Volleyball-Bundesliga:Zeit für neue Schuhe

Volleyball Herrsching

Schmettern unter dem Monopteros: Die Herrschinger Volleyballer haben mit einem Guerilla-Training im Englischen Garten Werbung für ihre Spiele im Münchner Audi Dome gemacht.

(Foto: Herrsching Volleyball/GCDW/oh)

Die WWK Volleys Herrschings stellen ihre Mannschaft für die neue Bundesliga-Spielzeit vor, doch der Star des Abends ist eine Sporthalle in München.

Von Katrin Freiburghaus

Die WWK Volleys Herrsching greifen in Marketing-Fragen bekanntermaßen gerne zu unkonventionellen Maßnahmen. So wie der am vergangenen Wochenende, als die Erstliga-Volleyballer eine Trainingseinheit im Englischen Garten abhielten, um in der Landeshauptstadt die Werbetrommel für ihre Heimspiele im Münchner Audi Dome zu rühren. Weil Vereinssport dort aber derzeit nicht erlaubt ist, machten sie recht zügig Bekanntschaft mit dem Ordnungsamt. Man sei sich jedoch einig geworden, sagte Trainer Max Hauser, er habe die Einheit früher als geplant für die anwesenden Freizeitsportler geöffnet - um die war es schließlich in erster Linie gegangen.

Nach dem niederschwelligen Kennenlernangebot für neue Zuschauergruppen auf der Wiese luden die Herrschinger zu Wochenbeginn dann noch ganz offiziell zur Team-Vorstellung. In diesem Rahmen - und ohne behördliche Überraschungsbesuche - entschied sich Geschäftsführer Fritz Frömming für staatstragende Worte. "Man mag es kaum glauben, wir gehen in die achte Erstliga-Saison, für mich ist es vergangen wie im Flug", sagte er. Hauser stutzte. Und bedachte ihn mit einem Gesichtsausdruck, der signalisierte, dass sie dabei in verschiedenen Flugzeugen gesessen haben mussten. Frömming ruderte sogleich zurück. Mitunter sei "das Licht im Tunnel schwer zu finden" gewesen, ergänzte er, auch in der vergangenen Saison habe Corona den Klub vom Ammersee "finanziell schwer gebeutelt". Insgesamt tauchte die Vorfreude auf die kommende Spielzeit samt Teilumzug nach München aber nicht nur bei Frömming vieles in milderes Licht, was in der zurückliegenden Saison noch unbefriedigend bis schmerzhaft gewesen war: Spiele in leeren Hallen, ein bitteres Halbfinal-Aus im Pokal und das Verpassen des Halbfinals um die Meisterschaft trotz Platz vier nach der Hauptrunde.

Am 16. Oktober ist Premiere im Audi Dome am Westpark - und der Beginn einer neuen Ära, sagt Präsident Frömming

Die Vorfreude hat nicht allein mit dem Kader zu tun, den Hauser nach der Verpflichtung von Samuel Jeanlys auf der Diagonalposition, Luke Herr im Zuspiel und Jordi Ferragut im Außenangriff als "wieder ein bisschen besser als letztes Jahr" einschätzt. Sie geht zu einem guten Teil auf das Konto der neuen Spielstätte. Herrsching hatte jahrelang zäh um eine neue, regelkonforme Halle im Münchner Umland - vorzugsweise in Herrsching - gerungen, war aber immer wieder gescheitert. Zwischenzeitlich hatte gar der Rückzug in die zweite Bundesliga im Raum gestanden, sollte sich keine Alternative zur atmosphärisch reizvollen, aber zu kleinen, zu niedrigen und nicht sonderlich telegenen Nikolaushalle finden, für die es nur in dieser Saison noch eine Ausnahmegenehmigung gibt. Dann kam die Kooperation mit den Basketballern des FC Bayern - aber auch Corona. Das sehnsüchtig erwartete erste Heimspiel in München entfiel ersatzlos, der Aufbruch wurde verschoben.

Während der Pandemie ergab ein Umzug in die selbst unter den aktuellen Corona-Auflagen mehr als 5000 Zuschauer fassende Arena am Westpark keinen Sinn, nun soll es im zweiten Anlauf endlich klappen: Das erste Heimspiel gegen Lüneburg am 16. Oktober ist im Audi Dome angesetzt. Es geht bei diesem Umzug, der in dieser Saison teilweise, in der folgenden dann komplett umgesetzt werden soll, nicht ausschließlich um die größere Zuschauer -Kapazität. "Das ist ein weiterer Schritt in der Professionalisierung und damit in eine neue Ära", sagte Frömming ohne Übertreibung. So idealistisch und ungestüm die Herrschinger die ersten Jahre ihrer Erstliga-Zugehörigkeit auch angingen, wissen sie um die Mechanismen des Profi-Geschäfts. Kleider machen Leute - und Hallen machen Meister. Ein Blick in die jüngere Liga-Historie lässt daran keinen Zweifel.

Mehr Zuschauer und bessere Möglichkeiten für Sponsoren und Vermarktung, das zieht auch Spieler an

Das liegt nicht nur daran, dass moderne Arenen Platz für mehr zahlendes Publikum bieten und auf Bildschirmen besser aussehen, sondern dass sie Spielern, Sponsoren und Sendeanstalten für eine gewisse Nachhaltigkeit garantieren. Die beste sportliche Leistung ist wenig wert, wenn die Rahmenbedingungen nicht Schritt halten und starke Spieler sofort weiterziehen. "Indem wir dort Mieter sind, nimmt uns außerdem ein großer Verein ein bisschen an die Hand", sagte Frömming, und fügte hinzu: "Man muss es so sagen: Wegen so einer Halle kommen Spieler." Der Umzug sei dennoch "Weinen und Lachen zugleich", weil die Nikolaushalle ein Markenzeichen des Klubs ist. Eines, über das die Gegner fluchen, weil die Decke zu niedrig ist, über das sich die Liga den Kopf zerbricht, weil es eine Sondergenehmigung braucht, eines, das Herrsching bei der Zuschauerzahl limitiert, weil es zu klein ist. Aber eben auch eines, in dem man die Wurstsemmeln selbst verkauft, zur Mixed-Zone in die Katakomben bittet und jeden Fan persönlich kennt.

Dort auszuziehen ist ein bisschen wie der langsame Abschied von den verschlissenen Lieblingsturnschuhen. Aber sie wissen, dass sie gute Turnschuhe brauchen werden, wenn das Ziel, das Pokalfinale oder das Halbfinale in der Meisterschaft zu erreichen, Realität werden soll. Denn die Liga ist aus Sicht von Hauser mindestens in gleichem Maße besser geworden wie der eigene Kader. "Das wird also beides schwierig", sagte er, "aber wir wollen uns daran messen lassen." Denn Halle hin oder her: auch sportlicher Erfolg bleibt als Werbefaktor essenziell.

© SZ/toe
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