Krise im Volleyball:Und wieder ein Klub weniger

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Krise im Volleyball: Nur noch neun Vereine spielen nach dem Rückzug der United Volleys in der Männer-Bundesliga. Aufsteigen will auch keiner.

Nur noch neun Vereine spielen nach dem Rückzug der United Volleys in der Männer-Bundesliga. Aufsteigen will auch keiner.

(Foto: Uwe Anspach/dpa)

Durch Frankfurts Rückzug kommt nicht nur die Volleyball-Bundesliga weiter in Schieflage - der Schritt ist auch ein alarmierendes Zeichen an andere Ballsportarten.

Kommentar von Sebastian Winter

2015 sind die United Volleys mit einem hehren Ziel in die Volleyball-Bundesliga aufgestiegen. Der Klub aus Rüsselsheim wollte Entwicklungs-Plattform für deutsche Talente sein auf dem Weg in die Nationalmannschaft, eine ganze Region sollte vom Volleyballfieber erfasst werden, mit Heimspiel-Höhepunkten in der Frankfurter Ballsporthalle. Ein dritter Leuchtturm sollte so entstehen, neben Berlin und Friedrichshafen. Mit Millionen Euro alimentiert von Unternehmer Jörg Krick, dessen Sohn Tobias im Team zum Nationalspieler reifte und inzwischen im Ausland spielt.

Dieser Leuchtturm ist nun gefallen, die United Volleys erhalten aus wirtschaftlichen Gründen keine Erstliga-Lizenz. Ein Klub, der 2017 ins Halbfinale des europäischen CEV-Pokals einzog, Champions League spielte und 2021 den DVV-Pokal gewann. Sogar eine eigene TV-Serie gab es über die Volleys mal im Sportfernsehen. Nun haben sie aufgegeben, wegen fehlender Sponsoren, zu weniger Zuschauer, zu großer Konkurrenz durch Fußball, Basketball und andere Profiklubs - in der Metropolregion waren sie nie richtig angekommen. Und Krick, zuletzt noch Gesellschafter, hatte auch keine Lust mehr, weitere Millionen ins Projekt zu schaufeln.

An der Spitze der ewig selbe Zweikampf, der Abstieg ausgesetzt: Die Bundesliga verkommt zu einer Hülle ohne Wettbewerb

Mit ihrem Sturz gerät die Männer-Profiliga mehr denn je ins Wanken. Dort spielen künftig nur noch neun Vereine, inklusive des VC Olympia Berlin und des TSV Unterhaching, die sportlich nicht konkurrenzfähig sind. An der Spitze? Berlin, Friedrichshafen - und damit gähnende Langeweile. Der Abstieg bleibt ausgesetzt, aber nicht mehr wegen Corona, sondern weil sich die Liga nicht selbst weiter aushöhlen will. Aufsteigen möchte - bei Männern wie Frauen - schon seit Jahren niemand mehr wegen des finanziellen Risikos.

Während die Zwölferliga der Frauen aber auf einem recht soliden Fundament steht, hierzulande als zuschauerträchtigster Frauen-Ballsport gilt und bald zu den Top drei in Europa gehören möchte, ist die Profiliga der Männer zu einer ziemlich leeren, quasi wettbewerbsfreien Hülle verkommen. 2020 kehrten Rottenburg, das insolvente Eltmann und die Alpenvolleys der Liga den Rücken, 2021 die Bisons aus Bühl. Liveübertragungen verschwinden inzwischen in wenig massentauglichen Streaming-Kanälen.

Diese Entwicklung sollte nicht nur die Volleyball-Bundesliga alarmieren, sondern den gesamten Mannschaftssport unterhalb des Fußballs. Denn auch im Eishockey, Handball oder Basketball hat die Pandemie ihre Spuren hinterlassen, haben sich Fans, aber auch Mäzene und Sponsoren vom Lieblingsklub entwöhnt - gerade für Vereine aus dem (unteren) Mittelfeld ein großes, mancherorts existenzielles Problem. Auch wenn die Klubs aus diesen Ligen finanziell noch besser ausgestattet sind als jene aus dem Volleyball.

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