Fusion in der Volleyball-BundesligaEine spektakuläre Münchner Hochzeit

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Spielen bald zusammen mit Haching auf derselben Feldhälfte im BMW Park: Herrschings Volleyballer (rechts, hier im Duell gegen Lüneburg).
Spielen bald zusammen mit Haching auf derselben Feldhälfte im BMW Park: Herrschings Volleyballer (rechts, hier im Duell gegen Lüneburg). WWK Volleys München/oh
  • Die Volleyball-Erstligisten TSV Unterhaching und Volleys Herrsching fusionieren ab der kommenden Saison zu den WWK Volleys München.
  • Beide Vereine wollen durch die Fusion ihre Kräfte und Etats bündeln, um in der schwierigen Münchner Sportlandschaft konkurrenzfähiger zu werden.
  • Das neue Team wird an beiden Standorten trainieren und in drei Arenen spielen: Herrschings Nikolaushalle, Hachings Gothermie-Arena und dem Münchner BMW Park.
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„Eins der größten Vorhaben der letzten 10 bis 20 Jahre im deutschen Volleyball“: Die beiden Erstligisten Herrsching und Haching werden von der kommenden Saison an zu den WWK Volleys München. Auch weil sie alleine zu wenig Strahlkraft in der Großstadt hatten.

Von Sebastian Winter, München

In der Volleyball-Bundesliga steht eine spektakuläre Hochzeit an. Die Männer des TSV Unterhaching und der Volleys Herrsching, ohnehin nur rund 40 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt, fusionieren ihre Erstligamannschaften und treten von der kommenden Saison an unter dem Namen WWK Volleys München im Oberhaus an.

„Zwei Wurzeln. Ein Wille. Ganz nach oben.“ So lautet der ambitionierte Slogan der beiden bisherigen Konkurrenten, bei denen seit vielen Jahren die Geschäftsführer Mihai Paduretu (Haching) und Max Hauser (Herrsching) das Sagen haben. „Wenn man zurückblickt, ist das sicherlich eins der größten Vorhaben der letzten 10 bis 20 Jahre im deutschen Volleyball. Es ist ein bedeutender Schritt für uns, für den Volleyballstandort Bayern und München, aber mit Sicherheit auch für die Volleyball-Bundesliga“, sagte Hauser in einer Mitteilung, die die Herrschinger am Montag verschickten.

Beide Seiten betonen, dass Herrsching wie auch Haching als Namen im Logo sichtbar bleiben würden, außerdem blieben die Stammvereine eigenständig, die Fusion betrifft also nur die Profiabteilungen. Diese sollen, so lautet der Plan, an beiden Standorten trainieren, gespielt wird gar in drei Arenen, was ein ziemliches Novum im Profisport wäre: in Herrschings Nikolaushalle, in der Unterhachinger Geothermie-Arena und im Münchner BMW Park, der seit Jahren zweite Heimstätte der Herrschinger ist.

„Wir wollen gemeinsam mehr, als wir allein erreichen können“: Hachings Geschäftsführer Mihai Paduretu, hier 2013 mit dem gerade gewonnenen DVV-Pokal.
„Wir wollen gemeinsam mehr, als wir allein erreichen können“: Hachings Geschäftsführer Mihai Paduretu, hier 2013 mit dem gerade gewonnenen DVV-Pokal. Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Allerdings schaffte es Herrsching nach der Corona-Pandemie nicht, das Münchner Publikum dort nachhaltig anzuziehen. Ein zur Hälfte gefüllter BMW Park war die große Ausnahme, meist kamen nur 1000 oder 1500 Zuschauer in die Halle. Auch das soll sich mit der Fusion mit Unterhaching ändern. Vor allem aber geht es darum, die Kräfte der Ehrenamtlichen und zuvorderst die Etats zu bündeln. Und dann auch in der Meisterschaft wieder konkurrenzfähiger zu sein.

Herrsching muss dort als aktueller Tabellenachter in dieser Saison überraschend hart um die Playoffteilnahme kämpfen, dabei war es der klare Anspruch des Klubs, die Verfolgung der Spitze um Berlin, Lüneburg, Friedrichshafen und Düren aufzunehmen. Haching wiederum dümpelt als Elfter in den unteren Regionen herum, ohne Chance auf die Playoffs. Eine Kooperation mit 1860 München, die Haching näher an die Großstadt führen sollte, brachte nicht viel Ertrag. Beide Klubs eint daher auch das Eingeständnis, es alleine aus eigener Kraft im schwierigen Münchner Sportumfeld nicht an die Spitze schaffen zu können. So ist auch der Satz von Hachings Geschäftsführer Paduretu zu verstehen: „Wir wollen gemeinsam mehr, als wir allein erreichen können.“

Es dürfte spannend werden, wie die beiden Klubs nach der Vermählung ihrer Profibetriebe ihre völlig unterschiedlichen Philosophien in Einklang bringen – und auch die Alphamännchen Paduretu und Hauser. Während sich Unterhaching immer als Traditionsmarke sah, die vor dem Rückzug ihres Hauptsponsors Generali im Jahr 2014 zum großen Konkurrenten des VfB Friedrichshafen wurde und dreimal den DVV-Pokal gewann, hat Herrsching einen ganz anderen Ansatz. Mit wenig Geld stieg der Klub vom Ammersee just in jenem Jahr auf, in dem sich Haching mangels Hauptsponsor zurückzog. Seither haben die Herrschinger die Bundesliga mit vielen Marketing-Ideen und streitbaren Lederhosen-Trikots bereichert, wenn auch nicht immer mit Spitzenvolleyball. 2024 stand der Klub im Pokalfinale, auch international hat er erste Schritte im Europapokal unternommen.

„Hier geht es nicht darum, dass irgendein Standort den anderen ersetzt“: Herrschings Geschäftsführer Max Hauser.
„Hier geht es nicht darum, dass irgendein Standort den anderen ersetzt“: Herrschings Geschäftsführer Max Hauser. Nordphoto/Imago

Ob die Fusion funktioniert? Darauf ist nicht nur der Lokalrivale ASV Dachau gespannt, der mit viel Aufwand seine eigene Jugendakademie und den Bau der dringend benötigten neuen Erstligaarena vorantreibt; der am Montag aber fast gleichzeitig mit der Herrsching-Haching-Fusion verkündete, dass sein Cheftrainer Patrick Steuerwald den ASV nach fünf Jahren verlässt. Die Hachinger wagten schon einmal eine Fusion, damals wurden sie mit Innsbruck zu den „Alpenvolleys“.  Nach drei Jahren wurde das Projekt wieder beendet. Hauser sagt nun: „Hier geht es nicht darum, dass irgendein Standort den anderen ersetzt, sondern darum, dass wir an allen drei Spielstätten die Bühne bieten, die Spitzenvolleyball im Großraum München verdient hat.“

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