Volleyball:Rätselhaft verzagt

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Volleyball: "Wir wissen gerade nicht, wo das Problem ist", sagt Jodie Guilliams (rechts), die nach ihrer langen Verletzungspause gleich wieder wertvollste Spielerin der Roten Raben.

"Wir wissen gerade nicht, wo das Problem ist", sagt Jodie Guilliams (rechts), die nach ihrer langen Verletzungspause gleich wieder wertvollste Spielerin der Roten Raben.

(Foto: Michael Sigl/imago)

Weil es nach wie vor nicht gelingt, stabil auf hohem Niveau zu spielen, finden sich Vilsbiburgs Volleyballerinnen in ungewohnten Tabellenregionen wieder.

Von Katrin Freiburghaus

Jodie Guilliams machte am Samstag kein Geheimnis aus ihrer Enttäuschung. "Das ist überhaupt nicht das, was wir erwartet hatten", sagte die belgische Kapitänin der Vilsbiburger Erstliga-Volleyballerinnen nach der überraschend deutlichen Heimniederlage gegen Wiesbaden (21:25, 19:25, 24:26). Ihr Trainer Florian Völker klang nach dem verpassten Sprung zurück in die Playoff-Zone ähnlich zerknirscht. Es seien noch zehn Spiele zu spielen, sagte er zwar, räumte aber ein, "dass das ein wichtiges Spiel und eine enttäuschende Niederlage war".

Nach einer turbulenten Hinrunde, mit vielen unerwarteten Ergebnissen und nahezu Punktgleichheit im großen Tabellenmittelfeld, vergrößern sich die Abstände in der ersten Bundesliga der Frauen langsam, doch Vilsbiburg sortiert sich als derzeit Neunter anders ein als geplant. Nach einem Herbst mit vielen Verletzungen und zwei Nachverpflichtungen sind seit drei Wochen wieder alle Spielerinnen an Bord, trotzdem lässt ein steiler Aufwärtstrend auf sich warten. "Tatsächlich wissen wir gerade nicht so richtig, was eigentlich das Problem ist", sagte Guilliams. Die 24-Jährige war nach sechs Wochen Verletzungspause sehnlich im Außenangriff zurückerwartet worden. Gegen Wiesbaden war sie Vilsbiburgs zweitbeste Scorerin und wertvollste Spielerin, dennoch reicht die Stabilität, die sie einbringt, allein ganz offensichtlich nicht aus, um die zwischenzeitliche Verzagtheit des Vilsbiburger Spiels zu unterbinden.

"Unterm Strich waren wir heute nicht gut genug", sagt Trainer Völker

Das Team trainiere "super gut", betonte sie, "aber dann kommt das Spiel und wir finden zu keinem stabilen Level". Völker machte gegen Wiesbaden vor allem den zwei Sätze lang fehlenden Druck dafür verantwortlich, "dass wir eigentlich immer hinterhergerannt sind". Im dritten Satz kämpfte sich das Team mit gezwungenermaßen mutigeren Aufschlägen in die Partie. "Und prompt wird es knapp", sagte Völker, "und an guten Tagen gewinnt man den Satz." Am Samstag nicht. Das sagte er nicht. Dafür fügte er hinzu: "Unterm Strich waren wir heute nicht gut genug." Der fehlende Druck im Aufschlag war nicht die einzige Baustelle, mit der sich Vilsbiburg beschäftigen muss. Guilliams bestätigte, dass es unverändert nicht klappe, homogen auf höchstem Niveau zu spielen. "Zwei Spielerinnen sind gut, zwei sind schlecht - wir müssen einen Weg finden, dass alle voll da sind", sagte sie, "um zu gewinnen, brauchen wir alle".

Obwohl Platz neun und damit der erste Platz, der nicht zur Teilnahme an den Playoffs berechtigt, nach zwölf von 22 angesetzten Hauptrundenspielen kein Drama ist, merkt man den Niederbayerinnen und ihrem Coach an, wie tief das Tal ist, aus dem sie sich herausarbeiten müssen. Zumal die Aussicht auf zehn weitere Partien ohnehin nur dann Bestand hat, wenn man davon ausgeht, dass die Serie zu Ende gespielt werden kann. Diesbezüglich ist Völker momentan verhalten optimistisch. Spielverlegungen aufgrund positiver Corona-Fälle betrafen in der Frauenliga bislang nur einzelne Vereine, zuletzt war Aufsteiger Neuwied in Quarantäne. Es seien unkomplizierte Wege gefunden worden, um Spiele nachzuholen; so verzichtet der Aufsteiger, der Straubing am Samstag 2:3 unterlag, beispielsweise zweimal auf sein Heimrecht, um Doppelspieltage zu ermöglichen, die den Spielplan straffen und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, die Hauptrunde regulär innerhalb des Rahmenspielplans unterzubringen.

Völker ist niemand, der in der Öffentlichkeit herumpoltert. Selbst in Auszeiten geht es ruhig bis aufmunternd zu. Für die kommenden Wochen hat der 30-Jährige die wenig alarmistische Devise ausgegeben, "kontinuierlich weiterzuarbeiten". Er fügte allerdings hinzu, "dass wir die Situation auch ein bisschen annehmen müssen, wie sie jetzt ist". Diese Situation ist eine andere als in den vergangenen Jahren, als es meist lediglich um die aussichtsreichste Position vor den Playoffs ging. Der derzeit Achte Münster ist punktgleich, der Siebte Wiesbaden hingegen nun bereits um fünf Zähler enteilt. Es wird also offenbar Zeit, in einer neuen Tabellenregion ortskundig zu werden.

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