Süddeutsche Zeitung

Volleyball:Frust im Gaudi Dome

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Herrschings Volleyballer fügen ihrer sportlichen Delle eine 0:3-Heimniederlage gegen Düren hinzu und fürchten finanzielle Verluste durch die kommenden Zuschauerbeschränkungen. In sportlicher Hinsicht stehen sie vor richtungsweisenden Tagen.

Von Sebastian Winter

Fritz Frömming saß diesmal ausnahmsweise im Medienbereich des Audi Domes auf der Tribüne, man konnte ihn gut beobachten, und am Ende des dritten Satzes schlug Herrschings Geschäftsführer mit den Fäusten auf den Tisch, so sauer war er. Die WWK Volleys hatten gegen die Powervolleys aus Düren vor knapp 1000 Zuschauern zwei ziemlich uninspirierte Sätze abgeliefert, im dritten hatten sie 17:15 geführt, sie waren nun im Spiel. Doch nach einer schlimmen Aufschlagfehler-Serie und zwei Blocks gegen den von seiner Muskelverletzung genesenen Außenangreifer Tim Peter stand es 23:25 - und 0:3 (20:25, 19:25, 23:25) gegen Herrsching. "Da war kein Elan in der Mannschaft, die Körpersprache war enttäuschend", sagte Frömming. Viel Frust schwang da mit in diesen wenigen Worten.

Der Klub vom Ammersee hat ja auch düstere Wochen hinter sich. Zunächst fiel in Peter und Jordi Ferragut die so wichtige Außenangriff-Annahme-Achse aus, der spanische Zugang Ferragut wird Frömming zufolge wegen seines Handwurzelknochenbruchs wohl frühestens im Januar wieder zur Verfügung stehen. Es folgte eine für Herrsching sehr unübliche Serie von vier 0:3-Niederlagen aus fünf Spielen. Die Gegner hatten natürlich klangvolle Namen, Berlin, Friedrichshafen, Frankfurt und nun Düren, aktuell sind es die Top vier der Liga. Aber viermal 0:3? Selbst gegen die Großen hatten die Herrschinger schon lange keine solche schwarze Serie mehr. Mit der neuerlichen Niederlage sind sie nun auf den drittletzten Platz abgerutscht.

"Das ist ein Problem", sagt Trainer Hauser bezüglich der maximal 250 zugelassenen Fans in der Nikolaushalle

Sportlich läuft es nicht so recht, obwohl die Herrschinger gerade im Audi Dome richtig Werbung machen wollten, hinzu kommen die Verletzten, Trainer Max Hauser war vergangene Woche auch noch krank und konnte die Mannschaft nicht anleiten: Es kommt viel zusammen in diesen Wochen, Hauser selbst sagte nach dem Spiel: "Ich hatte fast noch nie so ein Verletzungspech, es dauert auch noch an. Wir könnten genauso gut ganz hinten in der Tabelle stehen." Es fehlt gerade aber auch das Selbstvertrauen, das Eingespieltsein, die positive Ausstrahlung auf dem Feld. Stattdessen zeigte Herrsching einen ziemlich blutleeren Auftritt in der von den Volleys zum Gaudi Dome ernannten Arena. Die Gaudi hatte allenfalls Düren.

Angriffsquote, Blocks, Annahme, Aufschlag - überall waren die erfahrenen Gäste auch statistisch besser. "In vielen Phasen waren wir gar nicht da, da fehlt noch Konstanz und das Selbstvertrauen. Wir trainieren so viel besser als das, was wir jetzt im Spiel zeigen", sagte Peter, der neue Herrschinger Kapitän, der auch mit der silbernen MVP-Medaille für den besten Spieler des Verlierers nicht viel anzufangen wusste: "Ich bin mit mir absolut nicht zufrieden. Deshalb fällt es mir schwer, die Medaille anzunehmen."

Die Laune ist am Boden, sicher auch wegen des mäßigen Besucherandrangs in der Halle. Die 2G-Regel mit Maskenpflicht habe den Ticketverkauf quasi zum Erliegen gebracht, berichtet Frömming, der sich wie Hauser so langsam auch um die Finanzen sorgt. Im Audi Dome rechnen sich Spieltage erst ab 1500 Fans, bei Zahlen wie gegen Düren, mit rund 800 Zuschauern, gingen die Verluste in den fünfstelligen Bereich. Das alles sei im Budget eingeplant, sagt Frömming. Doch nun dürfen nur noch 25 Prozent der Hallenkapazität belegt werden - auch in der Nikolaushalle, wo Herrsching an diesem Mittwoch das Pokal-Viertelfinale gegen Giesen spielt, sowie am Freitag und Samstag die Ligaduelle gegen Unterhaching und erneut Giesen. Drei Partien sind das, zu denen je 250 Fans kommen dürfen, weil die Nikolaushalle nur 1000 Zuschauer fasst. "Das ist ein Problem", sagt Hauser.

Der eigentliche Höhepunkt im Audi Dome am 12. Dezember gegen Meister Berlin könnte ohnehin zum Geisterspiel werden. Immerhin: "Der FC Bayern ist uns da bislang immer sehr entgegengekommen", sagt Hauser bezüglich der Münchner Basketballer, die ihre Heimspielstätte an die Herrschinger untervermieten.

In sportlicher Hinsicht ist die neue Woche so richtungsweisend wie keine in der bisherigen Saison, das ist das Positive. Denn zieht Hausers Mannschaft ins Pokal-Halbfinale ein und gewinnt beide Ligaspiele, ist sie trotz düsterer Wochen doch wieder voll im Plan.

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