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Volleyball:Vom See in den Park

Audi Dome, Innenansicht, Halle / Basketball / Euroleague / FC Bayern Basketball - FC Barcelona, Barca / 20.12.2019 / ***; Audi Dome Halle

Bald auch Spielstätte von Herrschings Volleyballern: der Audi Dome, in dem auch die Basketballer des FC Bayern München spielen.

(Foto: Lackovic / imago)

Herrschings Volleyballer ziehen für das Playoff-Viertelfinale in den Audi Dome - und würden gerne dort bleiben.

Von Sebastian Winter

Nun ist es also offiziell: Herrschings Erstliga-Volleyballer, die vier Spieltage vor dem Rückrundenende schon so gut wie sicher in den Playoffs stehen, tragen ihr Viertelfinal-Heimspiel in der Best-of-three-Serie am 1. April (19 Uhr) im Münchner Audi Dome aus, der Heimstätte der Basketballer des FC Bayern. Die SZ hatte darüber bereits am 27. Januar berichtet, die amtliche Bestätigung des Klubs flatterte nun am Donnerstag in die Postfächer. "Das ist ein großer Moment und eine große Möglichkeit für uns", wird Herrschings Geschäftsführer Fritz Frömming in der Mitteilung zitiert, verbunden mit vielen wohligen Dankesworten an den Hausherrn die den Herrschingern ihre knapp 7000 Zuschauer fassende Arena für die Playoffs zur Verfügung stellen werden.

Marko Pesic, der Geschäftsführer der Bayern-Basketballer, sucht ohnehin schon seit längerer Zeit Untermieter für den Audi Dome und goutiert den erstmaligen Umzug der Herrschinger vom Ammersee in den Westpark daher ausdrücklich: "Wir freuen uns, dass wir dem Münchner Sportpublikum mit den Volleyballern neben unseren Basketballspielen weiteren Spitzensport im Audi Dome anbieten können. Wir sind gespannt auf dieses Pilotprojekt. Zumal wir uns im Zuge unserer zukünftigen Spiele im SAP Garden im guten Austausch mit der Stadt München zu einem langfristigen Konzept für alternative Sportveranstaltungen im Audi Dome befinden", wird Pesic zitiert.

Die Herrschinger, deren Nikolaushalle zu flach und zu klein für die Playoffs ist, die nicht für Livespiele im TV taugt und außerdem nur noch bis 2021 eine Ausnahmegenehmigung für die erste Liga hat, hatten sich in der Vergangenheit in der heißen Saisonphase immer mit Notlösungen behelfen müssen. Einmal zogen sie für ihr Playoff-Heimspiel nach Innsbruck um, einmal nach Unterhaching, gleich zweimal spielten sie in der Halle des niederbayerischen Frauen-Erstligisten Rote Raben Vilsbiburg. Identitätsstiftend und nachhaltig war das alles nicht. Der nächste temporäre Auszug hinein in die Großstadt verspricht mehr Strahlkraft und Zuschauer, auch ein mögliches Halbfinale im Dome ist denkbar: "Das ist ein echtes Highlight für die Volleyballszene in München, die darauf seit Jahrzehnten gewartet hat", sagt Herrschings Marketingmanager André Bugl, der "3000 bis 4000 Zuschauer" anpeilt: "Wir werden alles mobilisieren."

Einen längerfristigen Vertrag bis 2023 und eine Option, kommende Saison einige Spiele im Audi Dome austragen zu können - von diesen Plänen hatte Herrschings Geschäftsführer Frömming der SZ Ende Januar berichtet - wollte Bugl nicht bestätigen, sagt aber: "Es ist generell unser Ziel, die Zusammenarbeit auszuweiten und den Audi Dome auch künftig für solche Spiele nutzen zu dürfen."

Der temporäre Umzug stellt den Klub vor eine Herausforderung

Die WWK Volleys, die derzeit Tabellenfünfter sind und am Samstag (19 Uhr) in der Nikolaushalle den Vorletzten Bisons Bühl empfangen, stellt der temporäre Umzug vor große Herausforderungen. Alleine die Hallenmiete beläuft sich auf einen kleineren fünfstelligen Betrag. Unter das Volleyballfeld, das extra verlegt werden muss, müssen zudem Bodenplatten samt Hülsen für die Netzpfosten geschoben werden - denn vorgebohrte Löcher dafür gibt es im Audi Dome nicht. Diese Konstruktion kostet nochmals rund 12 000 Euro. Für den Videowürfel, der für Volleyballspiele deutlich zu niedrig hängt, hat die Volleyball-Bundesliga (VBL) bereits eine Ausnahmegenehmigung erteilt - jedenfalls fürs Viertelfinale am 1. April. "Er hängt direkt über dem Netz und nicht im hinteren Feld, wo er wegen hoher Annahmen eher stören würde", sagt Bugl. Die VBL begrüßt derweil die Entscheidung Herrschings ausdrücklich, sie möchte die Klubs ja ohnehin viel öfter in gut vermarktbaren Hallen spielen sehen. "Das bietet auch für Volleyball in München die Chance, Arenenformat zu testen, es schafft Sichtbarkeit und bietet für Herrsching eine Lösung", sagt Daniel Sattler, Manager Organisation bei der VBL: "Aber es bleibt ein Umzug und verdeutlicht, dass es Not tut, in dieser Region eine bundesliga-taugliche Volleyballhalle zu errichten."

Von Plänen, in Fürstenfeldbruck mit den ansässigen Handballern in eine noch nicht existente, zwölf Millionen Euro teure Arena zu ziehen, waren die Herrschinger abgerückt, als sich die Chance in München konkretisierte. In Herrsching selbst hatten Bürgermeister und Gemeinderat Pläne der Volleyballer für einen Neubau abgeschmettert. Nun wagen sie den Schritt in die ehemalige Rudi-Sedlmayer-Halle, wo in den späten siebziger und in den achtziger Jahren die Volleyball-Erstligisten Milbertshofen, 1860 München und Türk Gücü München aufgeschlagen haben. Wie hoch der Versuchsballon steigt, zeigt sich am 1. April.

© SZ vom 28.02.2020
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