Volleyball:Was zur Spitze fehlt

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Volleyball: "Der Sprung nach ganz oben ist dieses Jahr noch nicht dran." - Raben-Trainer Florian Völker.

"Der Sprung nach ganz oben ist dieses Jahr noch nicht dran." - Raben-Trainer Florian Völker.

(Foto: Andreas Liebmann)

Personell geschwächte Vilsbiburgerinnen haben Potsdam im Pokal nichts entgegenzusetzen - statt in den Kader haben sie in dieser Saison in Strukturen investiert. Auch Straubing scheidet aus.

Von Katrin Freiburghaus

Wenn die Spielanalyse des Gewinner-Teams in einen kurzen Satz passt, ist das für die Unterlegenen selten erfreulich. "Es war für uns relativ leicht", sagte Potsdams Angreiferin Laura Emonts am Samstag nach dem Pokal-Duell in Vilsbiburg. Sie fasste die Achtelfinalbegegnung zwischen den beiden Volleyball-Erstligisten damit zumindest aus sportlicher Sicht erschöpfend zusammen. Lediglich 61 Minuten hatten die Gäste aus Brandenburg für das 3:0 (25:13, 25:21, 25:10) benötigt. Bei aller Nachsicht mit seinem durch eine Krankheitswelle stark dezimierten Team war das auch Vilsbiburgs Trainer Florian Völker zu deutlich - und "nicht die Leistung, die wir uns vorgestellt hatten", wie er sagte.

Mit dem Ausscheiden an sich habe man "in dieser Konstellation" hingegen rechnen müssen. Die "Konstellation", von der er sprach, definierte nicht nur die Favoritenrolle der in der Liga noch unbezwungenen Potsdamerinnen, sondern vor allem die löchrige Personaldecke der Vilsibiburgerinnen. Im Niederbayern-Derby gegen Straubing vor einer Woche (3:1) hatte Völker auf die damals erkrankten Suvi Kokkonen und Britte Stuut verzichten müssen, das Team hatte den personellen Aderlass aber nach Startschwierigkeiten gut kompensiert. Gegen Potsdam spielten die beiden frisch Genesenen nun mangels Alternativen durch, weil sich Libera und Kapitänin Kirsten Knip, Blockerin Avery Heppell und Angreiferin Channon Thompson krank abmeldeten. Völker nominierte zur Sicherheit vier Spielerinnen aus der zweiten Mannschaft nach.

"Wenn man nur eine Libera im Kader hat, die auch noch Kapitän ist, können wir das halt nicht adäquat ersetzen", sagt Völker

Was im ersten Moment nach einem klassischen Fall von Pech klingt, war vermutlich eine relativ gute Standortbestimmung für die Roten Raben Vilsbiburg. Ein elf Spielerinnen starker Kader lässt von gelegentlichen Verletzungen abgesehen wenig Spielraum für Umstellungen. Stuttgart, Potsdam und Dresden, die in der Liga derzeit das Maß der Dinge sind, haben mindestens 13 und jede Schlüsselposition doppelt besetzt. Das macht sich nicht nur an Spieltagen, sondern auch in der Trainingsarbeit und bei der Belastungssteuerung bemerkbar. Es ist gewissermaßen die Grundlage für die mehr als 20 Punkte, die Vilsbiburg in der letztjährigen Abschlusstabelle von ihnen trennten. "Wenn man nur eine Libera im Kader hat, die auch noch Kapitän ist, können wir das halt nicht adäquat ersetzen", sagte Völker.

Es ist nachvollziehbar, dass der Klub im vergangenen Sommer in seine Struktur und nicht in einen teureren - oder größeren - Kader investierte. Denn die Erkenntnis, dass sich strukturelle Rückstände auch nur strukturell aufholen lassen, mag ermüden, belegt ist sie hingegen ziemlich gut. "Der Sprung nach ganz oben ist deshalb dieses Jahr noch nicht dran", hatte Völker vor der Saison gesagt, "wir würden uns natürlich nicht dagegen wehren, aber die Teams ab Platz drei und vier sind momentan gehaltstechnisch noch in anderen Sphären unterwegs." Geschaffen wurden unter anderem neue hauptamtliche Stellen wie jene von Sportdirektor Guillermo Gallardo. Sie sollen auf Sicht die Lücke zur Liga-Spitze schließen.

Dass das prinzipiell funktioniert, zeigte Vilsbiburgs Start in der Liga, wo die bereits bestehenden Strukturen den Ausschlag dafür gaben, auch dezimiert gegen Wiesbaden und in Straubing zu bestehen. Denn eine Lücke besteht nicht nur nach oben, sondern auch nach unten; zu Straubing beispielsweise, das im Pokal bereits am Freitag ebenfalls ersatzgeschwächt zu neunt und mit einer 17-Jährigen im Zuspiel Erfurt unterlegen war (0:3).

So schmerzhaft die Niederlage gegen Potsdam in ihrer Deutlichkeit also war, zeichnete sie nach zwei Liga-Erfolgen zum Auftakt wohl die aktuelle Leistungsgrenze nach: Vilsbiburg steht in der Tabelle als Vierter sogar am oberen Ende des breiten, eng beieinander liegenden Mittelfelds. "Mit sechs Punkten aus drei Spielen sind wir in einer guten Position", befand Völker. Wie die sich kurzfristig verändert, ist eng mit der Krankensituation verbunden. Langfristig arbeiten die Roten Raben an mehr Immunität.

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