsten Jahren Stück für Stück stärker werden“, sagte Alsmeier.
Mit dem Selbstvertrauen, bei der Nations League der weltbesten Nationen im Juli das Viertelfinale erreicht zu haben, waren die deutschen Frauen zur WM nach Thailand gereist. Vier Spiele haben sie dort letztlich nur bekommen, darunter zwei 3:0-Pflichtsiege gegen Kenia und Vietnam sowie dieses schon ein wenig deprimierende 0:3 (22:25, 18:25, 11:25) gegen die Übermannschaft Italien, die seit 33 Länderspielen ungeschlagen ist.
Das einzige der vier Spiele, das bei den deutschen Volleyballerinnen erhebliche Emotionen ausgelöst hat, war eine dramatische 2:3-Niederlage gegen Polen, den Weltranglistendritten, gegen den sie in der Nations League noch 0:3 verloren hatten. Diese zweieinhalb Stunden dauernde Partie mit vier vergebenen Matchbällen und einem unglücklichen 17:19 im Tiebreak hatte der Auswahl mit ihrem italienischen Trainer Giulio Bregoli gezeigt, dass sie auf diesem Niveau mitspielen kann. „Das war unser bestes Spiel der ganzen Saison“, befand Kapitänin Camilla Weitzel. Doch im Vergleich mit dem Olympiasieger war das nicht zu wiederholen. Und so gab es gegen die Italienerinnen, die sie in der Nations League noch in einen Tiebreak gezwungen hatte, statt einer Überraschung eine Lektion. „Wir werden stärker zurückkommen“, prophezeite Alsmeier trotzig.
„Auf einer langen Reise haben wir die ersten wichtigen Schritte gemacht“, sagt Trainer Giulio Bregoli
Aus seinem langen, wechselhaften Sommer muss das Team nun jene Ergebnisse herauspicken, bei denen es punktuell sein starkes Niveau hat andeuten können: das 2:3 gegen Italien, das 2:3 gegen Brasilien und ein 3:1 gegen Serbien in der Nations League sowie bei der WM das 2:3 gegen Polen. Das Nations-League-Viertelfinale gegen Brasilien war mit 0:3 allerdings ebenfalls deutlich verloren gegangen. Das zeigt, dass zur Weltspitze noch ein Stück fehlt, vorwiegend in der Konstanz – und in jenen Spielen, in denen es um etwas ging.
Bregoli, seit vergangenem November Bundestrainer mit einem Vertrag bis zum Olympiajahr 2028, blickt trotzdem zuversichtlich in die nahe Zukunft: „Auf einer langen Reise haben wir die ersten wichtigen Schritte gemacht“, sagte der 50-Jährige, „und auch wenn wir nach der Niederlage gegen Italien traurig waren, ändert das nichts daran, dass wir mit dem Sommer insgesamt glücklich sind.“
Auch die Mittelblockerin Marie Schölzel sagte: „Wir dürfen nicht mit dem Gedanken an dieses Italien-Spiel aus dem Sommer rausgehen, denn wir haben viele großartige Spiele gemacht und müssen genau die in Erinnerung behalten.“
Die Olympischen Spiele 2024 in Paris hatten die deutschen Volleyballerinnen zum fünften Mal nacheinander verpasst. Die letzte Olympia-Teilnahme datiert aus dem Jahr 2004 in Athen. Wenn die Sommerspiele 2028 in Los Angeles stattfinden, wollen sie dabei sein. 2027 erhalten sie sogar die Gelegenheit, sich bei einer Weltmeisterschaft noch einmal zu zeigen und zu testen, denn die WM findet jetzt alle zwei Jahre statt.


