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Volleyball:Gekommen, um zu bleiben

Deutschland - Frankfurt - 01.02.2020 / Volleyball - Hessen - 1. Bundesliga - Herren Saison 2019/2020 / United Volleys Fr

Laptop-Trainer: Patrick Steuerwald, bisheriger Assistent beim VfB Friedrichshafen, wechselt nach Unterhaching.

(Foto: Marcel Lorenz/Imago)

Nach dem Aus der Alpenvolleys kehrt Unterhaching dank einer Ausnahmeregel zurück.

Von Sebastian Winter

Die Volleyballer des TSV Unterhaching kehren in die erste Liga zurück - gut zwei Monate, nachdem sich das sportlich erfolgreiche bayerisch-tiroler Alpenvolleys-Projekt, an dem die Hachinger beteiligt waren, aus dem Profibetrieb zurückgezogen hat. Der TSV behielt damals die Lizenz, die zweite Mannschaft spielt in der zweiten Bundesliga. Sie darf nun dank einer Ausnahmeregel in Corona-Zeiten aufsteigen. Zuvor hatten die zehn weiteren Männer-Erstligisten einstimmig für eine Aufnahme des viermaligen DVV-Pokalsiegers votiert, auch der Vorstand der Volleyball-Bundesliga (VBL) stimmte dem nachträglichen Lizenzantrag einstimmig zu. Damit startet die neue Bundesliga-Spielzeit mit elf Männer-Teams. Das Beste für die Hachinger: Sie können schon für eine weitere Saison im Oberhaus planen - vorausgesetzt, ihnen geht nicht das Geld aus. Denn die VBL hat außerdem beschlossen, dass es in der kommenden Saison bei Frauen und Männern keine sportlichen Erstliga-Absteiger gibt.

Für den Aufstieg Hachings musste die Liga ihr Lizenzstatut ändern. Demnach können "freie Plätze zur Saison 2020/21 in der 1. Liga zur Abmilderung der Folgen der Covid-19-Pandemie an Lizenznehmer aus einer unteren Spielklasse vergeben werden". Es ist eine einmalige Maßnahme, die auch der prekären Lage geschuldet ist, in der sich die Liga befindet. In Rottenburg und den Alpenvolleys hatten sich jüngst zwei Klubs auch wegen der Corona-Krise aus dem Profibetrieb zurückgezogen, Eltmann ging schon im Dezember insolvent. "Es gab Bedarf nach neuen Teams", sagt VBL-Geschäftsführer Klaus-Peter Jung, der von einem "Projekt mit überwiegend jungen, deutschen Spielern" spricht.

Mit den Alpenvolleys, die nach ihrem Umzug von Österreich in die Bundesliga schnell zum ärgsten Rivalen der Platzhirsche Berlin und Friedrichshafen wurde, dürfte die neue Unterhachinger Mannschaft kaum etwas gemein haben. TSV-Geschäftsführer Mihai Paduretu, der als Trainer mit den Hachingern 2009, 2010, 2011 und 2013 DVV-Pokalsieger wurde, bevor Hauptsponsor Generali ein Jahr später seine Zahlungen einstellte, hat offenbar vor, mit jungen, vornehmlich deutschen Spielern das Wagnis erste Liga einzugehen, die keine großen Gehaltsansprüche haben - und mit einem alten Bekannten: Patrick Steuerwald, bisheriger Co-Trainer beim VfB Friedrichshafen, wird im Trainerteam beim Aufsteiger sein. Steuerwald, den 125-maligen Nationalspieler, der mit Unterhaching als Zuspieler dreimal Pokalsieger wurde, zieht es nach drei Jahren in Frankfurt und am Bodensee mit seiner Familie wieder zurück in die Heimat.

Der Etat wird wohl nur knapp über der Mindestsumme liegen

Paduretus 20-jähriger Sohn Eric, der bislang im Zweitliga-Team zuspielte, wird im Kader sein, wie auch einige seiner bisherigen Teamkollegen. Jonas Sagstetter, 21, wechselt aus Eltmann zum TSV. Hinzu kommen Talente wie Paul Gehringer, Niklas Brandt und Juro Petrusic. "Ich habe viele junge Spieler aus dem Verein und der ganzen Region abtelefoniert", sagt Paduretu senior: "Wir werden eine junge, leistungsorientierte Truppe sein - wie 2000, als wir in die erste Liga aufstiegen. Unser Ziel ist, dass sich das Team entwickelt. Der Tabellenplatz ist da erstmal zweitrangig."

Der Etat des TSV, der vergangene Saison in der zweiten Liga dem Vernehmen nach bei rund 150 000 Euro lag, muss kommende Saison über der Mindestsumme für Erstligisten, also 250 000 Euro, liegen. Viel höher wird er wohl auch nicht sein. Im Sinne der VBL ist das eigentlich nicht. Für sie gilt ein Budget von einer halben Million Euro als Richtwert, unter dem Erstligisten kaum im Profibetrieb überleben können. Zugleich gibt sie durch die Regelung, niemanden absteigen zu lassen, auch den Hachingern mehr Zeit, sich sportlich und finanziell in der Liga zu etablieren. Nach SZ-Informationen hatte die VBL auch erwogen, dem TSV mittels eines Sponsors 100 000 Euro Starthilfe zu geben, was aber von anderen Erstligisten abgelehnt wurde. Für VBL-Geschäftsführer Jung führte nun auch ein "Paradigmenwechsel" zur Rückkehr Unterhachings in den Profibetrieb: "2014 wollten die Verantwortlichen nicht mit einem kleinen Etat in der ersten Liga bleiben, das hat sich inzwischen geändert."

Die strukturellen Voraussetzungen sind jedenfalls gut, die Heimspiele finden in der Bayernwerk-Sportarena statt, wo die Alpenvolleys die Hälfte ihrer Heimspiele austrugen, in der vergangenen Saison vor mehr und mehr Zuschauern. Und auch den nötigen Erstliga-Hallenboden hat der TSV schon erstanden - aus der Insolvenzmasse Eltmanns.

© SZ vom 26.06.2020

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