Volleyball:Sehnsucht nach Stabilität

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Volleyball-Nationaltrainer Felix Koslowski

Nur noch für Schwerin zuständig: Felix Koslowski, 37.

(Foto: Guido Kirchner/dpa)

Felix Koslowski macht nicht mehr als Volleyball-Bundestrainer weiter, weil den Schweriner Chefcoach seine Doppelrolle zunehmend ausgezehrt hat - der 37-Jährige möchte sich mehr um seine Familie kümmern.

Von Sebastian Winter, München

Der Volleyball-Vereinstrainer Felix Koslowski ist am zweiten Advent einigermaßen erleichtert in den Flieger gestiegen, zum Europapokalspiel von Schwerins Frauen beim FC Porto. Der 37-Jährige war vor allem deswegen erleichtert, weil der Bundestrainer Felix Koslowski seit Samstag offiziell Geschichte ist. Man darf das nicht falsch verstehen. Koslowski hat den Job bei den deutschen Volleyballerinnen geliebt, sechs Jahre lang hat er ihn ausgeübt, davor war er seit 2006 Assistent des Italieners Giovanni Giudetti - und durfte sich die beiden EM-Silbermedaillen 2011 und 2013 umhängen. Eine halbe Ewigkeit ist das im Sport.

Doch am Ende hat Koslowski vor allem diese Doppelrolle ausgezehrt: Trainer des zwölfmaligen deutschen Meisters zu sein, wo ihn die halbe Mannschaft fast nie in der Vorbereitung sah, weil Koslowski mit der anderen Hälfte im Spätsommer mal wieder bei einer EM oder WM war. In Schwerin sind seit Jahren viele deutsche Nationalspielerinnen beheimatet, es ist für den Klub und seinen Trainer Fluch und Segen. Der andere Fluch ist, dass der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) sich bei Männern wie Frauen keinen ganzjährig angestellten Bundestrainer leisten kann oder will.

Andrea Giani (bei den Männern) und Koslowski sind beides Honorartrainer, "die Situation hat sicher nicht dazu beigetragen, dass man mehr Stabilität hat", sagte Koslowski am Sonntag kurz vor dem Boarding nach Portugal der SZ. Sportdirektor Christian Dünnes findet, dass viele Trainer "wie Guidetti oder Giani gar nicht das ganze Jahr Nationaltrainer sein wollen, sondern im Winter die tägliche Arbeit im Klubtraining vorziehen". Jedenfalls verliert der DVV in Koslowski einen seiner hellsten Trainerköpfe, und das Blöde ist, dass der Verband ihm ab Sommer 2022 nach Jahren des Wartens einen Anstellungsvertrag angeboten hat. Zu spät, bis Ende des Jahres soll ein Nachfolger gefunden sein. Auch der Vertrag von Giani läuft aus, dem Vernehmen nach sieht es aber gut aus, dass er bleibt.

"Der Klub gibt mir sehr viel Stabilität. Jetzt ist es an mir, da auch mal was zurückzugeben."

Viel Zeit ist das nicht, zumal der Verband gerade ohnehin sehr mit sich selbst beschäftigt ist und seiner Strukturreform. Jüngst musste der DVV Berichte dementieren, nach denen er seine Mitgliederversammlung samt Neuwahl des Präsidenten nicht wegen der Corona-Pandemie ins neue Jahr verschoben hat, sondern wegen roter Zahlen und des Führungschaos' rund um die Reform.

Koslowski weiß schon, warum er sich für Schwerin entschieden hat, für jenen Klub, bei dem er groß wurde. "Der Klub gibt mir sehr viel Stabilität. Jetzt ist es an mir, da auch mal was zurückzugeben." Er hat sich auch für seine Familie samt der Kinder entschieden, die in Schwerin tief verwurzelt sind.

Sportliche Gründe hat es natürlich auch gegeben, das enttäuschende Abschneiden bei der EM im Herbst, als Louisa Lippmann und Co. bereits im Achtelfinale ausschieden. Die Olympia-Qualifikation verpassten die "Schmetterlinge" 2016 und 2020, von der WM 2018 reiste Koslowskis Mannschaft als Elfter ab. Die größten Erfolge durfte Koslowski also als Co-Trainer verbuchen, und er sah selbst zuletzt ein gewisses Sättigungsgefühl zwischen ihm und den Spielerinnen. "Ich glaube, dass es ihnen guttut, mal eine andere Stimme zu hören. Sie haben eine große Chance, sich für Olympia zu qualifizieren. So etwas kann dabei das Zünglein an der Waage sein."

Er hat nun in seiner Heimat ohnehin viel zu tun, Schwerins Saisonstart missriet völlig, doch auch das hat Gründe. Der Kader ist kleiner als sonst, auch wegen zweier teurer Projekte, die Halle wird durch einen Anbau vergrößert, ein neues Vereinsheim wird gebaut. Zugleich löste der Klub vergangene Woche, einen Tag vor der 1:3-Niederlage in Stuttgart, den Vertrag mit seiner Diagonalspielerin Kertu Laak auf. Einen ruhigen Dezember wird der Vereinstrainer Koslowski also wieder nicht haben, auch wenn er sich von seiner Doppelrolle befreit hat.

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