Volleyball Die große Leere

Vertrag für die nächste Saison: Trainer Timo Lippuner bleibt trotz der Enttäuschung bei den Roten Raben.

(Foto: Tom Bloch/Imago)

Vilsbiburgs Bundesliga-Volleyballerinnen müssen eine Saison voller Personalsorgen aufarbeiten - und den Kader auf einigen Positionen umbauen. Auf der Diagonalposition etwa erwiesen sie sich als kaum konkurrenzfähig.

Von Katrin Freiburghaus

Jeder, der schon einmal ein Großprojekt angepackt hat, kennt das Gefühl, das sich nach dem Abschluss einstellt: als würde irgendetwas fehlen. Das kann durchaus angenehm sein, wenn alles geklappt hat. Vilsbiburgs Erstliga-Volleyballerinnen allerdings wurden am vergangenen Donnerstag unsanft mitten aus ihrem laufenden Projekt herausgerissen: Die 2:3-Heimniederlage im zweiten Viertelfinalspiel gegen den SC Potsdam war nach dem 1:3 im ersten Duell in der Best-of-three-Serie gleichbedeutend mit dem Ausscheiden aus der Meisterschaft und kam in dieser Klarheit unerwartet.

"Die Enttäuschung ist groß", sagt Trainer Timo Lippuner. Potsdam war der erklärte Wunschgegner der Niederbayerinnen gewesen; das Team hatte Potsdam im Verlauf der Hauptrunde zweimal bezwungen und sich das Viertelfinale gegen den Tabellenvierten mit einer beeindruckenden Aufholjagd in der Rückrunde erst am letzten Spieltag erkämpft. "Nach so einem Saisonende kommt eine große Leere, weil das, wofür man jeden Tag gearbeitet hat, nicht mehr zu erreichen ist", sagt Kapitänin Leonie Schwertmann.

Es ist aber nicht Enttäuschung allein, die Lippuner und seine Spielerinnen nach ihrem letzten Spiel umtreibt, sondern auch der fade Beigeschmack, dass "man so viel Pech in einer Saison eigentlich gar nicht haben kann", wie Schwertmann sagt. Bei der Niederlage im ersten Viertelfinale in Potsdam hatte Vilsbiburg vor allem mental erschöpft gewirkt, was Lippuner auch darauf zurückführt, "dass wir die Playoffs athletisch kaum vorbereiten konnten, weil wir ja nach dieser Hinrunde ununterbrochen am Feuerlöschen waren". Im entscheidenden Heimspiel fehlten dann sogar die elementar notwendigen Grundlagen: Sieben Spielerinnen - darunter mit Ausnahme von Angreiferin Channon Thompson und Zuspielerin Ilka van de Vyver die komplette Stammformation - hatten Grippe. "Wenn wir kein Spiel gehabt hätten, hätte ich die nicht mal ins Training genommen", sagt Lippuner.

Auf der Diagonalposition war Vilsbiburg kaum konkurrenzfähig

So erklärt sich, warum er trotz einer verspielten 2:0-Satzführung "unglaublich stolz auf das Team" war; "unter diesen Voraussetzungen" hätte auch ein 0:3 niemanden überraschen dürfen. Ganz so fatalistisch könne sie es noch nicht betrachten, sagt Schwertmann. Sie denke "immer noch über Situationen nach, die wir anders hätten lösen können". Allerdings räumt sie ein: "Die Sicht des Trainers ist wahrscheinlich die vernünftigere. Solche Fehler passieren, wenn man nicht bei 100, sondern bei 60 Prozent ist."

Eine Beurteilung der Saison ist angesichts der fast absurden Verletztenmisere zu Beginn und der Grippewelle in der K.o.-Phase schwierig. Platz fünf nach der Hauptrunde stellt tabellarisch eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu Platz acht im Vorjahr dar, das Team konnte letztlich aber kein Kapital daraus schlagen - am Ende steht erneut das Viertelfinalaus. "Wir haben uns im Vergleich zum Vorjahr gesteigert", sagt Lippuner, "aber auch in der Phase, als noch alle gesund waren, haben sich bereits Schwächen offenbart." Auf der Diagonalposition etwa war Vilsbiburg kaum konkurrenzfähig. "Das müssen wir ganz nüchtern analysieren", sagt er.

Der Schweizer besitzt einen Vertrag für die kommende Saison. Außer auf ihn trifft das lediglich auf die Perspektivspielerinnen Iris Scholten (Diagonal) und Corina Glaab (Zuspiel) sowie auf Libera Myrthe Schoot zu. Grundsätzlich wolle er sein Team gerne zusammenhalten, "aber wir werden um die eine oder andere Veränderung nicht drumrum kommen", sagt Lippuner. Viele Positionen stünden daher "von beiden Seiten" - also von der jeweiligen Spielerin und dem Verein - zur Diskussion. Wann diese Gespräche konkret werden, ist offen, was damit zusammenhängt, dass sie sowohl der Verein als auch die Mannschaft gerne wesentlich später geführt hätten. "Bei mir gibt es noch keine konkrete Tendenz", sagt Schwertmann, "ich habe nicht damit gerechnet, dass ich mich damit jetzt schon beschäftigen muss."