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Volleyball:Duale Planung

Bundesligist Straubing setzt im Kampf um Talente gegen finanzstärkere Klubs auf seine Chance in einer Nische als "Sprungbrettverein".

Das Saisonende ist im deutschen Hallen-Volleyball oft eine Zeit des Abschieds, denn je professioneller die hiesige Liga wird, desto stärker verkürzen sich die Laufzeiten der Verträge. Kaum eine Profi-Spielerin bindet sich noch für länger als ein Jahr. Speziell Klubs aus dem Mittelfeld oder vom Ende der Tabelle trifft diese Tendenz, weil ihre Besten meist nach einer Saison schon zur nächsten oder besser bezahlten Station weiterziehen. Während Mannschaften mit hohem Budget die Qual der Wahl haben, müssen Vereine wie Vorjahresaufsteiger NawaRo Straubing entweder nehmen, wer übrig bleibt, oder nach einer Nische suchen, "in der außer uns niemand anders sucht", wie Trainer Benedikt Frank sagt.

Bei der Größe der Nische gibt es graduelle Abstufungen. Auch Straubings niederbayerischer Konkurrent Vilsbiburg muss haushalten und setzt deshalb seit Jahren auf junge Talente oder Spielerinnen aus Übersee, die den Einstieg in die deutsche Liga schaffen wollen. Vilsbiburgs jüngste Verpflichtungen Jodie Guilliams (Außenangreiferin/zuletzt Aachen), Nikki Taylor (Diagonal/Finnland) und Alyse Wallace-Ford (Außenangriff/USA) bewegen sich dennoch - auch finanziell - auf einem anderen Niveau als potenzielle Zugänge für Straubing.

Nachdem Straubing im Frühjahr den sportlichen Klassenerhalt schaffte, gab es diesmal immerhin früh Planungssicherheit; im anvisierten Elferkader ist laut Frank lediglich noch ein Platz frei. Die in der Vorsaison chronisch unterbesetzte Abteilung Mittelblock soll künftig drei Spielerinnen umfassen. Die Vertragsverlängerungen von Kapitänin Celin Stöhr und Lena Große Scharmann sprechen zudem dafür, dass das Konzept, den Spielerinnen bei der Ausbildung entgegenzukommen, offenbar aufgeht.

Große Scharmann absolviert in Stuttgart ein Studium mit Anwesenheitspflicht, also über 300 Kilometer von ihrem Arbeitgeber entfernt. Nach einer starken Rückrunde, in der sie sich in der Liga unter die Top-Ten der besten Punktesammlerinnen schmetterte, hatte die Diagonalangreiferin mehrere Angebote aus der Liga vorliegen. "Aber da wäre das Entgegenkommen beim Thema Studium gleich null gewesen", sagt Frank. Für die 21-Jährige stand deshalb sogar das Karriereende zur Debatte. "Aber irgendwie bringt man es dann doch nicht übers Herz", sagt Große Scharmann, "und Straubing nimmt schon viel Rücksicht."

Sie ist mit der Doppelbelastung im Team nicht allein. Lisa Izquierdo absolviert seit einem Jahr parallel eine Berufsausbildung. Auch die neue Zuspielerin Magdalene Gryka, die mit 25 Jahren bereits auf Stationen in Aserbaidschan, Polen und bei mehreren deutschen Bundesligisten zurückblickt, stand aus Studiengründen vor dem Ende ihrer Laufbahn. "Aber ich habe sie angerufen, und wir waren uns schnell einig", sagt Frank.

Ihm ist die Feststellung wichtig, dass "die Priorität trotzdem auf dem Volleyball liegt". Frank will dem Eindruck vorbeugen, er versammle eine Hobbytruppe aus ehemaligen Top-Spielerinnen in Straubing. Dass er bei diesem Punkt so viel Wert auf die Außenwirkung legt, hat damit zu tun, dass die duale Karriereplanung nur die Hälfte des Konzepts ausmacht. Denn Spielerinnen wie die 18-jährige Norwegerin Oda Løvø Steinsvåg, die den Block verstärken soll, "kommen, weil uns mittlerweile der Ruf vorauseilt, dass wir gute sportliche Arbeit machen". Die Rolle als "Sprungbrettverein" wolle Straubing behalten und pflegen - selbst wenn das bedeuten sollte, dass im Frühjahr erneut einige Spielerinnen aufbrechen, um die nächste Karrierestufe anderswo zu nehmen.