Volleyball:Frische Energie

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Volleyball: Kennt sich aus in der Bundesliga: Dachaus hochdekorierter Trainer Patrick Steuerwald.

Kennt sich aus in der Bundesliga: Dachaus hochdekorierter Trainer Patrick Steuerwald.

(Foto: Oryk Haist/Imago)

Dachaus Volleyballer sind wieder zurück in der zweiten Liga - und streben mittelfristig mit neuem, nachhaltigem Jugendkonzept wieder ins Profigeschäft. Doch die 50 Jahre alte Halle, in der sie einst ihre größten Erfolge feierten, ist ihr großes Problem.

Von Sebastian Winter

Falls irgendjemand kurz vor der Rückkehr dieses so traditionsreichen Klubs in die zweite Bundesliga noch einen leichten Anflug von Arroganz gehabt haben sollte - nach dem Motto: ,Wir mischen die jetzt mal kräftig auf' -, dann hat ihn dieser erste Spieltag ziemlich schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht. Mit 1:3 haben die Volleyballer des ASV Dachau ihren Saisonauftakt bei den Blue Volleys Gotha verloren, sie haben durchaus ordentlich gespielt, aber eben nicht gut genug, um gewinnen zu können. "Letztes Jahr waren wir immer in der Favoritenrolle", sagt ihr Trainer Patrick Steuerwald ein paar Tage nach der Niederlage, "jetzt müssen wir erstmal wieder verlieren lernen. Und das haben wir letzte Woche ja gezeigt."

Am vergangenen Samstag, beim ersten Heimspiel gegen die TV/DJK Hammelburg, zeigte die junge Dachauer Mannschaft dann, wie groß ihr Potenzial ist. 3:1 gewann sie gegen die Unterfranken, die seit Jahren zu den stärksten Klubs der Liga zählen - und sortiert sich nun im oberen Tabellenmittelfeld ein. Dort also, wo der ASV auch am Saisonende gerne stehen möchte.

Dass die Dachauer überhaupt wieder in der zweiten Liga spielen, muss schon als Erfolg gewertet werden. 2016 war der ASV in die Drittklassigkeit abgestiegen, es war das Ende eines schleichenden, viele Jahre andauernden sportlichen Niedergangs. Die Pokale aus der großen, alten Zeit verstaubten da längst hinter Vitrinen in der alten, maroden Georg-Scherer-Halle. Die Erfolge der neunziger Jahre unter dem Trainer Stelian Moculescu, zweimal deutscher Meister, Pokalsieger, Champions-League-Finalist: verblasste Erinnerungen. Um die Jahrtausendwende herum kamen Insolvenz und Zwangsabstieg, weil die Träume hoch flogen, aber eigene Jugend und Nachhaltigkeit fehlten.

"Mittelfristig steht schon zur Debatte, Volleyball in Dachau wieder in die erste Liga führen zu können."

Es ist ein Versäumnis, aus dem sie nun, wie es aussieht, gelernt haben tief im Dachauer Südwesten an der Gröbenrieder Straße. Das neu aufgestellte Nachwuchskonzept spült immer mehr Talente in die Volleyballabteilung des ASV, in der manche Väter und auch Mütter des einstigen Erfolges nun ihre Kinder spielen sehen. Jugendleiter Niko Schneider fördert weiter, was Sepp Wolf, Dominic von Känel und andere aufgebaut haben im vergangenen Jahrzehnt. Der Anspruch ist, eine der führenden deutschen Talentschmieden, die die Dachauer bereits in den Zehnerjahren waren, fortzuentwickeln. Auf dass die eigenen Perlen nicht wie bisher über den ASV hinauswachsen, wie vor ein paar Jahren die Brüder Lukas und Simon Pfretzschner. Nein, sie sollen ein Teil von Steuerwalds Männermannschaft werden, der sie dort zu Spitzenspielern formen soll. Auch dafür wurde Steuerwald, der 125-malige Nationalspieler und dreimalige Pokalsieger mit Generali Haching, ja geholt.

Der ASV profitiert dabei von seiner Nähe zu München, er lockt auch Kinder aus der Großstadt an, die dort zu Vorbildern aufblicken sollen, die in der ersten Mannschaft spielen. Aber dafür müssen Spieler wie Dachaus neuer Kapitän Samuel Sadorf, Diagonalspieler Tobias Besenböck, Außenangreifer Fabian Bergmoser, Zuspieler Luca Russelmann oder Blocker Moritz Teichmann erst einmal selbst noch wachsen. Sie alle sind Jahrgang 2000 und jünger. Nur Marcus Rupprecht, 23, und Niklas Trogisch, 25, wurden in den neunziger Jahren geboren - damals, als der ASV seine goldenen Jahre hatte. Größere Zweitligaerfahrung haben alleine die Neulinge Marvin Primus und Daniel Kirchner, die vom Zweitliga-Absteiger Grafing zum ASV gewechselt sind.

Fest steht, dass sie in Dachau ein ziemlich ehrgeiziges Projekt auf die Beine gestellt haben, wie es Steuerwald noch mit einiger Vorsicht präsentiert: "Mittelfristig steht schon zur Debatte, Volleyball in Dachau wieder in die erste Liga führen zu können." Eine Spielbetriebs-GmbH soll dazu auch irgendwann gegründet werden. Doch als Achillesferse auf diesem Weg entpuppt sich, wie so oft in diesen Fällen, die Spielstätte, die ja auch erstligatauglich sein müsste.

Die Georg-Scherer-Halle wurde 1972 gebaut, vor einem halben Jahrhundert, sie ist nicht nur düster und abweisend, ihr Dach ist vor allem undicht, die Technik veraltet, der Brandschutz von anno dazumal. Seit zehn Jahren wird über einen Neubau debattiert, weil die Halle schon damals nicht mehr saniert werden konnte. Aber wie so oft zieht sich der Prozess - und ist höchst kompliziert, zumal die Corona-Pandemie auch noch die städtischen Kassen leerspülte. Just am Dienstag wurde im Dachauer Stadtrat eine Machbarkeitsstudie vorgestellt, es ging um drei Varianten für einen Neubau: erstens eine große, erstligataugliche Halle für 2500 Zuschauer, zweitens eine zumindest zweitligataugliche Halle mit 1500 Plätzen - oder drittens eine reine Schulsporthalle. Andreas Wilhelm, der ASV-Vereinsvorsitzende, plädierte für die zumindest zweitligataugliche Halle, die große Lösung war wegen der viel zu hohen Kosten ohnehin unrealistisch. Und vor der Schulturnhalle fürchteten sie sich im ASV.

22 Millionen Euro kostet die zweite Variante immerhin, weitere 14 Millionen Euro würden Räume und Anlagen, die dem Breitensport zugute kämen, verschlingen. Aber Wilhelm sieht keine Alternative: "Die Planungen für die neue Halle laufen seit 2012, der Neubau ist längst überfällig." Wilhelm sagt, er freue sich sehr über den Zweitliga-Aufstieg der ASV-Volleyballer, er begrüße und unterstütze auch deren Ziele und Visionen. "Die Leute sind gut dort, da ist absolutes Vertrauen da."

Der Stadtrat hat sich am Dienstag dann für Variante B entschieden - einstimmig, wie es hieß. Es ist ein Anfang, dem Klub, der so große Pläne hat, eine neue Heimat zu geben, die mehr nach Zukunft aussieht als nach verblasster Vergangenheit.

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