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Volleyball:Nur 72 Minuten

SSC Palmberg Schwerin - SC Potsdam

Dreifach-Jubel: Schwerins Marie Schölzel (v.l.), Hayley Spelman und Denise Imoudu freuen sich über den siebten Pokaltitel.

(Foto: Uwe Anspach/dpa)

Schwerins Volleyballerinnen gewinnen das einseitige Pokalfinale gegen den Außenseiter Potsdam mit 3:0 - auch weil ihr Gegner mit massiven Problemen im Zuspiel kämpft.

Von Sebastian Winter, Mannheim/München

Es war eine Premiere für Potsdams Volleyballerinnen, und sie misslang. Jedenfalls schien tonnenschwerer Druck auf ihnen zu lasten im ersten Pokalfinale ihrer Vereinsgeschichte, das sie aber nie wirklich genießen konnten gegen den Schweriner SC. Der zwölfmalige Meister aus Mecklenburg-Vorpommern hatte am Sonntag nach nur 72 Minuten auch seinen siebten Titel im DVV-Pokal gewonnen, mit einem für Potsdam desillusionierenden 3:0 (25:19, 25:13, 25:18)-Erfolg. In einem Duell, das eigentlich viel Spannung versprochen hatte, wenn man auf die jüngsten knappen Partien zwischen beiden Klubs blickt. Und wenn man bedenkt, dass Potsdam, das seit 2009 in der Bundesliga spielt, sich in den vergangenen Jahren zum stärksten Verfolger des Spitzentrios Dresden, Stuttgart und Schwerin entwickelt hat.

Potsdams größtes Problem aber war, dass Zuspielerin Jennifer Nogueras, die seit ihrer Verpflichtung Anfang Januar alle Ligaspiele bestritten hat, im Pokal nicht spielen darf - weil sie dort bislang nicht eingesetzt worden war. Die Brasilianerin Ana Tiemi Takagui lenkte für sie das Spiel, obwohl sie viele Wochen lang kaum auf dem Feld gestanden hatte. Zugleich war es der letzte Auftritt für Takagui im roten Dress des SC Potsdam, die 33-Jährige hatte zum 1. März aus persönlichen Gründen um Vertragsauflösung gebeten.

Keine guten Voraussetzungen waren das also, die Abstimmungsprobleme zwischen Takagui und ihren Teamkolleginnen wurden schnell deutlich, noch im ersten Satz wurde sie für Lindsay Flory ausgewechselt, aber auch diese hatte keine Spielpraxis. Weil neben dem Zuspiel und dem Angriff auch Potsdams Aufschläge blass blieben, zog Schwerin in den ersten beiden Sätzen jeweils auf zehn Punkte davon, nur der dritte Satz war etwas enger. "Irgendwie sind wir heute nicht in den Rhythmus gekommen. Wir haben mit beiden Zuspielerinnen noch keine Spiele gespielt, deshalb war es für uns auch schwer", sagte Potsdams Außenangreiferin Laura Emonts folgerichtig bei Sport 1. Und selbst Denise Imoudu, die Zuspielerin des neuen Pokalsiegers, sagte über ihren Ex-Klub, man habe "heute schon gesehen, dass es schwierig war mit der Abstimmung".

Bei Schwerin stimmte die Abstimmung, die Spielerinnen haben in dieser Saison auch in der Champions League viel Erfahrung gesammelt, sie sind in vielen Finals gestählt. Trotz ihrer Favoritenstellung jubelten sie am Ende fast ekstatisch in der riesigen, pandemiebedingt leeren Mannheimer Halle, was auch ein bitterer Gegensatz war.

Das Pokalfinale als Schaufenster? Immerhin fährt der Verband kein Defizit ein

Denn üblicherweise sind die Pokalfinals das jährliche Schaufenster, in dem sich die vier Endspielteilnehmer ebenso sonnen können wie der Deutsche Volleyball-Verband. Mehr als 10 000 Zuschauer, fünf Stunden Liveübertragung im Sportfernsehen, ein Galadinner am Vorabend: So sehr wie an diesem Wochenende steht Volleyball kaum einmal sonst im Fokus, auf den Rängen solidarisieren sich dann immer - je nach geographischer Nähe - die Fanlager der Frauen- und Männerfinalisten.

Seit einem Jahr schlängelt sich aber auch der Volleyball durch diese Corona-Krise, unterhalb der zweiten Ligen ist der Spielbetrieb kürzlich erneut ad acta gelegt worden. In der ersten Liga funktioniert die Saison noch ganz gut, trotz einiger Corona- und Quarantänefälle, etwa bei Friedrichshafens Männern, die ihre Teilnahme an ihrem Champions-League-Heimturnier absagen mussten und deshalb ausschieden. Aber die Mannschaften sind trotzdem abhängig von Sponsoren, Zuschauern - und singulärem Spektakel. Wie Schwerin bei seinem Champions-League-Vorrunden-Turnier Anfang Februar, bei dem es allerdings sportlich chancenlos war und auch noch finanziell mit 100 000 Euro vom Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützt werden musste.

Die fehlenden Zuschauereinnahmen jetzt beim Pokalfinale reißen "natürlich ein Loch in den Gesamtetat, sie bewegen sich normalerweise im sechsstelligen Bereich", sagt ein Verbandssprecher, solche Summen sind für den eher bedürftigen DVV sonst ein Segen. Immerhin unterstützen die Sponsoren die Veranstaltung in diesem Jahr so sehr, "dass wir kein Defizit einfahren", wie der Sprecher sagt. Aber eben auch keinen Gewinn. Für den Verband ist das eine gute Nachricht, wie auch für Schwerin der siebte Pokaltitel, der zugleich ein klarer Fingerzeig für die bald beginnenden Playoffs ist. Schwerins Ziel ist klar definiert: der nächste Meistertitel.

© SZ/cca
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