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Volleyball:Grünes Licht vom Ligachef

Die Alpenvolleys setzen sich nach ihrem 3:1-Erfolg in Eltmann auf Platz zwei fest. Zukunftsweisender für sie ist, dass die Bundesliga sich einen Verbleib des grenzübergreifenden, auf drei Jahre bis nach dieser Saison ausgelegten Projekts wünscht.

Als sich vor knapp drei Jahren die Anzeichen dafür verdichteten, dass Unterhachings Volleyballer mittels einer Kooperation mit Hypo Tirol Innsbruck eine Rückkehr in die erste Bundesliga planten, wirkte das wie ein ziemlich abenteuerliches Gedankenspiel. Da es die Regularien der Liga aber nicht ausschlossen, erhielt das Projekt, das fortan auf den so bildhaften wie raumgreifenden Namen Hypo Tirol Alpenvolleys Haching hörte, eine Wildcard und die zunächst auf drei Jahre befristete Erlaubnis, um die deutsche Meisterschaft mitzuspielen. Diese Frist läuft zum Ende dieser Saison ab, es deutet dieser Tage aber viel darauf hin, dass die Geschichte der Alpenvolleyballer noch nicht zu Ende ist.

Die Position der Volleyball Bundesliga (VBL) zum transalpinen Bündnis sei sehr klar, sagt VBL-Geschäftsführer Klaus-Peter Jung. Die Kooperation sei "positiv gelebt worden", in der Liga "gewünscht" und könne "gerne so weitergehen". Da es bei Finanzierung und Organisation nie Grund zur Beanstandung gab, bleibt aus der Sicht der Bundesliga lediglich eine formale Hürde: Die Erstligisten müssen das Projekt ein zweites Mal abnicken, da die erste Entscheidung über die Beteiligung eines ausländischen Klubs lediglich für die nun ablaufenden drei Jahre galt. Alles andere als Zustimmung der Klubs wäre allerdings eine Überraschung. Denn die Schwergewichte im Feld begrüßten den neuen Konkurrenten im Spitzensegment aus vermarktungsstrategischen Gründen von Anfang an, und auch von den kleineren Vereinen ist kaum noch Kritik zu vernehmen.

United Volleys Frankfurt - Hypo Tirol Alpenvolleys, 1. Bundesliga Masahiro Yanagida (United Volleys, 8) ueberwindet den; Volleyball - Alpenvolleys

Nach drei Jahren ist noch nicht Schluss: Die Volleyball-Kooperation zwischen Unterhaching und Innsbruck mit Spielern wie Jordan Richards (links) und Saso Stalekar (rechts) wird sehr wahrscheinlich fortgeführt.

(Foto: Juergen Kessler / imago)

Die Alpenvolleys haben nicht nur regelkonform gewirtschaftet, sondern sportlich auch exakt das abgeliefert, was zu Beginn ein wenig großspurig daherkam. Manager Hannes Kronthaler hatte noch vor den ersten Spielen seiner Innsbrucker in der stärkeren deutschen Liga verkündet, Fünfter, Dritter und im dritten Jahr Finalist um die Meisterschaft werden zu wollen - was angesichts der Dominanz von Berlin und Friedrichshafen an Majestätsbeleidigung grenzte. Ein Blick auf die aktuelle Tabelle nach dem 3:1-Erfolg der Alpenvolleys in Eltmann am vergangenen Mittwoch genügt jedoch, um zu sehen, dass Kronthaler seine Chancen korrekt eingeschätzt hat: Nach zwei dritten Plätzen 2018 und 2019 sind die Alpenvolleys nun mit drei Punkten Vorsprung auf Friedrichshafen Zweiter.

Die Mannschaft von Trainer Stefan Chrtiansky hat sieben ihrer letzten acht Ligaspiele gewonnen und sich im Gegensatz zu Friedrichshafen vor allem gegen schwächere Teams konstant und konzentriert präsentiert. "Entscheidend ist für uns, Zweiter oder Dritter zu bleiben, damit wir Berlin im Playoff-Halbfinale aus dem Weg gehen", sagt Kronthaler. Dem ungeschlagenen Meister möchte er erst im Endspiel begegnen. Dass der Bauunternehmer vor Wochenfrist erstmals explizit erklärte, das Projekt fortsetzen zu wollen, liegt jedoch weniger an der sportlich erfreulichen Entwicklung, als an der lizenzgebenden bayerischen Dependance in Unterhaching.

hannes kronthaler alpenvolleys

Hannes Kronthaler.

(Foto: Christian Forcher/oh)

Zwar haben sich die Heimspiele von einem deutlichen Übergewicht in Innsbruck im ersten Jahr mittlerweile auf eine gleichmäßige Verteilung auf beide Standorte verschoben, die wirtschaftliche Last tragen laut Kronthaler aber unverändert fast ausschließlich die Österreicher. Er hatte diesen Umstand vor einigen Wochen scharf kritisiert, nun sei Bewegung in die Sponsorenakquise gekommen. "Ich habe das Gefühl, die Hachinger machen ein bisschen mehr, wir sind mit ein paar Firmen in Kontakt", sagt Kronthaler, dem es dabei nicht allein ums Geld, sondern auch um die Geste geht. Auch der Trend bei den Zuschauerzahlen war zuletzt positiv.

Bezüglich der perspektivischen Spielverteilung haben sich Alpenvolleys und Liga offenbar von ganz allein einem Konsens angenähert. Während die Bundesliga ursprünglich eine sukzessive Verlagerung nach Unterhaching anstrebte, Kronthaler dagegen lieber Innsbruck priorisiert hätte, sprechen sich nun beide Seiten für ein dauerhaft gleichberechtigtes Pendeln wie in der aktuellen Saison aus. "Nur zwei Spiele in Deutschland zu spielen, bringt nichts. Da kommt ja dann niemand, wenn wir sonst nicht präsent sind", sagt Kronthaler. Im Europacup, den die Alpenvolleys laut Statuten des europäischen Verbands im lizenzgebenden Land spielen müssen, "erst recht nicht".

Auch VBL-Geschäftsführer Jung kann mit Bundesliga-Heimspielen in Tirol mittlerweile gut leben, was damit zu tun hat, dass die Liga-Mitglieder den sportlichen Mehrwert der Alpenvolleys honorieren und kaum noch mit den Auslandseinsätzen fremdeln. Vor drei Jahren sei die Situation eine andere gewesen, "weil zwar alle gehofft haben, dass es funktioniert, es aber keiner wusste". Nun sei "das Ganze gut eingespielt". Und für die Liga sei dieser Umstand am Ende das Entscheidende.

© SZ vom 08.02.2020
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