Deutsche Volleyballerinnen bei der EMAls Belohnung nun das Spiel des Jahres

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Die deutschen Volleyballerinnen jubeln nach ihrem Erfolg im Achtelfinale.
Die deutschen Volleyballerinnen jubeln nach ihrem Erfolg im Achtelfinale.
Handout/CEV/dpa
  • Die deutschen Volleyballerinnen ziehen mit einem beeindruckenden 3:2-Sieg gegen Belgien ins EM-Viertelfinale ein, erstmals wieder seit 2019.
  • Als Belohnung wartet am Donnerstag das Spiel des Jahres gegen Gastgeber Türkei im ausverkauften Sinan-Erdem-Dome in Istanbul.
  • Leana Grozer, Tochter der deutschen Volleyball-Legende Georg Grozer, erzielte als beste deutsche Spielerin 28 Punkte im Achtelfinale.
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Deutschlands Volleyballerinnen zählten zuletzt nicht mehr zur Weltspitze, aber bei der EM in der Türkei gelingt ihnen ein beeindruckender Erfolg gegen Belgien – im Viertelfinale steht die ultimative Herausforderung an.

Von Ulrich Hartmann

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Der Sinan-Erdem-Dome ist gewissermaßen die Köln-Arena von Istanbul. In dieser beeindruckenden Riesenhalle pulsiert regelmäßig das Herz der türkischen Sportnation. 16 500 Zuschauer passen in die nach einer türkischen Volleyball-Ikone benannte Arena in der Metropole am Bosporus, doch als die deutschen Volleyballerinnen dort am späten Dienstagnachmittag ihr Europameisterschafts-Achtelfinale gegen Belgien spielten, waren die Tribünen total verwaist. Von dieser traurigen Kulisse unbeeindruckt, pulsierte drunten auf dem Feld aber umso stärker das Herz der deutschen Volleyballerinnen.

Mit einem beeindruckenden 3:2-Sieg (20:25, 25:21, 25:20, 25:27, 15:8) gegen Belgien in über zweieinhalb Stunden zog die Mannschaft von Bundestrainer Giulio Bregoli ins Viertelfinale ein, erstmals wieder seit 2019. Als Belohnung für diesen Erfolg bekommt die Mannschaft um Kapitänin Camilla Weitzel am Donnerstag ein weiteres K.o.-Spiel: gegen die Türkei (18 Uhr, kostenpflichtig bei sporteurope.tv). Dann wird im Sinan-Erdem-Dome das Herz der türkischen Sportnation pulsieren, und die deutschen Volleyballerinnen werden ultimativ herausfinden, wie gut sie aktuell wirklich sind. Es ist für sie das größte Spiel des Jahres. Die 1:3-Niederlage gegen die Türkinnen aus der Gruppenphase muss dann kein Maßstab sein.

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Ob ihr Vater wohl stolz auf sie sei, ist die im Achtelfinale beste deutsche Spielerin nach dem Sieg im Interview gefragt worden, und sie sagte: „Ganz sicher!“ Dass Volleyball-Nationalspielerinnen nach ihren Vätern gefragt werden, ist eher ungewöhnlich, im Fall von Leana Grozer aber liegt die Frage auf der Hand. Ihr Vater, Georg Grozer, 41, Kampfname Hammer-Schorsch, ist eine deutsche Volleyball-Legende. Und wer seine 19 Jahre junge Tochter, die gerade ihr erstes großes Turnier für Deutschland spielt, gegen Belgien ihre Aufschläge ins gegnerische Feld hat donnern sehen, musste darin gewisse Grozer-Gene erkennen. 28 Punkte erzielte die Außenangreiferin. „Verrücktes Spiel!“, sagte sie hinterher lachend und lobte explizit, dass ihre Mannschaft „sehr gut verteidigt“ habe.

