Seit 2016 werden die DVV-Pokalfinals der Frauen und Männer in Mannheim ausgetragen, und bislang haben die Volleyballerinnen des VfB Suhl Lotto Thüringen einen großen Bogen um dieses Endspiel gemacht. Immer schieden sie vor dem Höhepunkt aus, doch nun, bei der letzten Auflage in der Kurpfalz (von 2027 an zieht die Veranstaltung in die größere Arena nach Köln um), waren sie nicht nur dabei. Sie besiegten vor 12 508 Zuschauern in der ausverkauften Halle vielmehr ihren favorisierten Gegner Allianz MTV Stuttgart in einem Auf-und-Ab-Finale mit 3:2 (25:17, 25:18, 15:25, 23:25, 15:13).
Es war die noch weitaus größere Überraschung als der ebenfalls hochklassige 3:2-Erfolg von Lüneburgs Männern im Anschluss gegen den VfB Friedrichshafen, mit dem Lüneburg zum ersten Mal in seinem vierten Endspiel den Pokal gewonnen hat. Es war der erste Titel für die Mannschaft von Trainer Stefan Hübner, die sich, anders als Suhl bei den Frauen, längst als Spitzenklub und großer Konkurrent Berlins und Friedrichshafens etabliert hat.

Volleyball:Mit dem Nachwuchs in die erste Liga
Knapp 30 Jahre nach ihren größten Erfolgen wollen Dachaus Volleyballer wieder hoch hinaus. Der ehrgeizige Plan des ASV: Mit ausschließlich eigenem Nachwuchs in den Playoffs zur zweiten Liga bestehen - und mittelfristig ins Oberhaus zurückkehren.
Suhl feierte zwar keine Premiere, dafür aber den ersten Pokalsieg seit 18 Jahren, es sind die beiden mit Abstand größten Erfolge in der VfB-Vereinsgeschichte. Und wie zum Beweis, dass dieser Abend weit über den kleinen Klub hinauswies, sagte Suhls ungarischer Trainer Laszlo Hollosy in einwandfreiem Englisch mit kleinem deutschen Einsprengsel: „This is Wahnsinn! Für Suhl, unsere kleine Stadt, für unser kleines Bundesland. Das zeigt: Alles ist möglich.“
Es stand ihnen auch nicht irgendwer gegenüber, sondern der deutsche Meister von 2022, 2023, 2024 und der DVV-Pokalsieger von 2022 und 2024. Eine Mannschaft, die lange Zeit selbst einen großen Bogen um Titel gemacht hatte, sich aber in den vergangenen Jahren zum Überteam der Bundesliga entwickelte. Doch diese Stuttgarterinnen hatten bereits vor einer Woche ihre erste Saisonniederlage auf nationalem Parkett einstecken müssen – sie verloren ihr Liga-Auswärtsspiel mit 2:3 in Suhl. Und nun, vor dieser mächtigen Kulisse, „hat man in den Gesichtern der Stuttgarterinnen gesehen, dass sie nervöser waren als wir“, frohlockte Suhls Mittelblockerin Laura Berger, die ihr erstes Pokalfinale gleich mit dem ersten Karrieretitel krönte: „Stuttgart war der Favorit, wir die Underdogs, jetzt haben wir sie zum zweiten Mal geschlagen.“
„Der fünfte Satz war Russisch Roulette“, sagt Suhls Trainer Hollosy
Und zwar mit ihrer tschechischen Topscorerin Monika Brancuska, der allein 33 Punkte gelangen und die auch über die Saison hinweg bislang die beste Punktesammlerin in Liga und Pokal ist; mit der starken Zuspielerin Lara Nagels; mit den US-Amerikanerinnen Foley Mackenzie und Sanaa Dotson, die Licht und Schatten zeigten, aber in entscheidenden Momenten punkteten. Ein letzter Doppelblock Suhls zum 15:13 entschied das Spiel nach mehr als zwei Stunden. „Der fünfte Satz war Russisch Roulette. Aber unser stärkster Muskel ist das Herz, wir haben nie aufgegeben“, sagte Coach Hollosy.
