Süddeutsche Zeitung

Volleyball:Mini-Beben in Tirol

Die Alpenvolleys Haching unterliegen dem Serienmeister Berlin erst im fünften Satz. Es sind Nuancen, die das Duell zweier ebenbürtiger Gegner entscheiden.

In der Nacht zu Mittwoch hat ein Erdbeben der Stärke 3,9 die Region Tirol erschüttert. Die Druckwellen reichten bis nach Bayern hinein. Allerdings waren nicht die Hypo Tirol Alpenvolleys Haching für den leichten Erdstoß verantwortlich, sie spielten ja erst am Mittwochabend etwas weiter westlich in Innsbruck gegen den deutschen Meister Berlin Recycling Volleys, der am vergangenen Sonntag den ersten Titel dieser noch jungen Saison gewonnen hat - den Supercup gegen Pokalsieger Friedrichshafen.

Schäden waren in Innsbruck einen Tag später nicht zu entdecken, der Verkehr quälte sich wie auch sonst auf der B 174 durch die Stadt, in der dank des Föhns dafür T-Shirt-Wetter herrschte. Dafür geriet Berlin in der Olympiahalle gegen die Alpenvolleys extrem ins Wanken. An diesem lauen Abend hatte der seit 2017 mittels Wildcard und Lizenznehmer Unterhaching erfolgreich in der Volleyball-Bundesliga reüssierende österreichische Serienmeister den Favoriten an den Rand einer Niederlage gebracht, das Spiel letztlich aber mit 2:3 (22:25, 25:20, 20:25, 25:22, 12:15) verloren. Immerhin sicherten sich die Alpenvolleys einen Punkt für die Tabelle.

Die Partie begann vor 1300 Zuschauern schon vielversprechend für die neu formierte Mannschaft des slowakischen Trainers Stefan Chrtiansky, gleich nach dem Anpfiff ging sie in Führung. Berlin wirkte beeindruckt, was man auch daran sah, dass der erfahrene Zuspieler Pierre Pujol zum 5:7 einen seltenen Fehler machte. Absetzen konnten sich die Alpenvolleys aber nicht, obwohl Außenangreifer Niklas Kronthaler seine starke Form mit einigen feinen Angriffspunkten untermauerte.

Sein Vater, Alpenvolleys-Manager Hannes Kronthaler, beobachtete das Geschehen auf dem Feld mit Wohlwollen. Der mächtige Bauunternehmer und Geldgeber des Projekts aus Innsbruck und Unterhaching braucht ja solche Spitzenspiele, um noch mehr Aufmerksamkeit und Sponsoren für die Alpenvolleys zu bekommen. Er möchte das bayerisch-tiroler Zweckbündnis fortführen, hat aber im SZ-Gespräch kürzlich deutlich gemacht, dass er sich nach dieser Saison zurückziehe, wenn sich die Situation in Sachen Sponsoring und Zuschauerinteresse vor allem in Unterhaching nicht verbessere. Berlin ist sein Maßstab, die Alpenvolleys wollen am Saisonende ins Playoff-Finale einziehen.

Der Hauptstadtklub hatte jedenfalls Respekt, legte diesen aber spätestens beim 15:16 im ersten Satz ab. Berlin wurde selbstsicherer, die Alpenvolleys fahriger, was zwei leichte Aufschlagfehler des 2,14 Meter langen Blockers Saso Stalekar untermauerten. Und so gewann Berlin den Satz mit 25:22. Doch im Anschluss funktionierte fast nichts mehr beim nun etwas zu lässigen Meister - bei den Alpenvolleys dafür so gut wie alles. Während die Gästeannahme strauchelte und selbst Berlins sprunggewaltiger US-Diagonalmann Benjamin Patch manchen Angriff meilenweit ins Aus schlug, glänzten die Alpenvolleys. 14:7, ein Block des französischen Außenangreifers Jérôme Clère zum 18:11, ein weiterer Block von Paulo da Silva zum 22:15: Innsbruck düpierte den nun fahrigen Favoriten.

Der dritte Satz war fast eine Kopie des ersten, Berlin ging wieder in Führung. Der vierte glich wiederum dem zweiten Durchgang, die Alpenvolleys zwangen die Berliner in den Entscheidungssatz - ausgerechnet ein Aufschlagfehler von Volleys-Kapitän Moritz Reichert besiegelte den abermaligen Ausgleich. Nun stand ein sportliches Beben der Stärke 8,0 bevor - die erste Saisonpleite für den Meister. Paulo da Silva drosch einen Ball nach dem anderen ins gegnerische Feld, doch Berlin konterte. Nuancen entschieden das Duell zweier ebenbürtiger Gegner. Und ausgerechnet der so starke da Silva, dessen letzter Angriff im Aus landete.

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Quelle:
SZ vom 24.10.2019
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