„Wir haben uns in jedem Spiel gesteigert“, sagte die Co-Kapitänin Lina Alsmeier

Vielleicht hat ja geholfen, dass der Bundestrainer Bregoli, ein 51 Jahre alter Italiener, sich in Istanbul ganz gut auskennt, im Hauptjob trainiert er die sehr erfolgreichen Volleyballerinnen von Eczacibasi Istanbul. Der Sieg gegen Belgien, in der Weltrangliste vier Plätze hinter den zwölftplatzierten deutschen Frauen, war insofern als Überraschung zu werten, als die Belgierinnen mit fünf Siegen in fünf Spielen in ihrer Gruppe als Erste ins Achtelfinale eingezogen waren. Die Deutschen mit zwei Siegen aus fünf Spielen in ihrer Gruppe nur als Vierte. Aber Belgien liegt dieser deutschen Mannschaft. Schon in der Nations League im Sommer, die für sie mit fünf Siegen und sieben Niederlagen nicht besonders ruhmreich ausgegangen war, hatte man die Belgierinnen besiegt.

Ihre durchwachsene Gruppenphase bei dieser EM hatten die Deutschen mit einem mauen 0:3 gegen Slowenien eröffnet, anschließend feierten sie zwei Pflichtsiege gegen Lettland (3:1) und Ungarn (3:0), ehe sie zwar erwartungsgemäß gegen die Türkei (1:3) und Polen (0:3) verloren, mit ihren Leistungen in diesen beiden Spielen aber zufrieden waren. „Wir haben uns in jedem Spiel gesteigert“, hatte die Co-Kapitänin Lina Alsmeier nach der Vorrunde gesagt und daraus Zuversicht für das Achtelfinale gezogen. Und das zu Recht, wie sich zeigte.

Die Deutsche Camilla Weitzel und ihre Teamkolleginnen begeistern bei der Volleyball-EM. Jetzt treffen sie in Istanbul auf die Türkinnen.
Die Deutsche Camilla Weitzel und ihre Teamkolleginnen begeistern bei der Volleyball-EM. Jetzt treffen sie in Istanbul auf die Türkinnen.
AP/dpa

Die Nationalspielerinnen sammeln mittlerweile auch in ihren Klubs viel internationale Erfahrung. Von den 14 EM-Teilnehmerinnen spielen in der kommenden Saison nur vier in der Bundesliga: Sarah Straube, Patricia Nestler, Lena Kindermann und Hannah Kohn. Zehn spielen in internationalen Top-Ligen in Italien (Alsmeier, Grozer, Anastasia Cekulaev, Emilia Weske), den USA (Monique Strubbe, Marie Schölzel), der Türkei (Hanna Orthmann, Camilla Weitzel), Frankreich (Romy Jatzko) und Portugal (Annie Cesar). Das hilft auch den Leistungen im Nationalteam.

Dass deutsche Volleyballerinnen bei einer EM ins Halbfinale einziehen konnten, ist 13 Jahre her. 2011 und 2013 gewannen sie bei zwei aufeinanderfolgenden EM-Turnieren sogar Silber. Doch mittlerweile sind die Spitzennationen enteilt. Das 1:3 gegen die Türkei in der Gruppenphase hatte das deutsche Team in der Addition aller Ballwechsel halbwegs verträglich nur mit 87:100 verloren, man hielt eigentlich durchgängig mit. Doch die Türkinnen sind aktuelle Europameisterinnen und WM-Zweite – und im Sinan-Erdem-Dome Favoritinnen auf die Titelverteidigung.

Unterstützung und auch ein bisschen Werbung bekam die deutsche Mannschaft nach ihrem Viertelfinal-Sieg vom Volleyball-„Influencer“ Georg Grozer. Er zeigte bei Instagram die besten Spielszenen seiner Tochter. „Er war sehr gehypt“, berichtete Leana Grozer, „und happy fürs Team.“ Zusätzliche Motivation fürs Viertelfinale.

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