Volleyball:Frisch vom Flughafen

Volleyball - BL Frauen - VC Wiesbaden - Rote Raben Vilsbiburg - 17.10.21, Lena Große Scharmann (VCW), Jodie Guilliams, B

Noch schwächelt die Mitte: Beta Dumancic, hier links im Block, hatte noch keine Zeit, sich mit den Abläufen in ihrem neuen Team vertraut zu machen.

(Foto: Johannes Lay/imago)

Vilsbiburgs Volleyballerinnen haben in Beta Dumancic einen Glückstransfer hinbekommen nach dem überraschenden Karriereende der Mittelblockerin Corissa Crocker. Die Partie gegen Aachen zeigte dennoch, dass das Team Zeit brauchen wird.

Von Katrin Freiburghaus

Jeder kennt aus irgendeinem Film die Szene, in der der Protagonist eine lecke Stelle im Schiffsrumpf flickt oder etwas anderes Essentielles repariert, während sich im Hintergrund zwei bis fünf Katastrophen andeuten, die er unmöglich gleichzeitig bewältigen kann. Was als humoristisches Element verwendet wird, ist für den Protagonisten wenig amüsant; das gilt für Actionhelden wie für Sportvereine. Die Stimmung bei Vilsbiburgs Volleyballerinnen war am vergangenen Freitag entsprechend nicht die beste, obwohl sowohl Klub als auch Spielerinnen ihr Möglichstes getan hatten, um die Personallücken im Kader schnell zu schließen. Allein: Es waren für den Moment zu viele auf einmal. Das Heimspiel gegen Aachen endete nach einer wilden Berg-und-Talfahrt 2:3 (25:20, 28:30, 12:25, 25:22, 9:15).

Unter den gegebenen Umständen sind die bisher sieben Punkte aus vier Saisonspielen für Vilsbiburg dennoch keine üble Bilanz. "Es hätte vielleicht einer mehr sein können, aber man kann zufrieden sein", findet Geschäftsführer André Wehnert. Die Erstligasaison hatte damit begonnen, dass die einzige Diagonalangreiferin im Team, Dayana Segovia, erst wenige Tage vor dem ersten Spiel in Niederbayern angekommen war. Was im Angriff abzusehen gewesen war und recht ordentlich funktionierte, weitete sich in den vergangenen drei Wochen unerwartet auf den Mittelblock aus, wo plötzlich zwei von drei Spielerinnen fehlten. Nationalspielerin Josepha Bock brach sich im Training den kleinen Finger und fiel für spezifisches Blocktraining aus.

Vorgängerin Crocker hatte einen Ball an den Kopf bekommen - die Ärzte stellten dann Nachwirkungen von älteren Gehirnerschütterungen fest

Kurz zuvor hatte die US-Amerikanerin Corissa Crocker, in der Vilsbiburgs Trainer Florian Völker potentiell "eine der besten Blockerinnen der Liga" gesehen hatte, nach einem Balltreffer am Kopf um die Auflösung ihres Vertrags gebeten. Ärzte hatten bei der 24-Jährigen Nachwirkungen mehrerer Gehirnerschütterungen aus einer früheren Karrierephase diagnostiziert und ihr zum Ende ihrer Laufbahn geraten - Crocker bestritt kein Spiel für Vilsbiburg. "So was plant man nicht, so was will man auch gar nicht planen", sagt Wehnert.

Bei aller Anteilnahme für die Situation der Spielerin ging es für ihn parallel darum, sportlichen Ersatz zu finden, um konkurrenzfähig zu bleiben. Mit der Verpflichtung von Beta Dumancic zunächst bis zum Jahresende gelang ein hochkarätiger Blitztransfer. Dass die erfahrene kroatische Nationalspielerin nach ihrem Intermezzo in Italien überhaupt auf dem Markt war, bezeichnet Wehnert als "für uns sehr glücklichen Umstand". Die 30-Jährige kennt die Bundesliga; sie spielte von 2017 bis 2020 beim aktuell schwächelnden Spitzenklub Schwerin. "Deutschland wird immer einen besonderen Platz in meiner Karriere und meinem Herzen haben, deshalb ist mir die Entscheidung, zurückzukommen, leicht gefallen", sagt sie.

Ihr Einstieg hingegen folgte einem in Vilsbiburg mittlerweile bekannten Muster. Von der Landung am Münchner Flughafen bis zur ersten Auswärtsfahrt nach Wiesbaden vergingen keine 48 Stunden. "Sie hat schon viel gesehen, deshalb kriegt sie das im Block mit ihrer Erfahrung relativ schnell hin", sagt Völker. Dennoch könne niemand erwarten, "dass sie sofort ein spielbestimmender Faktor ist". Das gilt besonders für den Angriff, in dem die Abstimmung mit Zuspielerin Magdalena Gryka fehlt. Gegen Aachen trat das mit zunehmender Spieldauer immer offener zutage, weil sich die Gegnerinnen auf die fehlende Gefahr über die Mitte einstellten und im Block entsprechend reagierten. "Wenn die Angreiferinnen außen zusammen 150 Bälle angreifen und die Mittelblockerinnen 20, ist das ein Verhältnis, das auf Dauer nicht funktionieren kann", sagt Völker. Erschwerend kam hinzu, dass es im Außenangriff wegen einer Bänderverletzung von Luisa Keller kaum Wechseloptionen gab.

Das Rezept gegen die wechselhafte Leistung gegen Aachen ist aus Sicht von Dumancic einfach: "Trainieren. Und irgendwann greifen alle Zahnrädchen ineinander." Wehnert bemüht sich derweil um Nachhaltigkeit dieser Bemühungen. Grundsätzlich bestehe natürlich Interesse daran, Dumancic bis zum Saisonende zu halten. Ihm obliegt nun die Aufgabe, dieses Interesse auch beim Beraterteam der Spielerin zu wecken.

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