Auch der 49-jährige Ungar aus Budapest hat seinen Anteil an diesem Erfolg. Als er die Suhlerinnen zur Saison 2020/21 übernahm (auch die Geschäftsführung formierte sich damals neu), waren sie gerade an ihrem nächsten Tiefpunkt angelangt. Beim Covid-bedingten Abbruch der vorangegangenen Spielzeit standen sie auf dem letzten Platz. Bereits in den Jahren zuvor war der Klub ins Schlingern geraten, 2017 gab er gar bekannt, den Bundesliga-Lizenzantrag für die folgende Saison zurückzuziehen. Der Grund: eine Etatlücke, wie so oft das Hauptproblem im Profi-Volleyball, knapp 100 000 Euro fehlten. Aber auch: „Fehlender Rückhalt und eine ungenügende Positionierung, insbesondere bei den Hauptverantwortlichen der Stadt Suhl“, hieß es damals in einer Pressemitteilung des VfB.

Auch die Sanierung der „Wolfsgrube“, der städtischen Sporthalle, in der die Suhlerinnen spielen, war damals ein Problem. Das Dach musste angehoben werden, weil die Halle inzwischen laut den Ligabestimmungen zu niedrig war für Profi-Volleyball. Mit dem Nachbarkreis einigte man sich dann, übergangsweise in die Sporthalle nach Meiningen umzuziehen, Suhl beantragte die Lizenz für 2017/18 dann doch. Aber es war viel Porzellan zerschlagen worden, auch im Verhältnis des VfB und der Stadt Suhl.
Die Neuausrichtung drei Jahre später tat dem Klub, der Stadt und dem Umfeld in jeder Hinsicht gut. Hollosy formte eine gute Mischung aus jungen deutschen und erfahrenen ausländischen Spielerinnen, die Finanzen gelten als solide, wenn auch nicht üppig. Mit den großen Drei, Stuttgart, Schwerin und Dresden, kann Suhl, was den Etat angeht, bei Weitem nicht mithalten. Aber im kleinen 35 000-Einwohner-Biotop an den Südhängen des Thüringer Waldes entstand Schritt für Schritt ein Volleyball-Erstligist, der sich bis an die Spitze gekämpft hat. „Die Gemeinsamkeit zeichnet uns aus. Alles ist familiärer in Suhl, deswegen bin ich hier“, sagte VfB-Blockerin Berger nach dem Sieg gegen Stuttgart. Auch die Wolfsgrube ist längst hoch genug.
Und weil Suhl keinen Sportpsychologen beschäftigt, übernimmt Cheftrainer Hollosy einfach selbst diese Aufgabe, was von den Spielerinnen geschätzt wird. „Unser Coach hat viele Artikel gelesen, er macht vor jedem Spiel mit uns Mentaltraining“, erzählte Berger: „Wir legen uns dann alle hin, machen die Augen zu, und er redet etwas Mentales. Auch heute vor dem Training haben wir im Kreis unsere Augen zugemacht und sollten die Halle spüren.“ Und wie sie dann die Halle spürten.
Hollosy war mal Ende 2023 wegen „aggressivem und drohendem Verhalten“ für fünf Spiele von der Liga gesperrt worden. Am Samstag zeterte der an der Seitenlinie mitunter zur Hitzigkeit neigende Trainer aber kaum einmal, nach Spielende sprang er seiner taiwanesischen Libera Xiang-Chen Lai in die Arme. Ein herrliches Bild, die 1,53 Meter kleine Lai, der etwa 1,70 Meter kleine Hollosy – inmitten der zumeist groß gewachsenen anderen Suhler Spielerinnen.
An diesem Montag berichteten sie noch, habe sie Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) eingeladen, die Stadt Suhl wird sich auch noch etwas einfallen lassen. Und am Mittwoch spielen die VfB-Frauen schon wieder in der Bundesliga. Der Gegner? Schwerin, der deutsche Meister – der die Wolfsgrube in der Hinrunde mit einer 1:3-Pleite verließ. Er war also gar nicht vermessen, der abschließende Satz der so wunderbar fassungslosen Laura Berger: „Es wäre schon schön, jetzt auch noch den Meistertitel zu holen.“

